Externe Schulberater

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Leisten als ehrenamtliche Evaluatoren einen Beitrag, um Schulen weiterzuentwickeln: Walter Lode (links) und Hartmut Schüder aus Waldkraiburg, die ihre Erfahrungen aus leitenden Positionen in der Wirtschaft in die Beratung einbringen.

Waldkraiburg - Sie kümmern sich um undichte Fenster, veraltete Unterrichtsformen und viele andere Probleme im Schulalltag. Ehrenamtliche Evaluatoren unterstützen Schulen als externe Berater bei der Optimierung ihrer Ausbildung.

Unter Federführung des Münchner Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) sowie des Kultusministeriums ist in Bayern seit 2004 ein Netzwerk zur sogenannten Schulevaluation aufgebaut worden. Externe Berater besuchen die Schulen, beobachten den Unterricht in den Klassen, inspizieren das Schulgebäude, führen Gespräche mit Lehrern und Schülern.

Alle Aussagen und Ergebnisse werden in einem Bericht zusammengefasst und mit den Beteiligten besprochen. Die Schulen haben drei Monate Zeit, um einen Zukunftsplan zu erstellen. "Wichtig ist, dass die gesamte Schulfamilie in den Prozess miteinbezogen ist. Bei den Beobachtungen gilt für uns stets das Vier-Augen-Prinzip, damit die Aussagekraft der Untersuchungsergebnisse gesichert wird", sagen Walter Lode und Hartmut Schüder.

Jeweils vier Personen bilden ein "Evaluationsteam", welches eine Schule betreut. Drei Vertreter kommen aus dem Schulbereich, beispielsweise Rektoren oder Fachlehrer, ein Berater aus den Reihen der Elternschaft oder der Wirtschaft. Dabei wird auch darauf geachtet, dass alle Beobachter aus einem fremden Schulbezirk stammen, um neutral arbeiten zu können.

Diese Evaluatoren müssen sich heute erst einer kurzen Schulung unterziehen, bevor sie ein Projekt betreuen dürfen. "Ich wurde vor fünf Jahren noch richtig ins kalte Wasser geworfen und musste mir alles selbst erarbeiten und aneignen", erinnert sich Walter Lode. "Die beste Schulung ist sowieso die Praxis selbst", meint Hartmut Schüder.

Die beiden Waldkraiburger haben viele Jahre in leitenden Positionen in der Wirtschaft gearbeitet und engagieren sich nun in verschiedenen oberbayerischen Evaluationsgruppen. Anfangs machten sie die Erfahrung, dass einige ältere Lehrer skeptisch und auch ängstlich reagieren. Auch die Frage, ob die externen Berater denn überhaupt über Schulen Bescheid wüssten, wurde gestellt.

Da die Evaluatoren jedoch, anders als etwa die Schulämter, nicht die einzelnen Pädagogen beurteilen müssen, sondern die Schulen in ihrer Gesamtheit betrachten und Lösungsvorschläge für die von ihnen entdeckten Probleme erarbeiten, ist in den letzten Jahren eine positive Haltung gegenüber den Beratern entstanden. "Auch wenn es vereinzelt Schulen gab, die die Zusammenarbeit verweigert haben", so Schüder.

Lockerer sehen das die Schüler. Für sie ist es meist ein willkommene Abwechslung, wenn zwei fremde Personen mit im Unterricht sitzen und genau aufpassen. "Es ist wirklich erstaunlich, wie offen und ehrlich die Kinder in den Gesprächen Antwort geben", sagt Lode.

Pro Untersuchung fallen für die ehrenamtlichen Mitarbeiter vier bis fünf ganze Arbeitstage an, die sich aus Vorstellungsgesprächen, Schulbesuchen, Berichterstellung und Terminabsprachen zusammensetzen.

Der 75-jährige Walter Lode ist seit dem Schuljahr 2005/2006 als Evaluator im Einsatz. Er möchte seiner Verantwortung für die junge Generation gerecht werden, indem er Bildungseinrichtungen hilft, sich weiterzuentwickeln. "Ich bin davon überzeugt, dass es notwendig ist, den Schulen dabei zur Seite zu stehen. Das Instrument der Evaluation kommt ja eigentlich aus der Wirtschaft. Dort wurden gute Erfahrungen damit gemacht. Es ist unsere Aufgabe, den Schulen zu helfen, die Betriebsblindheit, die sich im Laufe der Jahre einstellen kann, abzubauen." Denn anhand der erarbeiteten Leitbilder hätten Schulleiter und Lehrkräfte die Chance, eine positive Zukunft für ihre Schulen zu gestalten.

Hartmut Schüder ist 67 Jahre alt und hat 2009 erstmals einem Evaluationsteam angehört. "Wenn ich die Schulen heute betrachte, dann stelle ich fest, wie sehr sich in den letzten Jahrzehnten alles gewandelt hat und welche Herausforderungen zu bewältigen sind." Man bekomme durch die Beratungsprojekte ein Gespür dafür, wie verschieden Lehrer und einzelne Direktoren in ihrer Auffassung über die richtige Schulphilosophie sein können.

In den Grund- und Hauptschulen geht die Evaluation bereits in eine weitere Runde. Die ersten, seit 2004 überprüften Schulen werden erneut besucht. Um auch hier wieder die Objektivität zu wahren, werden andere Evaluationsgruppen die Arbeit ihrer Kollegen fortsetzen.

Hartmut Schüder geht davon aus, dass sich bei den meisten Schulen etwas zum Positiven verändert hat. Von vielen Lehrern hat er immer wieder folgende Sätze gehört: "Endlich spricht diese Probleme auch mal jemand anderes an als wir. Vielleicht bewegt sich ja jetzt etwas, wenn ein offizieller Bericht von Ihnen erstellt wird." Auch wenn man bestimmt nicht alles von heute auf morgen ändern könne und die Finanzlage der Kommunen weiter angespannt sei, so könne man mit gesundem Menschenverstand und Fleiß doch einiges bewegen.

Respekt vor dem Lehrerberuf

Einig sind sich die beiden Evaluatoren, was ihren Respekt vor dem Lehrerberuf angeht. "Durch unsere spannende Aufgabe bekommen wir immer wieder mit, welche enorme Verantwortung die einzelnen Lehrer tragen und mit welchen bürokratischen Hürden sie dabei oftmals zu kämpfen haben. Es ist uns ein besonderes Anliegen, der Öffentlichkeit ein positives Lehrerbild zu vermitteln."

reg/Waldkraiburger Nachrichten

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