Rupp: "Frauen müssen doppelt so gut sein"

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Ist froh, wenn KT zu Guttenberg nicht wiederkehrt: Adelheid Rupp, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Bayern. Beim politischen Aschermittwoch der SPD sprach sie insbesonders die Benachteiligung der Frauen an.

Waldkraiburg - Kleinlaute Frauenquote, zu schlecht bezahlte Frauen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und weibliche Altersarmut waren die Themen der Aschermittwochsrede von Adelheid Rupp.

Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Bayern sagt: "Frauen müssen immer doppelt so gut sein wie Männer. Aber das ist nicht schwer".

Die Familienpolitik und soziale Belange sollten eigentlich im Mittelpunkt des politischen Aschermittwochs der Waldkraiburger SPD stehen. Doch es kam anders: Da die Referentin des Abends, Diana Stachowitz, familienpolitische Sprecherin der Landtags-SPD, wegen eines Todesfalls in der Familie verständlicherweise nicht kommen konnte, sprang kurzfristig Adelheid Rupp für sie ein.

Rupp ist die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Bayern und Mitglied im Ausschuss des Landtages für Bundes- und Europaangelegenheiten. Entsprechend legte sie den Schwerpunkt ihrer Aschermittwochsrede auf das Thema Frauen.

Ziele ihrer Politik sind die Durchsetzung von Chancengleichheit im Erwerbsleben, die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf und die gesellschaftliche Ächtung von Gewalt gegen Frauen. So zeigte sie auf, dass es bei den Einkommen derzeit eine Differenz von 23 Prozent zwischen Männern und Frauen gebe.

"Damit ist Deutschland europaweit Schlusslicht; zusammen mit Zypern und Estland". Vehement setzt sie sich für eine Quotenregelung ein, die "die CSU bereits kleinlaut innerhalb der Partei eingeführt hat". Allerdings ärgert sie sich darüber, dass die Quotenregelung für die Wirtschaft von der CSU massiv torpediert wird. "Hauptsache die CSU-Frauen haben für sich gesorgt". Ebenfalls ein Dorn im Auge ist ihr, dass Frauen überwiegend Teilzeitjobs haben und zu 70 Prozent im Niedriglohnsektor beschäftigt sind.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie scheitere eben auch an zu wenig Krippenplätzen und ähnlichem. Die Benachteiligung der Frauen zieht sich - aus ihrer Sicht - bis ins Alter durch. "Altersarmut ist vorwiegend weiblich", so ihre Aussage. Deshalb forderte sie alle auf, gegen diese Missstände zu kämpfen. Mit einem Zitat von Generalbundesanwältin Monika Harms sorgte sie zwar für Lacher, wird die Männer aber nicht auf ihre Seite gezogen haben. Die habe nämlich einmal gesagt: "Frauen müssen immer doppelt so gut sein wie Männer. Aber das ist nicht schwer".

Natürlich ließ es sich Adelheid Rupp nicht nehmen, auch einen Streifzug durch die Bundes- und Landespolitik zu machen und dabei die schwarz-gelben Verfehlungen aufzuzeigen. So habe die FDP in der Steuerpolitik mehr netto vom brutto versprochen. "Und was ist dabei herausgekommen? Steuererleichterungen für Hoteliers". Sie prangerte die zahlreichen Rücktritte von Politikern an, die dann sehr schnell den Weg in die Wirtschaft gefunden haben. "Diese Politiker stellen das eigene Wohl in den Vordergrund, nicht das der Menschen oder der Allgemeinheit".

Zudem prangerte sie die Praxis an, "gescheiterten CSU-Politikern lukrative Jobs zuzuschanzen". In diesem Zusammenhang nannte sie Edmund Stoiber, der nach Brüssel gelobt wurde ("der Oberbürokrat soll für Entbürokratisierung sorgen") oder Siegfried Schneider, der jetzt neuer Chef der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien ist. Der neueste CSU-Plan sei, dem ehemaligen Wissenschaftsminister Thomas Goppel die Leitung der Evangelischen Akademie in Tutzing zuzuschanzen. Ihm warf sie beispielsweise vor, dass er die Hochschulen finanziell und personell so ausgestattet habe, dass "so Dinge wie mit Guttenberg möglich wurden".

Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Professoren und Studenten sei erbärmlich. "Bayern steht hier beschissen da".

Aber auch bei den Themen Gesundheitspolitik ("Wir sind auf dem Weg zur Kopfpauschale"), Bildungspolitik ("In Bayern ist mit der Geburt bereits der schulische Werdegang vorbestimmt"), oder Wirtschaftspolitik ("Wirtschaftswachstum ist nicht grenzenlos machbar, es ist mehr qualitatives Wachstum nötig") ließ sie kein gutes Haar an der schwarz-gelben Regierung.

Beinahe schon selbstverständlich waren ein paar Sätze zum ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und dem Fiasko der Bayern LB. "So tolle war das auch nicht", meinte sie in Sachen Guttenberg, räumte aber ein: "Sein Auftreten war genial". Sie warf ihm vor, nach der Devise gehandelt zu haben: "Was mir nutzt, ist richtig" und rief "Solche Politiker brauchen wir nicht und die SPD ist froh, wenn er nicht wiederkehrt".

In Sachen Landesbank sagte Adelheid Rupp, dass sie alle Protokolle des Verwaltungsrates gelesen habe und dabei zu dem Schluss gekommen sei: Alle sind verantwortlich. Sie rechnete zudem vor, dass die Verluste der Landesbank jeden Steuerzahler 39000 Euro täglich kosten würden.

Nach der erfrischenden Aschermittwochsrede von Adelheid Rupp nutzten die Besucher noch die Gelegenheit, ausführlich über die Rede, aber auch regionale Probleme zu diskutieren, sich aber auch die Fischgerichte im Gasthaus Zappe schmecken zu lassen.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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