"Lieber gut leben als viel haben"

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Grüner Kandidat mit grüner Freizeitbeschäftigung: Hermann Lichtenwimmer fährt gerne Fahrrad, neuerdings auf einem E-Bike.

Kraiburg - Am Sonntag, 7. Oktober, wird ein neuer Bürgermeister gewählt. Die drei Kandidaten stellen wir in alphabetischer Reihenfolge vor. Heute: Hermann Lichtenwimmer.

Die Kandidaten im Porträt:

Bei den Grünen war Hermann Lichtenwimmer schon, als noch nicht jeder Politiker von Ökologie und Nachhaltigkeit redete. In den 80er-Jahren, als die Partei im Krippenalter war, engagierte sich der Zimmermann bereits für grüne Themen, war sogar Kreissprecher der Partei in Erding. "Die Initialzündung war für mich der Bau des Flughafens. Ich war bei den Demos dabei."

Der Bürgermeisterkandidat der Grünen macht den Eindruck, seinen Überzeugungen bei Gegenwind treu zu bleiben. Einen langen Atem hat er auch in der Kraiburger Kommunalpolitik schon bewiesen. Zweimal - 1996 und 2002 - scheiterte er bei den Wahlen, ehe er vor vier Jahren den Einzug in den Gemeinderat schaffte.

Dass er als klarer Außenseiter in den Wahlgang um das Bürgermeisteramt geht, hat ihn von der Kandidatur nicht abgehalten. Der Bürger brauche eine echte Wahl für Kraiburg, sagt er. Außerdem - da ist er ganz selbstbewusst - habe er etwas einzubringen in dieses Amt, die Fähigkeit zuzuhören zum Beispiel, ein "großes Maß an Gerechtigkeitssinn und großen Willen zur Sparsamkeit".

Seit über 20 Jahren ist Lichtenwimmer, der am 19. Februar 1957 geboren wurde und in Töging aufgewachsen ist, nun Bürger der Marktgemeinde. Frauendorf, ein in den 70er-Jahren eingemeindeter Ortsteil, ist für ihn und seine Familie, Frau und zwei mittlerweile erwachsene Kinder, Heimat geworden. "Ich wollte in ein Dorf, wo es Wirtshaus und Kramer gibt. Sonst ist kein Leben drin." Ein Haus mit Nebengebäude hat er in Frauendorf Anfang der 90er-Jahre in Eigenleistung ausgebaut.

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Seit 21 Jahren arbeitet er als Anleiter beim Jagus-Projekt der Arbeiterwohlfahrt in Waldkraiburg. Bald wird der 55-Jährige der dienstälteste Mitarbeiter sein. Lichtenwimmer arbeitet gerne mit jungen Leuten zusammen. "Die halten einen zwar auf Trab. Man braucht eine soziale Ader und muss sich auf die Jugendlichen einlassen, auch auf ihre persönlichen Probleme." Umso größer ist das Erfolgserlebnis, junge Leute, die sonst schlechte Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt hätten und "manchmal bei null beginnen", zum Abschluss einer Ausbildung zu bringen.

Boule, Badminton und Radfahren, neuerdings mit einem E-Bike, betreibt Hermann Lichtenwimmer gerne in seiner Freizeit. Radtouren gibt es aber nur von daheim aus. "Das Radl aufs Autodach und ab in die Berge, das könnte ich mit meinem ökologischen Gewissen nicht vereinbaren."

Vor allem aber liebt der Bürgermeisterkandidat Portugal. Zu diesem Land und seinen Menschen hat er eine ganz besondere Beziehung. In einem Dorf, abseits der Touristenmassen hat die Familie ein Ferienhäuschen. "Es ist wie eine zweite Heimat für uns. Dort kenne ich jeden und jeder kennt mich", erzählt der Gemeinderat, der neben Englisch und Spanisch auch Portugiesisch spricht. "Ich mag die Mentalität der Leute", sagt er. Das scheint sich in dem Motto widerzuspiegeln, das er über sein Wahlprogramm gestellt hat: "Lieber gut leben als viel haben".

Wachstum und Entwicklung um jeden Preis ist nicht seine Sache. Kraiburg sei doch ein schönes Dorf, sagt Hermann Lichtenwimmer. "Schauen wir, das wir's erhalten."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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