Wie gefährlich sind überfüllte Schulbusse?

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Überfüllte Schulbusse bereiten nicht nur den Eltern der Schüler Bauchschmerzen. Am Freitagmittag ereignete sich ein heikler Vorfall. Ein 15-jähriger Realschüler fiel aus dem fahrenden Bus. Dieser soll gesteckt voll gewesen sein, so dass sich durch das Gewicht der Schüler, die Türe in einer Kurve öffnete. Die Polizei ermittelt noch.

Kraiburg - Ein Schüler fiel am Freitag aus einem fahrenden Schulbus. Ob der Bus zu voll war oder jemand den Notöffnungshebel betätigte, ist noch unklar. Aber die Diskussion um überfüllte Schulbusse ist damit neu entbrannt.

Aufmerksam auf den Unfall wurde die Redaktion durch eine Email eines besorgten Vaters, dessen Kind ebenfalls mit der Linie zwischen Grünthal und dem Waldkraiburger Schulzentrum fährt. Die betroffene Familie und ihr Sohn wollten gegenüber der Zeitung nicht Stellung nehmen.

ADAC: Das sind die Mängel in unseren Schulbussen

Der Vorfall soll sich laut Aussagen von Kindern und Jugendlichen, die in dem überfüllten Bus am Freitagmittag nach Hause fuhren, so zugetragen haben: Die Linie des Busunternehmens sei "oft gesteckt voll", nicht alle Fahrgäste haben einen Sitzplatz und nicht alle können sich festhalten.

Am Freitag soll es auch wieder so gewesen sein. Einige der jungen Fahrgäste mussten am Treppenabgang der hinteren Türe stehen. In einer scharfen Linkskurve in Kraiburg öffnete sich plötzlich die Tür. Der 14-jährige Realschüler fiel aus dem fahrenden Bus, seine Mitschüler konnten sich noch festhalten.

Die Schüler schrien und der Bus hielt sofort an. Die Eltern wurden verständigt und holten ihre Sprößlinge ab. Der Bub verletzte sich zum Glück nur leicht, kam mit Prellungen, Schürfwunden und dem Schrecken davon.

Die Polizei-Inspektion Waldkraiburg wollte am Montag zunächst nur bestätigen, dass der Unfall stattgefunden hatte - allerdings erst auf Anfrage. Erst am Nachmittag wurde eine offizielle Pressemeldung veröffentlicht. In der Erklärung heißt es, dass noch unklar sei, ob es sich um einen technischen Defekt der Türe handelte oder ob vielleicht der Notöffnungshebel "bewusst oder unbewusst" betätigt wurde.

Nach Rücksprache mit dem zuständigen Staatsanwalt wurde ein technischer Sachverständiger hinzugezogen und der Bus bei der PI einer Begutachtung unterzogen, erklärte der stellvertretende PI-Leiter Markus Steinmaßl. Das endgültige Ergebnis stehe noch aus. Nach Angaben der Schüler soll der Bus sehr voll gewesen sein, heißt es weiter. Wie viele Schüler sich in dem Bus befanden, ist noch unklar. Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachtes der fahrlässigen Körperverletzung.

Gegen wen? Gegen den Busfahrer, gegen das Busunternehmen oder vielleicht gegen einen Schüler, der sich einen gefährlichen und dummen Scherz erlaubt hat und einen Hebel betätigt hat?

Das Busunternehmen war für ein Stellungnahme nicht zu erreichen. Jetzt kommt es darauf an, was ursächlich für den Vorfall war. Bei den Eltern ist durch den Unfall am Freitag die Diskussion um überfüllte Schulbusse wieder voll entbrannt. Sie sind aufgebracht, die Elternbeiräte von Gymnasium und Realschule wollen nicht nur auf das dringliche Problem aufmerksam machen, sondern Druck auf die Verantwortlichen aufbauen.

Denn dem Landratsamt, das für den Bustransport der Schüler des Gymnasiums und etwa der Realschule nach Waldkraiburg aus den Gemeinden im Landkreis zuständig ist, sei dieses Problem der überfüllten Busse bekannt. Immer wieder habe es Beschwerden aus Elternkreisen gegeben. Und selbst wenn die Ursache ein dummer Schülerstreich gewesen sein sollte, dürfe das nicht über die Problematik der Überfüllung hinweg täuschen.

Das Landratsamt bedauerte den Unfall in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Behörde "setzt alles daran, um die Wiederholung eines Vorfalls wie am Freitag zu verhindern". Sobald die Ursache für den Unfall bekannt sei, werde das Amt entsprechend reagieren und erklärt, das Fahrzeug verfüge über 45 genehmigte Sitz- und 41 genehmigte Stehplätze.

kla/Mühldorfer-Anzeiger

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