Harry Potter: Pürtenerin synchronisiert Hermine

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Zwei junge Frauen - eine große Rolle: Schauspielerin Emma Watson (kleines Bild) und Synchronsprecherin Gabrielle Pietermann - hier im elterlichen Garten in Pürten - hauchen der Zauberschülerin "Hermine Granger" in allen acht Kinostreifen der "Harry Potter"-Saga Leben ein. Mehr Infos unter www.gabrielle-pietermann.de.

Waldkraiburg - Sie ist die deutsche Synchronstimme von Emma Watson alias "Hermine Granger" aus "Harry Potter": Gabrielle Pietermann aus Pürten. Der neue Film wartet schon auf die 23-Jährige.

Gabrielle ist zu Besuch bei ihren Eltern in Pürten. Seit fünf Jahren lebt die junge Frau in München - neben Berlin werden dort die meisten Filme vertont - und kommt regelmäßig jedes zweite Wochenende nach Hause. In dem kleinen Dorf kann sie auftanken und zur Ruhe kommen. Die Idylle des elterlichen Gartens ist geradezu ideal dafür.

Die junge Frau mit den schwarzen Haaren und der strengen, modischen Brille verdient ihr Geld mit der Synchronisation von Kinofilmen, Serien, Hörspielen, PC-Spielen, Werbespots und dem Schreiben von Dialogbüchern.

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Über 150 Rollen synchronisiert

Sie bevorzugt den Begriff "Synchronschauspielerin", schließlich brauche man eine professionelle Ausbildung als Schauspieler oder Sprecher. Ihre Stimme kennt in Deutschland jeder Harry-Potter-Fan, denn die leiht sie seit dem ersten Zauberer-Kinofilm der britischen Schauspielerin Emma Watson, die die "Hermine Granger" mimt. Über 150 verschiedene Rollen hat sie mittlerweile synchronisiert.

Durch ihren Vater, der beim Theater arbeitete, kam sie als Achtjährige dazu, eine szenische Lesung auf einer kleinen Bühne in München zu halten. Durch die zuständige Regisseurin bekam sie eine Sprechausbildung und ergatterte so immer öfter kleine Rollen. Begabte Kinder werden gefördert, weil es wenig Nachwuchs gibt. Ihre erste Hauptrolle sprach sie mit neun, mit zehn kam der erste Kinofilm: "Barney's großes Abenteuer". Als sie zwölf war, kannte man sie in der Sprecher-Szene bereits und sie wurde zum Harrry-Potter-Casting eingeladen. "Damals war ich ein Riesen-Fan und hab ganz laut geschrien, als ich die Rolle bekam", erinnert sie sich lachend.

Gabrielle ist mit Emma Watson groß geworden, synchronisiert all ihre Filme. Getroffen habe sie die 21-jährige Schauspielerin noch nicht. "Das würde ich aber sehr gern, sie ist eine sehr sympathische Person und ich respektiere ihre Arbeit." Watson modelt auch und designt Öko-Kleidung. Gabrielle mag das Bodenständige an ihr: "Sie ist stinkreich und lässt sich das nicht raushängen, sie braucht keine doofen Statussymbole".

Die Synchronisation für den letzten Teil, "Die Heiligtümer des Todes II", der im Juli in den deutschen Kinos anläuft, hat noch nicht begonnen. Ihre Sprecher-Kollegen sind Max Felder aus München, der "Ron" synchronisiert, und Nico Sablin, die deutsche Stimme von "Harry".

Bei den Vertonungsarbeiten arbeitet aber jeder einzeln, selbst Dialoge werden "geixt", das bedeutet, jeder Part wird einzeln aufgenommen. "Das geht schneller und Zeit ist Geld", weiß Gabrielle. Die Takes, also die Aufnahmesätze, dauern bei Potter-Filmen doppelt oder dreimal so lange, wie bei anderen Produktionen.

Die Crew kenne sich, sei ein super Team. Die Arbeit als "Hermine" wird ihr fehlen, auch wenn sie "nicht ihr Leben" ausmache.

