Waldkraiburg statt Söllerstadt

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Noch steht keine Beschilderung. Das Autobahn-Teilstück zwischen Heldenstein und Ampfing muss erst noch gebaut werden. Doch wenn es nach den Waldkraiburger Wirtschaftsverbänden geht, müssten die Wegweiser so aussehen wie auf diesen Montagen.

Waldkraiburg - Die Waldkraiburger Industrie- und Einzelhandelsverbände wollen, dass die beiden Autobahnausfahrten auf Höhe Waldkraiburgs nach der größten Stadt im Landkreis benannt werden. 

Das fordern sie in einem Schreiben an die Autobahndirektion Südbayern. Eine andere Benennung werten sie als Ungleichbehandlung und Affront gegen Wirtschaft und Bürger.

Mit dem Baubeginn des Autobahn-Teilstücks zwischen Heldenstein und Ampfing rückt auch das Thema der Benennung der künftigen Ausfahrten ins Blickfeld. Eine verbreitete Befürchtung in Waldkraiburg: Die größte Stadt, die an der A94 zwischen München und Passau liegt, taucht nicht als Ausfahrtsziel auf, die Ausfahrten heißen vielmehr "Heldenstein" und "Ampfing", auf Waldkraiburg wird nur "unter ferner liefen" hingewiesen.

Eine Perspektive, die für die Waldkraiburger Industrie wie für den Einzelhandel nicht akzeptabel ist. Dies bringen die Vorsitzende der Industriegemeinschaft, Manuela Keller, und Willi Engelmann, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk, in Schreiben an den Präsidenten der Autobahndirektion, Paul Lichtenwald, deutlich zum Ausdruck.

Die beiden Organisationen bekräftigen mit ihrem Vorstoß die Position der Stadt, die sich schon vor Monaten mit der Bitte nach einer entsprechenden Benennung der Anschlusstellen an die Autobahndirektion gewandt hatte. Dies bestätigt auf Anfrage Bürgermeister Siegfried Klika. Waldkraiburg müsse entsprechend seiner Größe und Bedeutung berücksichtigt werden. Deshalb habe die Stadt rechtzeitig ihre Position vorgetragen.

Die IGW-Vorsitzende Manuela Keller verweist in dem Brief der Industrie, der den Waldkraiburger Nachrichten vorliegt, nicht nur auf die Größe der Stadt mit derzeit gut 24000 Einwohner, sondern vor allem auf die Bedeutung als Industriestandort. Die 27 Mitgliedsunternehmen aus Waldkraiburg und Aschau seien international tätig und teilweise Weltmarktführer. Waldkraiburg sehe sich "mit Recht als Industriezentrum des Landkreises" werde aber "desöfteren als Stiefkind behandelt". Als jüngstes Beispiel sieht sie die Benennung der Ausfahrten an. "Eindringlich" bittet die IGW-Vorsitzende die Autobahndirektion, an den beiden Anschlusstellen die Stadt Waldkraiburg als Ausfahrtsziel anzuführen. Zugleich spricht sie sich dafür aus, ein touristisches Hinweisschild für den "Bunker 29", das bundesweit einzigartige Industriemuseum, an der Autobahn anzubringen.

Dem Wunsch nach dem braunen Hinweisschild erteilt die Autobahndirektion in einem Antwortschreiben eine Absage. Begründet wird dies damit, dass in Richtung Passau die erforderlichen Abstände dieses Schildes zur blauen wegweisenden Beschilderung wegen der kurz aufeinanderfolgenden Ausfahrten Ampfing und Mühldorf-West nicht eingehalten werden könnten. Für die Richtung München lässt die Behörde dies noch offen. Was die Benennung der Ausfahrten angeht, wird auf ein Anhörungsverfahren hingewiesen, das im Herbst eingeleitet wird (siehe auch Stellungnahme Autobahndirektion). Die zuständigen Polizei-, Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörden werden in diesem Verfahren Stellung nehmen.

Diese Antwort - die im übrigen nicht vom Präsidenten der Autobahndirektion, sondern von einer Verwaltungsangestellten unterzeichnet ist - überzeugt Manuela Keller allerdings nicht. Die IGW-Vorsitzende hält an ihrer Forderung fest. Weil bereits zwei Anschlussstellen nach Mühldorf (West und Nord) benannt sind, sieht sie den Gleichbehandlungsgrundsatz verletzt.

In diesem Sinne äußert sich auch Willi Engelmann in einem Brief an Präsident Lichtenwald, der der Zeitung ebenfalls vorliegt. Er formuliert darin im Namen von 60 Gewerbetreibenden die "dringende Bitte, in Anlehnung an die Beschilderung der Stadt Mühldorf" vorzugehen und die Ausfahrten "Waldkraiburg-Ost" (statt Ampfing) und "Waldkraiburg-West" (statt Heldenstein oder Söllerstadt) zu benennen. Die Tatsache, dass sich die Ausfahrten nicht auf Waldkraiburger Stadtgebiet befinden, will Engelmann nicht als Argument gelten lassen. Schließlich seien auch die beiden Mühldorfer Ausfahrten nicht auf Mühldorfer Gebiet.

Und: Die Stadt Waldkraiburg sei, so Engelmann, bereits in Bezug auf eine eigene Zufahrt am Ende der neuen Kreisstraße MÜ 25 benachteiligt worden.

Die Ausfahrten nicht nach Waldkraiburg zu benennen, sähe der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft als "Affront gegen alle Bürger, die hier in 60 Jahren ein blühendes Gemeinwesen aus dem Nichts aufgebaut haben. Auf diese Weise werden all unsere Bemühungen um unseren Wirtschaftsstandort Waldkraiburg torpediert." hg

Lesen Sie dazu auch:

Entscheidung fällt in Anhörungsverfahren

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