"Ein autoritärer Stil ist sicher passé"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Für ein Foto hat Herbert Heiml den Schreibtisch im Rathaus ausgesucht. Nirgendwo hält er sich derzeit mehr auf.

Kraiburg - Am Sonntag, 7. Oktober, wird ein neuer Bürgermeister gewählt. Die drei Kandidaten stellen wir in alphabetischer Reihenfolge vor. Heute: Dr. Herbert Heiml.

Interview-Termin im Bürgermeisterbüro. Ein ums andere Mal schrillt das Handy. Mal ist es ein Bürger, der Dr. Herbert Heiml dringend sprechen muss, mal ist es ein Handwerker, der wegen eines Umbaus in der Zahnarztpraxis anruft und Informationen braucht. Der Zweite Bürgermeister hat viel um die Ohren, vor allem seitdem er im Juni 2011 von heute auf morgen die Amtsgeschäfte im Rathaus übernehmen musste.

"Ich arbeite gerne", sagt Heiml. Der Kommunalpolitiker, der am 7. Oktober zum neuen Bürgermeister gewählt werden will, käme sonst mit der Doppelbelastung wohl nicht gut zurecht.

Seit 31 Jahren betreibt Dr. Heiml eine Zahnarztpraxis in Waldkraiburg und ist bis heute so gerne im Beruf, dass er ihn "nie vollständig aufgeben würde". Er hat die Stunden in der Praxis reduziert. Er wird sie im Falle seiner Wahl weiter reduzieren. Das geht, seit seine 28-jährige Tochter, eines von drei erwachsenen Kindern, dort mitarbeitet.

"Beim Zahnarzt leidet manchmal der Patient, in der Kommunalpolitik manchmal der Politiker." Typisch Heiml, diese Antwort, die er schmunzelnd auf die Frage nach Parallelen zwischen dem Bürgermeisteramt und der Zahnmedizin gibt.

Lesen Sie auch:

Warum will sich der Kraiburger, der vor zehn Jahren bei seiner ersten Kandidatur scheiterte, mit 61 Jahren trotzdem eine Amtszeit antun, die bis 2020 dauert? Das fragen sich manche Bürger. "Ich möchte nicht sagen, dass man süchtig wird. Man wächst hinein", in die Kommunalpolitik, die er "eine andere Welt" nennt, in der er sich aber gern bewegt. Organisatorische Fähigkeiten seien da gefragt, auch die Fähigkeit, Bürger zu überzeugen, Verhandlungsgeschick und Hartnäckigkeit. Heiml sieht hier durchaus Stärken, die er in den vergangenen eineinhalb Jahren auch bewiesen habe. "Es macht Spaß, Projekte voranzubringen und zu schauen, dass ein Ort sich weiterentwickelt."

In diesem Ort, Kraiburg, wurde er am 18. August 1961 geboren. In der Hebammenstation im Turm. "Ich war eine unkomplizierte Geburt", lacht Heiml, dessen Eltern aus Taufkirchen kommen. Durch Heirat, seine Frau stammt aus Ensdorf, wurde 1982 aus dem gebürtigen ein echter Kraiburger. Er habe sich rasch gut aufgenommen gefühlt, erzählt er, und bald auch engagiert, im Verein für Heimatpflege zum Beispiel, dessen Vorstand er kurze Zeit war.

1990 kandidierte er erstmals für den Gemeinderat und wurde gleich gewählt. Sechs Jahre später war er Zweiter Bürgermeister und blieb es bis heute, ebenso wie CSU-Mitglied. Der Kommunalpolitiker, der bekennt, auch schon mal Helmut Schmidt gewählt zu haben, sieht in der CSU die Partei der Mitte, in der er seine Ansichten am besten wiederfinde, und die das konservative und soziale Element gut miteinander verknüpfe.

Er versuche in der Zusammenarbeit eine möglichst breite Basis herzustellen, sagt der amtierende Bürgermeister nicht zuletzt im Blick auf den Gemeinderat: "Ich schaue auf ein vernünftiges Arbeitsklima. Harte Diskussionen ja, aber jede Meinung wird respektiert."

Auch im Umgang mit Bürgern will er sich darum bemühen. Die Erwartungen an einen Bürgermeister seien in den vergangenen Jahrzehnten sicher gestiegen. "Viele Bürger sind gut informiert, emanzipierter und mündiger als früher. Es ist heute schwieriger, die Meinungen unter einen Hut zu bringen." Heiml: "Ein autoritärer Stil ist sicher passé. Man muss die Bürger einbinden."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser