Sterne-Küche aus dem Bauch

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Das gibt es nur in Kirchdorf: Fünf Michelin-Sterne an einem Herd vereinte Christian Grainer (Mitte), als Dieter und Jörg Müller in seinem Restaurant kochten.

Kirchdorf (ma) - Vor zehn Jahren verlieh der Guide Michelin Christian Grainer erstmals einen Stern. Für den Kirchdorfer Anlass genug, ganz besondere Gäste in sein Restaurant in Kirchdorf zu bitten.

Die Verbindung zwischen seinem Heimatort und seiner beruflichen Leistung kommt Christian Grainer immer wieder über die Lippen: "Das war damals außergewöhnlich: Ein Stern in Kirchdorf", ein Spitzenrestaurant auf dem Land, hohe Qualität weitab der größeren Städte. Wenn es aber schon außergewöhnlich ist, dass ein Sternekoch an einem abgelegenenen Ort kocht, dann ist erst recht außergewöhnlich, was sich jetzt in Kirchdorf abspielte: Bis vor wenigen Tagen gaben sich in "Christians Restaurant" die Hochdotierten die Klinke oder besser den Kochlöffel in die Hand. Johannes King, Andreas Mayer und Franz Feckl, die Brüder Dieter und Jörg Müller, die vermutlich seit Jahren nicht mehr gemeinsam am Herd standen, und der große Eckart Witzigmann. 16 Sterne versammelte Grainer an neun Kochabenden, um seinen Stern, den er seit zehn Jahren vom Guide Michelin verliehen bekommt, zu feiern.

Einige Tage danach sitzt er bei einem Espresso und schwärmt von den vergangenen Tagen in seinem Gasthaus. Er erzählt von 896 Anfragen für den Abend mit den beiden Müllers, von Witzigmanns Fähigkeiten zu genießen - "der kaut nicht, der schmelzt das Essen im Mund" - von 100 Gästen bei jedem Menü, von denen einige das gesamte Programm gebucht hatten. Seine Erzählungen wirken, als sei der Besuch der Spitzenköche ein noch größerer Lohn für seine Arbeit als der Michelin-Stern, der seit 2000 über seinem Haus strahlt.

Den erhielt er nahezu unbemerkt. Ein anderer Spitzenkoch musste ihn darauf hinweisen, dass er nun im Fressführer vermerkt war. Und dann hat er sich riesig gefreut: "Denn das ist doch das Schönste, was einem Koch passieren kann."

1990 hat er das elterliche Wirtshaus übernommen und schon damals die Idee umgesetzt, die bis heute Teil seines Erfolgs ist: Keine Speisekarte, es gibt nur die Gerichte, für das Grainer die Zutaten frisch und in guter Qualität erhält und die er an diesem Tag gerne kochen möchte. "Aus dem Bauch", nennt er seinen Kochstil, nicht Französisch oder neue deutsche Küche, nicht Italienisch oder Asiatisch oder Bayerisch. Von jedem etwas, gerade so, wie es ihm in den Sinn kommt. Das darf dann auch schon mal mitten im Oktober Spargel aus Thailand sein.

Sorgen um seinen Stern macht er sich nicht. Anders als manche Köche, die fürchten ihn wieder zu verlieren, bleibt Grainer ganz gelassen. Nein, er schaue in den Monaten, in denen die Michelin-Tester unterwegs sind, nicht nervös auf seinem Parkplatz umher, ob dort Mittelklasseautos mit Karlsruher Kennzeichen parkten. Und wenn er doch einen Tester im Restaurant erkenne? Grainer zuckt die Schultern. "Wir versuchen für jeden Gast gleich zu kochen." Ohnehin gehe es meist schief, wenn man etwas Besonderes versuche. "Jeder Gast soll glücklich sein und glücklich nach Hause gehen."

Diese Kochkunst könnte Kirchdorf noch lange erhalten bleiben, denn Abwanderungsgedanken hegt Grainer nicht. "In Kirchdorf bin ich verwurzelt, ich möchte gar nicht weg", sagt er, obwohl er derzeit Pläne schmiedet für eine König-Ludwig-Wirtschaft, ein altbayerisches Gasthaus. Wo das liegen könnte, will er nicht verraten, sein Stüberl in Kirchdorf aber will er auch dann nicht aufgeben.

Es sei denn, er würde wieder König und die großartige Schlossküche in Neuschwanstein reaktivieren. Eigentlich, verrät er umgeben von zahllosen Porträts Ludwigs II., eigentlich sei er gar kein Koch sondern eben König Ludwig. Als dieser habe er seine Küchenbrigade derart getriezt, dass er zur Strafe erneut auf die Welt geschickt worden sei: Als Koch. Erst wenn er alles gebüßt habe, dürfe er auf den Thron zurückkehren.

Bis es soweit ist, wird Grainer weiter zur Weinverkostung am Geburtstag des Königs laden oder Variationen von Jakobsmuscheln und Perigord-Trüffeln zubereiten - und vielleicht, ganz heimlich, am zweiten Stern arbeiten.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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