Das deutsche Dialogbuch für den letzten Auftritt der ehrgeizigen Zauberschülerin schreibt Frank Schaff, einer der besten Synchronregisseure, den es gibt, wie sie sagt. Dabei muss der englische Text so übersetzt werden, dass alles synchron ist, also mit den Lippenbewegungen zusammenpasst. "Das ist eine Hammer-Arbeit", so Pietermann, die erklärt, worauf es ankommt. Beim Sprechen sei der Mund entweder auf oder zu. "Labial" bedeute zu, wie beispielsweise bei "m", "p" oder "b", halblabial wäre "w". "Das muss sitzen, daher ändere ich die Satzstellung oder suche ein Synonym, das passt."

Für eine 25-minütige Episodenfolge sitze der Autor etwa drei Tage daran - ein riesen Aufwand. Dabei wird mit zwei Bildschirmen gearbeitet, an dem einen läuft der Film, den man immer wieder anhalten kann. Auf dem anderen steht das englische Textdokument neben dem deutschen Buch, das sie schreibt.

Witz und Charme für eine gute Übersetzung

Bescheiden sagt sie, ihr Englisch sei gar nicht so gut, wenn sie ein Wort wirklich nicht verstehe, schlage sie es nach. Dabei reiche es nicht, "super Englisch" zu können. "Viel wichtiger ist es, ein gutes deutsches Sprachgefühl zu haben. Charme und Witz. Das ist eine gewisse Gabe", erklärt sie ihre Arbeit, die nicht nur eine "dämliche Übersetzung" sei. Und diese Gabe hat sie zweifelsohne. Ihre Sprache ist sehr rein und sie drückt sich gewählt aus. Die Stimme ist jung, hell und sehr sympathisch.

Als Sprecherin muss sie die Authentizität des stimmlichen Ausdrucks bewahren, ohne ihren Körper einsetzen zu können. Starke Bewegungen sind vor dem Mikrofon kaum möglich, weil sie zu Tonproblemen führen. Schauspielerisches Können ist jedoch eine Grundvoraussetzung, deswegen sind auch viele deutschsprachige Schauspieler gleichzeitig vielbeschäftigte Synchronsprecher.

Knifflig wird es, wenn englische Wortspiele, die es im Deutschen gar nicht gibt, übersetzt werden müssen, etwa bei Slang. In der amerikanischen Serie "Two and a half Man" sei das hervorragend gemacht. "Herr der Ringe" gefalle ihr in der deutschen Fassung sogar besser als das Original, weil so "liebevoll" übersetzt wurde.

Bei mehrteiligen Filmen achten die Studios darauf, den Hauptsprecher immer gleich zu besetzen. Die Branche sei keine einfache. Hart sei es, den Gagenspiegel zu halten, es gebe keine Tarife und keine Gewerkschaft. Seit den Sechzigern stagnieren die Entlohnungen der freien Künstler, wie sie berichtet. Um gut zu verdienen, müsse man der geborene Sprecher sein und sich gut positionieren, immer wieder Demos aktualisieren und sich etwa bei Hörspielmessen bei den Verlagen direkt vorstellen.

Catering für Promis teurer als für gesamte deutsche Vertonung

Über Geld will sie nicht sprechen und verrät nur so viel: Das Catering für die Premierenfeier eines Blockbusters ist teurer als die gesamte deutsche Synchronisation. Fair finden das die Sprecher nicht, mache doch die Stimme gut 50 Prozent einer Rolle aus, so Pietermann. "Das sollte geschätzt werden."

Ihr Apell an Film- und Fernsehfans: "Kuckt kein Asi-Fernsehen sondern vernünftige Filme!" Sie spricht damit die billigen Eigenproduktionen an, die Gerichts-, Koch-, Abnehm- und Auswanderershows, bei denen die Sender nur Geld sparen. In ihren Augen läuft zu viel Müll auf allen Kanälen. Da legt sie lieber eine schöne DVD ein, als rumzuzappen.

Für die Zukunft hat sie einige Wunschprojekte. Zurzeit steht sie auch selbst vor der Kamera und schauspielert.

Als Stimme? Kino, ganz klar. Aber sie möchte mehr sein als die High-School-Zicke, wie in "Camp Rock", wo sie Meaghan Jette Martin ihre Stimme lieh. Einmal will sie auch der Bösewicht sein und einen Psychothriller vertonen. Vielleicht ist sie jetzt noch zu jung dafür, meint Gabrielle. Aber selbst "Darth Vader" war einmal jung.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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