Zweite Geothermie-Bohrung im Januar

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Im Januar 2011 beginnt die zweite Bohrung.

Waldkraiburg - Der Weg für die zweite Geothermie-Bohrung ist frei. Sie soll allerdings erst Anfang Januar beginnen. Dies teilten Bürgermeister Klika und Stadtwerke-Geschäftsführer Weigl mit.

Zugleich gaben sie bekannt, dass der Streit mit Anliegern in Sachen Lärmbelastung beigelegt ist. Mit vier Anwohnern wurde eine Vereinbarung geschlossen, über deren Inhalt beide Seiten Vertraulichkeit vereinbarten.

"Die Stadt kann davon ausgehen, dass es bei der zweiten Bohrung keine Beschwerden mehr von Anliegern gibt. Wir wollen das Projekt nicht verhindern und nicht in die Länge ziehen." Dies erklärte Martin Auer, einer der unmittelbar betroffenen Anwohner der Sebastian-Bach-Straße, im Beisein von Klika und Weigl gegenüber unserer Zeitung. Die Einigung mit den vier Anliegern war eine Voraussetzung, um überhaupt an die zweite Bohrung gehen zu können.

Geothermie Strom- und Heizkraftwerk eingeweiht

Die Bohrgenehmigung der Regierung von Oberbayern orientiert sich laut Norbert Weigl an der TA Lärm und gibt für den Nachtbetrieb einen Immissionsrichtwert von 45 Dezibel vor. Dieser ergebe sich aus der Gemengelage des Sondergebiets Kläranlage, in dem sich die Bohranlage befindet, und dem reinen Wohngebiet in der Bach-Straße. Weil es sich um eine vorübergehende Baustelle handelt, sei die Stadt für die Zeit der Bohrung von höheren Werten ausgegangen, so Bürgermeister Siegfried Klika, konnte sich aber mit "dieser Interpretation" nicht durchsetzen.

Wie der Bürgermeister einräumt, kam es bei der ersten Bohrung seit August an zahlreichen Tagen zu "punktuellen Überschreitungen" der vorgegebenen Richtwerte. Auch nach der technischen Optimierung der Anlage, etwa der Einhausung der Hochdruckspülpumpe und weiteren Maßnahmen, wurde dieses Problem nicht gelöst.

Nach Messungen durch ein unabhängiges Institut, die die Stadt seit September veranlasst hatte, ist laut Klika klar, dass man den niederfrequenten Schall, der auch Gebäude durchdringt und als besonders störend empfunden wird, "nicht wegkriegen wird". In einem Gutachten vor der Bohrung sei dies "eigentlich ausgeschlossen worden", so Klika. "Die Annahmen des Gutachtens sind im realen Betrieb nicht eingetreten", ergänzt Stadtwerke-Chef Weigl.

Bei der ersten Bohrung hatte es deshalb von Anfang an Beschwerden von vier Anliegern an der Hangkante gegeben. Pumpversuche nach dem Auffinden des heißen Wassers am Abend des 11. November wurden auf ihr Drängen hin durch das Bergamt Südbayern eingestellt. Geplante Dauerpumpversuche über mindestens 48 Stunden, die Aufschluss über die genaue Temperatur und Volumen erbringen sollten, wurden nicht mehr durchgeführt.

Bis zum Erreichen der Endstufe am 11. November habe es bei der Bohrung keine Verzögerungen wegen Anliegerprotesten gegeben, sagt Martin Auer. Um Diskussionen zu vermeiden, habe die Firma Daldrup an mehreren Tagen schon um 22 Uhr die Arbeit abgebrochen, meint dagegen Bürgermeister Klika.

Auch wenn nicht alle Differenzen ausgeräumt zu sein scheinen, haben sich Stadt und Anlieger über die zweite Bohrung verständigt. Über die Inhalte der Vereinbarung machen beide Seiten keine Angaben.

Auch im Interesse der Anlieger soll die zweite Bohrung in der kürzestmöglichen Zeit niedergebracht werden. Schon aus technischen Gründen "muss der Bohrer rund um die Uhr laufen", sagt Klika. Weil die zweite Bohrung stark abgelenkt wird, die Endteufe im Bereich unter dem McDonalds erreichen wird, wird die reine Bohrzeit etwas länger dauern als bei der ersten Bohrung.

Die Anlage steht. Derzeit tut sich nicht viel an der Bohrstelle. Warum geht es nicht sofort weiter? Laut Norbert Weigl laufen bis Weihnachten weitere geophysikalische Messungen und Tests, wird das Bohrloch geschlossen, die Bohranlage um etwa sieben Meter versetzt und der Schallschutz verbessert. Über die Feiertage gehen die Daldrup-Mitarbeiter in Weihnachtsurlaub. Erst Anfang Januar wird der Bohrbetrieb laut Weigl beginnen. Dadurch werden die Kosten für den Auftraggeber nicht ansteigen, betont der Stadtwerke-Chef. "Wir haben ein schlüsselfertiges Bohrloch zu einem festen Preis bestellt."

Die geschätzten Kosten von fünf Millionen Euro, die für eine Bohrung angesetzt waren, werden aber durch "unvorhergesehene Dinge", die nicht im Leistungsverzeichnis geregelt sind, überschritten. Neben dem Thema Schallschutz ist das laut Klika vor allem auf die Verzögerungen und technischen Maßnahmen infolge einströmenden Erdgases zurückzu- führen. Kurz vor dem Durchbruch zum Malm sei die Anlage deshalb 14 Tage gestanden. Die Bohrung musste gasdicht gemacht werden. Die Beurteilung, es werde keine Gaseinströmungen geben, "war wohl sehr optimistisch", meint der Bürgermeister. Gleiches gilt für die Zeitdauer, die die Bohrung in Anspruch nehmen wird.

"Das ist kein Einfamilienhausbau, sondern eine Tiefenbohrung. Die macht man nicht jeden Tag", meint dazu Norbert Weigl. Er will sich wegen der Unwägbarkeiten auf keine Prognosen hinsichtlich der Dauer der zweiten Bohrung einlassen.

Bei allen Schwierigkeiten, die es seit Beginn des Geothermie-Projekts gab, bleibt eines festzuhalten: Die Stadt Waldkraiburg geht mit der Gewissheit in das Jahr 2011, dass die Fernwärmeversorgung durch geothermale Tiefenwässer Realität werden kann.

So viel ist nach der ersten erfolgreichen Bohrung sicher: Wassermenge und Temperatur reichen für den Betrieb einer Fernwärmeversorgung aus. Von 100 Grad spricht Norbert Weigl. Einen genauen Wert wird es nach seinen Worten erst nach Abschluss der zweiten Bohrung geben. Von deren Ergebnis wird es auch abhängen, aus welchem der beiden Bohrlöcher der Dampf gefördert wird, und über welche das Wasser wieder in die Tiefe verpresst wird.

hg/Mühldorfer Anzeiger

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