Viel gegeben, viel bekommen

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Die Dämme waren in Georgien schnell gebrochen: Wenn Stefan Knoll (Zweiter von links) und seine Clownskollegen mit ihrem Spiel begannen, herrschte sofort gute Laune, ob in Flüchtlingslagern, Waisenhäusern oder Behinderteneinrichtungen.

Oberbergkirchen - Ein Clown verbreitet Heiterkeit - so die landläufige Meinung. Doch es gibt solche und solche. Eine Gruppe bayerischer Spaßmacher hat sich nach Georgien aufgemacht.

In erster Linie um Freude zu bereiten hatte sich eine Gruppe bayerischer Spaßmacher nach Georgien aufgemacht, um vor allem in Flüchtlingslagern und Waisenhäusern Freude zu verbreiten. Das Quartett – einer davon Stefan Knoll aus Oberbergkirchen – war aber auch zu Tränen gerührt darüber, was die Bevölkerung ihnen zurückgab.

Die Vorstellung ist zu Ende, die Kinder – Waisen und Behinderte – spenden stürmisch Beifall, als plötzlich ein an den Rollstuhl gefesseltes spastisches Kind herzzerreißend zu singen beginnt. „Ihre ganze Seele steckte in dem Gesang“, schildert Stefan Knoll diese Erfahrung. Es dauerte nicht lange und der Raum dieses Behindertenheimes war erfüllt von polyphonen Klängen, von kräftigem Chorgesang. „Ein sehr ergreifender Moment“, sagt der Oberbergkirchener leise. Zwei Wochen lang war er mit drei weiteren Künstlern aus Bayern in Georgien unterwegs, um den von Krieg und Vertreibung gebeutelten Menschen Freude zu bereiten.

Traumata, Melancholie und Traurigkeit – während ihrer 14-tägigen Reise durch Georgien waren die vier Künstler damit ständig konfrontiert. „Die Arbeitslosigkeit in den Flüchtlingslagern beträgt etwa 90 Prozent, die Flüchtlinge selbst richten sich oft auch nicht ein, in der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in ihre Heimatgegend“, heißt es in einem Tagebucheintrag der Clowns.

Der Konflikt von 2008 hat zweifellos seine Spuren hinterlassen, 250000 Flüchtlinge leben noch heute in Georgien; in Flüchtlingslagern, die auf die Clowns den Eindruck von Mahnmalen vermitteln. Vor allem die Kinder würden noch schrecklich unter den Erlebnissen in diesem Konflikt leiden. "Als bekannt wurde, dass das georgische Fernsehen einen Auftritt der Clowns begleiten würde, sind viele Kinder der Vorstellung fern geblieben, weil sie nicht auf Fernsehbildern auftauchen wollten", heißt es im Erfahrungsbericht von Knoll und Co.

Und doch war die Resonanz gigantisch: "1700 Kinder", mutmaßt Stefan Knoll, werden es wohl gewesen sein, denen die Bayern ein Lachen ins Gesicht zauberten auf ihrer rund 2000 Kilometer langen Reise quer durch Georgien. Sie besuchten Orte im Osten des Landes, in Quedeli in Richtung der Grenze zu Aserbeidschan. Und sie erheiterten Kinder in einer Schule für Flüchtlingskinder im Westen, in Anaklia, direkt am Schwarzen Meer. Und obwohl quer durch ganz Georgien unterwegs: Plötzlich ein deutsches Straßenschild. "Berliner Allee" heißt es in einem Flüchtlingslager bei Gori. Eine Siedlung, deren Bau deutsches Geld erst möglich gemacht habe, erfuhr Knoll. Deswegen auch die deutschen Straßennamen. Kultur und Landschaft beschreibt Knoll als faszinierend. Die Clowns bekamen einen Eindruck in georgische Tischkultur und Tafelzeremonie. Und schließlich die Lebensfreude der Georgier, die sich immer wieder in Gesängen und folkloristischen Tänzen ausdrückte. "Die Botschaft war eindeutig: Kein Krieg mehr. Frieden."

Als "sehr ergreifend" habe er das Gastspiel in Prezeti empfunden, "ein Ort im absoluten Niemandsland". Knoll spricht von einem bizarren Bild: 300 Häuser in Reih und Glück auf einem Bergrücken. Kein Wasser. Keine Verdienstmöglichkeit, Händler verkaufen drittklassige Ware. Umso herzlicher wurden die vier Clowns begrüßt und schließlich schwermütig verabschiedet: "Vergesst uns nicht", ein Satz, der Knoll in Mark und Bein ging. Wenn es nach dem 44-Jährigen ginge, war es nicht die letzte Reise mit den Clowns ohne Grenzen. Doch solche Projekte - die Künstler betreiben dies ehrenamtlich - leben in erster Linie von Spendengeldern. In den drei Jahren, seit es die Clowns ohne Grenzen gibt, konnten erst fünf Reisen in Krisengebiete finanziert werden, sagt Knoll.

www.clownsohnegrenzen.org

Mühldorfer Anzeiger

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