Stadtwerke-Chef Weigl: Geothermisches Zeitalter beginnt wohl erst Ende der nächsten Heizperiode - "Keine Kostenexplosion"

Geothermie: "Ein grandioser Erfolg"

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"Ein Jahrhundertwerk" ist die Geothermie-Bohrung (gelb umrahmt) in den Augen von Stadtwerkechef Norbert Weigl.

Waldkraiburg - Die gute Nachricht zuerst: Ein technisches Problem, das die Arbeiten an der Geothermie-Bohrstelle erneut verzögerte, ist laut Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Weigl abgestellt.

Die schlechte Nachricht: Das Ziel, schon zu Beginn der nächsten Heizperiode in das neue Zeitalter der geothermischen Versorgung einzusteigen, ist nicht zu halten. Es wird wohl erst zum Winterende möglich sein.

Metallteile hatten sich gelöst und waren ins Bohrloch gefallen. Sie mussten entfernt werden, um Schäden zu vermeiden, bestätigt Weigl auf Anfrage. Bei einem Rohrdurchmesser von 16 Zentimetern und einer Tiefe von 3000 Metern könne sich jeder vorstellen, dass das kein leichtes Spiel ist. Eine US-amerikanische Spezialfirma konnte das Problem schließlich lösen.

US-Spezialfirma löst technisches Problem

Eine erneute Kostensteigerung? "Das ist nicht unser Bier", stellt Weigl klar, dass dafür nicht die Stadtwerke aufkommen müssen. Und zu den Gerüchten, dass das Projekt den Kostenrahmen längst gesprengt habe, sagt der Stadtwerke-Chef: "Von einer Kostenexplosion kann keine Rede sein."

Die Bohrung werde teurer, "wie jede andere Baustelle auch", bestätigt er, ohne Zahlen zu nennen. Man habe keine "U-Bahn-Kalkulation" betrieben, die so ausgelegt sei, dass der Kostenrahmen in keinem Fall überschritten werden könne, sondern "knapp und realistisch" kalkuliert. An der Waldkraiburger Bohrstelle seien zwar Probleme aufgetreten, andererseits seien Kostensteigerungen in einem Ausmaß wie an anderen Standorten, etwa Kirchweidach, Unterhaching oder Pullach, wo sogar eine dritte Bohrung notwendig wurde, ausgeblieben.

"Entscheidend ist das Ergebnis", so Weigl. Vom Energiewirtschaftlichen her sei die Bohrung "ein grandioser Erfolg". Was Temperatur und Schüttung angeht, seien die Erwartungen, die in das Projekt gesetzt wurden, übertroffen worden. Der Stadtwerke-Geschäftsführer verweist auf die Werte, die der Geologe Johann Goldbrunner vor Kurzem beim Klimaschutztag genannt hatte (wir berichteten): 110 Grad (erste Bohrung), beziehungsweise 112 Grad sei das Wasser warm. Und bei der ersten Bohrung sei eine Schüttung von 80 Litern pro Sekunde erreicht worden. Deshalb wird sie wohl auch die Förderbohrung werden, aus der das heiße Wasser entnommen wird, während durch das zweite Bohrloch nach der Wärmeentnahme das Wasser wieder in die Erde verpresst wird.

Weigl hofft, dass der 60-Tage-Test, bei dem das Wasser herausgepumpt und wieder verpresst wird, in der kommenden Woche beginnen kann. Diese Phase, die sich vom Echt-Betrieb nur unterscheidet, dass die Wärme nicht entnommen wird, werde endgültigen Aufschluss über Förderleistung und Temperatur im Langzeitbetrieb ergeben. Sie ist auch Voraussetzung für die bergrechtliche Genehmigung zur Wasserentnahme.

Schon sei man dabei, die Übergabestation mit Wärmetauscher zu planen und zu bauen. Von dort wird die Energie in das bereits vorhandene Wärmehaus mit den Blockheizkraftwerken und Kessel weitergeleitet und in das Fernwärmenetz eingebunden.

Leitungsnetz soll ab 2012 Zug um Zug ausgebaut werden

Zug um Zug soll das Netz in den nächsten Jahren nach einem Erschließungsprogramm erweitert werden. Nach Weigls Worten wird das Netz 2012 Richtung Kirchenstraße und Sartrouville-Platz vorangetrieben. Der Fokus liegt auf den Wohnungsbaugesellschaften und öffentlichen Einrichtungen, etwa das geplante Ärztehaus in der Kirchenstraße, das Rathaus und die Bebauung am Sartrouville, die beiden Kirchen, das Schulzentrum an der Dieselstraße und das Haus Sudetenland. "Wir nehmen jede Bebauung mit, die auf diesem Weg erschlossen werden kann." Verträge sind noch nicht abgeschlossen. In den nächsten Wochen soll die Werbung beginnen. "Im Winter wird geplant, im Frühjahr und Sommer gebaut, im Herbst versorgt." Nach diesem Muster soll ein Baugebiet nach dem anderen für die geothermische Versorgung erschlossen werden. Je mehr Einheiten anschließen, umso besser sind die Möglichkeiten, zügig weiterzubauen. Weigl: "Das ist ein Prozess, der zehn, 15 Jahre dauert."

"Jahrhundertwerk"

Allen, denen es nicht schnell genug geht, sagt der Stadtwerke-Chef: "Das ist ein Jahrhundertwerk. Das haben wir nicht für die nächsten zehn Jahre gemacht." Das Bauwerk sei technisch auf hundert Jahre ausgelegt. Mit einer Abkühlung des Tiefenwassers sei erst in 400 Jahren zu rechnen, eine weitere Bohrung nachfolgender Generationen also denkbar.

Der Charme des Projekts liege darin, dass Waldkraiburg nicht von heute auf morgen, aber langfristig bei der Wärmeversorgung unabhängig wird. Angesichts der aktuellen Diskussionen um die Energiewende glaubt Weigl, dass schon in zehn, 20 Jahren in der Bundesrepublik "nur noch regenerativ" geheizt werde und geheizt werden dürfe. Die Bevölkerung Waldkraiburgs habe das erkannt. "Die Bürger stehen hundertprozentig hinter dem Projekt."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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