Fastenzeit: Frei werden für etwas Neues

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(Symbolbild)

Waldkraiburg/Aschau - Mit dem Aschermittwoch beginnt heute die Fastenzeit. In einer Konsumgesellschaft können viele freilich mit dieser Zeit und ihren Traditionen kaum noch etwas anfangen. Dabei kann Verzicht Gewinn sein.

Für Schwester Ruth Maria Stamborski besteht der Wert der Fastenzeit darin, "den Blick darauf zu richten, bewusster zu leben".

In der 40-tägigen Fastenzeit bereiten sich Christen auf Ostern und das Fest der Auferstehung Christi vor. Viele verbinden diese Zeit allerdings vordergründig mit Verboten, vor allem Speiseverboten. Da entstehe der Eindruck, "als wäre Fasten und die Fastenzeit etwas Lebensfeindliches. Man übersieht die Chance, die darin besteht", bedauert Pater Bernhard Stiegler von der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos. Es gehe deshalb darum, es positiv zu formulieren.

Der Ordensmann, der Direktor im Berufsbildungswerk Waldwinkel ist, benutzt dazu ein Bild: Das Leben gerate im Alltagstrott und -stress oft aus den Fugen, ähnlich wie ein Fahrrad, das auch auf schwierigem Untergrund genutzt wird. So wie es notwendig ist, den Achter wieder rauszumachen, so brauche es die Fastenzeit, "um das Leben wieder zu mitteln, damit es wieder rund läuft".

Mit der Erfahrung des Fastens werde das Leben wieder "intensiver". Es brauche die Erfahrung von Höhen und Tiefen. "Wer jeden Tag nur Kuchen und Schokolade isst, der weiß Genüsse nicht mehr zu schätzen."

Mit dem Leben bewusster umgehen

Einen bewussteren Umgang mit dem Leben - dazu biete die sechswöchige Fastenzeit eine gute Möglichkeit, meint Ruth Maria Stamborski. Die Garser Missionsschwester, die als Gemeindereferentin im Pfarrverband Waldkraiburg arbeitet: Nicht Verzicht um des Verzichts willen sei das Thema, sondern bewusster genießen zu lernen, intensiver mit seiner Zeit umzugehen.

"Wo nehme ich mein Leben selber in die Hand? Und wo lebe ich nicht wirklich? Wo werde ich gelebt?" Das sind dabei Schlüsselfragen für sie, Gelegenheit, den Alltag genauer zu überprüfen. Ihr fällt in diesem Zusammenhang, gerade auch bei Jugendlichen, der Umgang mit dem Handy ein. "Fördert das wirklich Begegnung und gute Gespräche, oder verhindert es sie eher? Weiß ich mich noch mit anderen unter vier Augen zu unterhalten?" Ein sinnvoller Vorsatz für die Fastenzeit kann auch sein, statt fernzusehen ein gutes Buch zu lesen.

Wie im Vorjahr wird die Gemeindereferentin zusammen mit Heidi von Hasselbach von der evangelischen Kirchengemeinde und einem Vorbereitungsteam "ökumenische Exerzitien" anbieten. Rund 30 Teilnehmer aus Waldkraiburg und anderen Gemeinden ließen sich im vergangenen Jahr auf diese Übungen ein. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich täglich eine halbe Stunde für Gebet und Besinnung zu nehmen und an einem gemeinsamen wöchentlichen Treffen teilzunehmen. Am Mittwoch, 24. Februar, um 20 Uhr ist der erste Abend im Pfarrsaal Christkönig (Infos in den Pfarrämtern).

"Fasten, Beten und gutes Tun", das gehört in der Fastenzeit zusammen. Mit den 130 Firmlingen im Pfarrverband plant Schwester Ruth im März eine große Aktion: "Wir wollen Hand anlegen für Menschen in Not in Waldkraiburg."

"Entscheidend ist für mich die Intention, die mit dem Fasten verbunden ist", sagt Lars Schmidt-Lanzerath, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Waldkraiburg. Mit der früher verbreiteten Vorstellung, Gott durch Fasten wohlwollend zu stimmen, "um sich einen Platz im Himmel zu sichern", hat Schmidt-Lanzerath wie seine Kirche nichts im Sinn.

Es gehe darum, frei zu werden für Neues im Leben, "Verschüttetes hervorzuholen, freizulegen, was durch Konsum verborgen ist".

In diesem Sinn ist die bundesweite Fastenaktion der evangelischen Kirche zu sehen, die heuer unter dem Motto "Sieben Wochen ohne Scheu" steht. Schmidt-Lanzerath: "Ziel ist es, Nähe zuzulassen, Kritik zu äußern, sich aus der Deckung zu wagen, etwas Neues zu wagen."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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