Aschauer Rosserer auf dem Petersplatz

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Aschau/Inn  - Bei der Wallfahrt in die "Ewige Stadt" Rom nahm der "Beimer"-Bauer Matthias Anzenberger an der "Benedetto"-Parade zu Ehren Papst Benedikt XVI. teil.

Ein "gigantisches Unternehmen" der bayerischen Pferdezüchter fand da für den "Beimer" seinen Höhepunkt. Initiiert und organisiert vom Vorsitzenden des Zuchtverbands Oberbayern, Florian Schelle, waren sie am Donnerstag vor dem Pfingstfest in die "Ewige Stadt" aufgebrochen. Erstmals sollten an der großen "Benedetto"-Parade, zu der jedes Jahr Trachtler und Musikkapellen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum in Rom zu Ehren Papst Benedikt XVI. zusammenkommen, auch Pferdegespanne teilnehmen.

Auf den Spuren des heiligen Korbinian, des Gründers und Schutzpatrons des Erzbistums München und Freising, machten sie sich auf den Weg. Der Legende nach wurde der Heilige bei seiner zweiten Romreise von einem Bären überfallen, der sein Saumpferd riss. Korbinian zähmte das wilde Tier und dieses trug anstatt des Pferdes das Gepäck des Bischofs nach Rom.

Bei der Pferdewallfahrt 2011, der ersten seit über hundert Jahren, ging es mit Bussen und Lastwagen in den Süden und die Pferde kamen heil an: 42 Rösser aus ganz Bayern, Haflinger und schweres süddeutsches Kaltblut, die von etwa 120 Wallfahrern begleitet wurden. Unter ihnen Matthias Anzenberger und sein Sohn Thomas. Eine Wallfahrt nach Rom, ein Umzug zu Ehren des Papstes - Ehrensache ist das für einen Aschauer.

Schließlich ist der Papst selbst gewissermaßen einer von ihnen. Als Bub lernte Joseph Ratzinger in den 30er-Jahren in der Aschauer Volksschule das Lesen, Schreiben und Rechnen und feierte in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt seine Erstkommunion. Ein Modell eben dieser Kirche führten die Anzenbergers jetzt bei dem Festzug auf ihrem Wagen mit, so wie auch der Freisinger Dom, die Münchner Frauenkirche, die Gnadenkapelle von Altötting oder die Tölzer Leonhardikapelle den Weg nach Rom mitmachten.

Die Wallfahrt wurde da zur großen logistischen Herausforderung. Rösser und Wagen, eine Kutsche, die Pferdegeschirre, mussten in mehreren Transportern, Tiefladern und Lieferwagen gebracht werden. Auch ein Kühlwagen mit Essen und Getränken wurde mitgeführt. "Wir haben uns selber versorgt."

Am Freitag feierten die Teilnehmer mit dem Kölner Weihbischof Heinrich Koch die Messe im Petersdom. "Ein beeindruckender Gottesdienst", sagt Matthias Anzenberger, der die Ereignisse der beiden folgenden Tage noch lange in Erinnerung behalten wird: die "Benedetto"-Parade am Samstag, "ein riesiger Zug mit Trachten und Musikkapellen", der mit der gemeinsam gespielten Europahymne am Petersplatz beschlossen wurde. Schon der Weg zur Prozession war ein Erlebnis. In der Kaserne einer berittenen Militäreinheit, in der die Teilnehmer bestens untergebracht waren, wurde eingespannt. Dann ging es sieben Kilometer durch die Straßen Roms vorbei an begeisterten Menschen zum Vatikan. "Es war toll." Auch die Schweizer Gardisten waren mächtig beeindruckt von dem Schauspiel und sicher, sowas so schnell nicht mehr zu erleben, erzählt der "Beimer".

Tags darauf fuhr er noch einmal mit dem Gespann am Petersplatz auf, "ganz vorne bis zu den Stufen". Mit dem Angelus-Gebet und der Segnung durch Papst Benedikt XVI. ging die Wallfahrt zu Ende.

Aus der erhofften Begegnung mit dem Pontifex wurde nichts. Wie dessen Privatsekretär mit Bedauern übermittelte, war Benedikt XVI. gesundheitlich angeschlagen von seiner Kroatienreise zurück gekehrt.

Beim ersten Rombesuch Anzenbergers mit der Aschauer Blaskapelle im Jahr 2001 hatte Joseph Ratzinger, damals noch Leiter der Glaubenskongregation, den Landwirt schwer beeindruckt. Im Gespräch erinnerte man sich an einen Besuch des Kardinals in Aschau im Jahr 1990. "Sie sind doch der, der mich damals in der Kutsche gefahren hat", sprach Ratzinger ihn elf Jahre später an.

Auch wenn es diesmal zu keinem direkten Kontakt kam und obwohl er von Rom wenig sah, diese Pfingsterfahrung möchte der Aschauer Bauer nicht missen. "Schee war's. Ein echtes Erlebnis."

hg/Mühldorfer Anzeiger

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