Schmuckes Gotteshaus feiert Jubiläum

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Ihren 250. Geburtstag feiert die Erhartinger Pfarrkirche an diesem Kirchweihsonntag.

Erharting - Von weitem grüßt die Erhartinger Pfarrkirche inmitten des schönen Isentals. Kaum zu glauben, dass der Barockbau jetzt seinen 250. Geburtstag feiert.

An diesem Sonntag steht das Kirchweihfest von St. Peter und Paul an.Wer die Erhartinger Kirche im Osten passiert, der lässt automatisch den Blick auf die prächtige Fassade der barocken Kirche schweifen, die mit ihren aufwendigen Stuckarbeiten zweifelsohne zu den schönsten Kirchen im Landkreis zählen dürfte. "Das ist die Schauseite der Kirche. Wallfahrer sollten auf dem Weg nach Altötting von diesem Bauwerk inspiriert werden", erzählt Heimatforscher Leo Biermaier. In der Tat haben die Kirchenbauer vor 250 Jahren nichts dem Zufall überlassen. Die Fassade ist mit Ornamenten geschmückt. Die filigrane Zwiebelform des Kirchturms und auch der Bau auf einem erhöhten Fundament verleiht der Kirche zusätzliche Erhabenheit inmitten des Isentals.

Es ist kein zufällig gewählter Ort, an dem die Kirche St. Peter und Paul steht. 1451 wurde die erste Kirche aus Stein an diesem Ort gebaut, die jetzige Seelenkapelle wurde aber schon bald zu klein für die wachsende Anzahl an Christen in der Anfang des 15. Jahrhundert gegründeten Pfarrei. "Wenn auch die Seelenkapelle um 1451 die Pfarrkirche gewesen ist, so war doch nach einiger Zeit eine größere Kirche notwendig", heißt es in der Geschichte der Pfarrei. Dort, wo die neue Kirche entstehen sollte, gab es bereits ein Gotteshaus, von dem allerdings nichts überliefert ist. Aus den Aufzeichnungen geht lediglich hervor, dass sie aus Stein, arg baufällig und wohl 1754 abgerissen wurde. Das war auch das Jahr des Baubeginns für die neue barocke Kirche, der 18. Juli steht in den Annalen als Datum für das neu gelegte Fundament.

Erst in den 80er-Jahren wurden die Deckenfresken in ihren Originalzustand zurück versetzt. Über dem Altarraum zeigt die Darstellung die Kreuzigung des heiligen Petrus.

Schon im Dezember 1754 bat Pfarrer Johann Ulrich Polz, in dem schon gedeckten Bau im Winter Gottesdienst zu halten. 1756 war der Bau fertig, weitere sechs Jahre sollten vergehen bis die innere Ausgestaltung fertig war und Fürst Erzbischof Sigismund Christoph von Schrattenbach am 19. September 1762 die Kirche weihte. Aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass der Bau 6571 Gulden gekostet hatte, den das Kollegiatstift, bestehend aus Mühldorf, Altmühldorf, Ecksberg, Erharting und Frixing zu finanzieren hatte. Einen Großteil davon, rund 6000 Gulden, steuerte alleine die kleine Filialkirche Frixing bei, dort, wo der Stephani-Umritt seinen Ursprung hatte und wo auch die dem heiligen Stephanus gewidmete steinerne Kirche stand. "Eine Ortschaft, in der es nur drei Bauern gab, jedoch mit entsprechend viel Grundbesitz", so Biermaier.

In der Erhartinger Pfarrkirche finden sich einige Kostbarkeiten: Der Hochaltar, soviel weiß Kirchenpflegerin Martina Karl, stammt aus der Zeit der Erbauung. Auffällig ist das Madonnenbild mit dem Kind auf dem Schoß sowie die außergewöhnlichen Deckenfresken, die zum einen in aufwendiger Gestaltung die Kreuzigung des heiligen Petrus darstellt. Über dem Kirchenschiff ebenso ein Fresko, die die Enthauptung des heiligen Paulus zum Thema hat. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese stark verkitscht und farbig gestaltet, erst in den 80er-Jahren wurden die Fresken wieder in ihren Originalzustand - eine einheitliche Tonfarbe - zurückversetzt. Eine Anekdote fällt Biermaier aber zum Seitenaltar aus dem 19. Jahrhundert ein, der zunächst dem heiligen Florian gewidmet war und zum Sebastiansalter umgewidmet wurde, weil es dem Pfarrer anno dazumal zu beschwerlich war, Jahr für Jahr die Wallfahrt zum heiligen Sebastian nach Ebersberg anzutreten. Den Bauern damals war das egal, "schließlich gab es ja auch weltliche Gründe, weshalb man sich mehrere Tage auf Wallfahrt begab", schmunzelt Biermaier. "Für die Bauern und auch die Dienstboten eine der wenigen Möglichkeiten dem Alltagstrott mal zu entfliehen."

Eine der Besonderheiten der Erhartinger Kirche ist das Heilige Grab, das im Turnus von zwei Jahren aufgebaut wird, die Grabesstelle Jesu darstellt und orientalisches Flair in die Kirche zaubert.

Das Kirchenjubiläum wird am morgigen Sonntag mit einem Festgottesdienst begangen, zelebriert von den Pfarrern Albert Lang, Lorenz Aicher und Gottfried Wagner. Die Kirchenzug-Aufstellung erfolgt um 8.45 Uhr am Brauereiparkplatz, der Gottesdienst beginnt um 9 Uhr.

Wer in den Genuss einer Kirchenführung kommen will, kann sich jederzeit bei Kirchenpflegerin Martina Karl melden, Telefon 08631/ 91696.

je/Neumarkter Anzeiger

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