„Wenn wir feiern, dann g‘scheit“

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Vorstand Hermann Wimmer (links) ehrte die Mitglieder, die sich jahrelang in der Vorstandschaft engagiert hatten. Von rechts: Franz Hüttner, Hermann Stecher, der die Ehrung von Markus Stecher entgegennahm, und Hans Müller.

Neumarkt-St. Veit – Dass es die Feichtener Feuerwehr von jeher versteht zu feiern, ist kein Geheimnis. Unzählige Male haben dies die Floriansjünger in den vergangenen 100 Jahren bewiesen.

Exakt am Datum der Gründung – es war der 3. Februar 1910, als 45 Feichtener die Wehr ins Leben gerufen haben – feierten die Feichtener jetzt ihren runden Geburtstag. Das Gründungsfest folgt im Juni.

Vorstand Hermann Wimmer (links) ehrte die Mitglieder, die sich jahrelang in der Vorstandschaft engagiert hatten. Von rechts: Franz Hüttner, Hermann Stecher, der die Ehrung von Markus Stecher entgegennahm, und Hans Müller.

Die Feichtener halten zusammen, ziehen an einem Strang und stehen voll hinter ihrer Feuerwehr. Weil sich Feuerwehrvorstand Hermann Wimmer darüber so sicher sein kann, erwartet er relativ gelassen das Gründungsfest, das vom 2. bis 6. Juni in Feichten stattfinden wird, mit einer Disconacht beginnt und mit der Fahrzeugweihe am Sonntag endet (weitere Informationen im Internet unter www.ffw-feichten.de). Vorstand Wimmer gab einen Überblick über den Verlauf des Festes, dem das Patenbitten am 19. Februar bei der Teisinger Wehr vorausgeht. Wimmer informierte auch darüber, dass ein historischer Feuerwehreinsatz mit der Spritze von 1910 geplant sei. „Da werden wir irgendwas anzünden und schauen, ob wir es löschen können“, sagte er in seiner gewohnt humorvollen Art.

Die Feier zum 100. Jahrestag der Feuerwehrgründung am vergangenen Mittwoch im Gasthaus Mittermaier stand ganz unter dem Eindruck der Anfänge, als die Wehr am Blasiustag 1910 gegründet worden ist. Schriftführer Franz Hüttner, der in den vergangenen fünf Jahren in akribischer Kleinarbeit die Vereinschronik in Wort und Bild aktualisiert hat, hatte selbst den Gang in Archive nicht gescheut und sämtliches schriftliches Material - zum großen Teil in Sütterlinschrift abgefasste Texte - übersetzt. Viele Ordner füllen die Ergebnisse seiner Arbeit, die zum Teil an diesem Festabend von Tisch zu Tisch gewechselt und die Neugier der anwesenden Feichtenern Bürger geweckt hat.

Freilich gab Hüttner nur einen Auszug der 100 Jahre alten Chronik preis, der Schriftführer beschränkte sich auf die Begleitumstände, die zur Gründung geführt hatten, beginnend von den Unstimmigkeiten zwischen den Teisingern, den Fraßbachern und Feichtenern, die sich bis ins Jahr 1870 zurückverfolgen lassen. Schon damals war das Interesse auf diesem "weißen Fleck der Feuerwehrlandkarte" groß, eine eigene Wehr zu gründen - doch sei dies an der fehlenden Einigkeit unter den drei Ortschaften gescheitert.

Weil die Feichtener bei Brandfällen schließlich nur Handlanger für die Neumarkter und ohne eine eigene Pumpe zum Zuschauen verdammt gewesen seien, als an Heilige Drei Könige 1910 ein Anwesen niederbrannte, war der Entschluss gefasst: Eine Feuerwehr musste her. 45 gestandene Männer waren es dann, die bei der Gründungsversammlung am 3. Februar 1910 der neuen Feuerwehr beigetreten sind.

Beleuchtete Franz Hüttner die Ereignisse speziell vom Gründungstag, beschäftigte sich Klaus Wimmer in seinem geschichtlichen Vortrag über die Feichtener Feuerwehr mit der Zeit von der Gründung bis zur Gegenwart. In witziger Reimform rief er die Ereignisse in Erinnerung.

Zweiter Bürgermeister und Feuerwehrreferent Michael Asbeck wünschte der Wehr zum Gründungsfest lediglich gutes Wetter, "alles andere habt ihr im Griff", war er überzeugt, "schließlich fließt in Euch das Blut dieser 45 Gründungsmitglieder". Feste, Feiern und Bauen - diese drei Begriffe stünden für die Feichtener, so Asbeck. Pfarrer Franz Eisenmann zeigte sich beeindruckt von der Dorfgemeinschaft der Feichtener. Er bewunderte das kleine Dorf, das es verstehe, so große Feste zu feiern. "Wenn Feichten feiert, dann g'scheit", zitierte er unwissentlich das unausgesprochene Motto der Wehr.

Vorstand Wimmer ehrte zum Abschluss dieser Auftaktfeier im Gründungsjahr noch drei Mitglieder, die jahrelang im Vorstand tätig waren. Eine Urkunde überreichte er jeweils an den ehemaligen Schriftführer Hans Müller und an den ehemaligen Zweiten Kommandanten und Zweiten Vorstand Franz Hüttner.

Für den verhinderten Ex-Vorstand Markus Stecher nahm dessen Vater und Ehrenvorstand Hermann Stecher die Auszeichnung entgegen. Dieser gab die Zeit der Gründung bis heute mit einer Metapher wieder: Zuerst gab es die Samen, daraus wuchs eine herrliche Pflanze heran, "und wenn ich mir die Jugend anschaue, dann sehe ich mittlerweile g'standene Bäume vor mir".

je/Neumarkter Anzeiger

Lesen Sie hierzu auch:

100 Jahre Feuerwehr - Gedicht (pdf)

100 Jahre Feuerwehr - Gründung (Pdf)

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