Erfolgsgeschichte gefeiert

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"Gütesiegel" für AWO-Projektehaus: Kurt Braml von der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit (Mitte) überreichte die Auszeichnung an Einrichtungsleiter Franz Lichtenwimmer und seine Stellvertreterin Brigitte Betz-Pemler.  Fotos 

Waldkraiburg - 25 Jahre "Jagus" - viele Jugendliche mit Ausbildungsdefiziten konnten sich mit Hilfe dieser Einrichtung unter dem Dach des AWO-Kreisverbands ins Berufsleben integrieren.

"Diese Erfolgsgeschichte schreit förmlich nach einer Fortsetzung", brachte es Jutta Müller von der Agentur für Arbeit bei der Jubiläumsfeier auf den Punkt.

"Jagus" - "Jugendarbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Soziales" - mit 15 Jugendlichen in zwei Umweltgruppen fing im Juni 1985 alles an. Aus dem kleinen Projekt zur beruflichen Integration Jugendlicher, das in der Anfangsphase jedes Jahr wieder um seinen Fortbestand zittern musste, ist längst eine moderne, innovative Einrichtung geworden. Welch hoher Wertschätzung sich das Projektehaus des Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt und die Arbeit des Teams um Einrichtungsleiter Franz Lichtenwimmer erfreut, dies wurde in der 25-Jahr-Feier deutlich. Auf immer neue Herausforderungen stellte sich die Einrichtung in dieser Zeit ein, öffnete sich für die Förderung von Erwachsenen und baute seit Mitte der 90er-Jahre eine breites Spektrum an Ausbildungsangeboten für Jugendliche auf.

Jugendliche, die am Rand der Gesellschaft stehen, werden an ein geregeltes Berufsleben herangeführt. Neben der praktischen Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten und der Vertiefung der Theorie kommt vor allem auch der sozialpädagogischen Begleitung große Bedeutung zu. "Jagus" vermittelt nicht nur berufliche Kenntnisse, sondern Orientierung für ein selbst verantwortetes Leben.

Die Theatergruppe und ein Hip-Hop-Duo gestaltete das Programm mit. Auch ein "Waldkraiburg-Rap" war zu hören.

"Jeder Jugendliche soll eine gerechte Chance bekommen", formulierte Franz Lichtenwimmer als Grundsatz der Arbeit. Der Sozialpädagoge, der die Einrichtung vom ersten Tag an leitet, sprach sich dafür aus, den Sozialstaat zu verteidigen. "Das Leben beginnt ungerecht und endet auch so, und für viele ist es dazwischen auch nicht besser. Der eine wird mit dem Silberbesteck geboren, der andere in eine verschuldete Familie", so Lichtenwimmer. "Der eine ist gescheit, aber es fördert ihn keiner. Dem anderen trichtert man das Wissen ein. Die besseren Gene hat sich niemand erarbeitet, die bessere Familie auch nicht." Damit es einigermaßen gerecht zugehe, brauche es den Sozialstaat, der ein wichtiger Eckpfeiler der Demokratie sei. "Jagus" nannte er eine "notwendige und zutiefst sinnvolle Einrichtung."

Der Erfolg dieser Arbeit zeige sich an den positiven Zahlen, so Wiebke Müller, die Kreisvorsitzende der AWO. Die Vermittlungsquote liege kontinuierlich bei 60 bis 70 Prozent. In diesem Jahr scheiden 17 Jugendliche aus, zwölf von ihnen gehen in die Arbeit, Ausbildung oder andere Maßnahmen. Im vorangegangenen Jahr waren es nach Angaben der Einrichtung sogar 17 Jugendliche, die Anschluss am ersten Arbeitsmarkt oder in einer weiteren Maßnahmen fanden.

Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Pfarrkirchen, und damit Vertreterin des wichtigsten Kooperationspartners bezeichnete die Arbeit der Einrichtung als "Investition in die Zukunft, weil sie Bildungschancen und -gerechtigkeit für alle eröffnet". Nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels sei dies notwendig. Müller hatte einen unterschriebenen Kooperationsvertrag mitgebracht, als Zeichen für die Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit.

Die künftige Unterstützung der Stadt Waldkraiburg und des Landkreises sicherten auch Bürgermeister Siegfried Klika und Landrat Georg Huber zu. Mit rund 700.000 Euro habe die Stadt das Projekt seit 1985 gefördert, so Klika. "Jeder Euro ist hier sehr gut investiert."

Die Einrichtung setze das oberste Ziel, die Engliederung von Jugendlichen in den normalen Arbeitsprozess, hervorragend um, meinte Huber. Jugendliche brauchen, wenn nötig, eine zweite und dritte Chance, so der Landrat.

Dass im AWO-Projektehaus gute Arbeit geleistet wird, hat die Einrichtung jetzt schwarz auf weiß. Kurt F. Braml, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit, überreichte in der Feierstunde Gütesiegel und Urkunde der Organisation. Sie ist das Ergebnis einer Prüfung, die über einen Zeitraum von zwei Jahren lief. Das Gesamtergebnis sei "sehr zufriedenstellend", so Braml. Die Einrichtung erfülle hohe Standards, biete ein beachtliches Spektrum an Arbeitsbereichen. Auffällig sei ein "ausgezeichnetes Betriebsklima, wie es einem selten begegnet". Das Gütesiegel hat der Freistaat zur Voraussetzung für künftige staatliche Förderung gemacht.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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