Frau an der Kasse geht in die 32. Saison

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Vorstände, Trainer und Spieler kamen und gingen. Sie ist seit über 30 Jahren geblieben: Barbara Zerwesz, die Frau an der Stadionkasse.

Waldkraiburg - Trainer kamen und gingen, Vorstände und Präsidenten wechselten und wohl mehrere hundert Spieler dürften seit Ende der 70er-Jahre das Waldkraiburger Trikot getragen haben. Eine ist immer geblieben: Barbara Zerwesz.

Seit der Saison 1978/79 sitzt sie bei Heimspielen des EHC an der Stadionkasse. Keine fünf hat sie seitdem versäumt.

In diesem Jahr wurde die Waldkraiburgerin bei der Sportlerehrung der Stadt für ihre Ausdauer und Zuverlässigkeit ausgezeichnet. Und vielleicht auch für ihre Leidensfähigkeit. Denn wer so lange so nahe dran ist am Waldkraiburger Eishockey, der muss schon etwas wegstecken können. Barbara Zerwesz hat alles mitgemacht, die Höhenflüge bis in die zweithöchste Klasse des deutschen Eishockeys, sportliche und wirtschaftliche Abstürze.

Grandiose Playoff-Spiele, heiße Bayernliga-Derbys gegen München oder Rosenheim, als die Halle pickepackevoll war, der Bayernliga-Meistertitel zählen zu den Höhepunkten. Die Kehrseite: der Abstieg letzte Saison. "Das war schon bitter", sagt Zerwesz. "Warum das passiert ist, weiß ich bis heute nicht." Aber sie weiß, dass es auch diesmal wieder aufwärts gehen wird, wie so oft, seit sie zum EHC gestoßen ist. 1978 war das, als Eishockey noch eine Abteilung des VfL und Dr. Fröhlich Vorstand war, Peter Hoff, die Schwarzer-Brüder und Peter Ullmann im Regionalliga-Team spielten.

Durch ihre Söhne Edgar und Rainer, die damals im Nachwuchs dem Puck nachjagten, stieß Barbara Zerwesz zur Eishockey-Szene. Zuerst schaute sie nur zu. Dann sagte sie unvorsichtigerweise Hilfe zu, falls sie gebraucht würde. Es dauerte nicht lange und es wurde eine Aushilfe für die Kasse gesucht. Die "Aushilfe" hat seitdem "nicht bei fünf Heimspielen gefehlt".

Auch als kürzlich ihr Schwager an einem Sonntag Geburtstag hatte, musste sie am Nachmittag ins Stadion. So ist das halt, wenn jemand wie Barbara Zerwesz eine Aufgabe übernimmt. An den Wochenenden im Winter nimmt sie sich an Heimspieltagen nicht viel vor.

Und dann kriegt sie manchmal, wenn es ganz schlecht läuft auf dem Eis, auch noch was vom Frust der Fans ab. "Ich sage dann immer nur: Mich müsst Ihr nicht schimpfen. Ich habe heute nicht mitgespielt."

Sie hat in der Regel noch nicht mal richtig zugeschaut. Denn wenn das Spiel beginnt, zählt Zerwesz das Eintrittsgeld nach. Nur am Rande bekomme sie mit, wie es läuft. Bis heute ist sie im Übrigen nicht zu einer Eishockey-Fachfrau geworden. "Ich weiß, wenn der Puck im Tor ist. Mehr muss ich über die Regeln nicht wissen", lacht sie.

Was es bedeutet, sich für den Club ehrenamtlich einzusetzen, das weiß Zerwesz, die auch einige Jahre als Kassierin im Vorstand tätig war, sehr wohl. Und deshalb ärgert sie sich über überzogene Kritik an der Vorstandschaft. "Wer was tut, macht manchmal auch Fehler. Es ist so einfach, nur zu kritisieren." Vor allem die Spieler haben bei ihr einen Stein im Brett. "Mir tun sie leid, wenn sie beschimpft und ausgepfiffen werden. Ich weiß doch, wie es denen nachher geht."

Früher, als noch Kufencracks aus Nordamerika beim EHC anheuerten, hat sie sich besonders um diese Jungs gekümmert, für sie gekocht und gewaschen. Noch heute halten die Kontakte. Jeff Tessier zum Beispiel, ihr "absoluter Liebling", war erst vor zwei Jahren mit der ganzen Familie zu Besuch.

Es sind diese Momente und netten Begegnungen mit alten Bekannten und Freunden, Schiedsrichtern, Betreuern und freundlichen Fans, die sie mag an ihrer ehrenamtlichen Aufgabe.

Auch in ihrem 32. Jahr an der Stadionkasse denkt die Waldkraiburgerin nicht ans Aufhören. Sie freut sich wie jedes Jahr auf die Saison, heuer vielleicht ein bisserl mehr, "weil es wieder stimmt in der Mannschaft. Da sind so viele gute Juniorenspieler drin. Das ist wieder eine echte Waldkraiburger Mannschaft." Barbara Zerwesz, die Frau an der Stadionkasse und gute Seele des Vereins, ist optimistisch. Sie traut ihnen zu, an der Spitze der Landesliga mitzuspielen. Nach den ersten Heimspielen am Sonntag, 17. Oktober (17.15 Uhr), gegen Kempten und am Freitag, 22. Oktober (19.45 Uhr), gegen Bad Aibling wird sie mehr wissen. Auch ob die Zuschauer das neue Konzept eine Klasse tiefer mittragen und die Mannschaft möglichst zahlreich anfeuern. "Die Spieler würden das verdienen."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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