Ein Priester auf Reisen

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Zum ersten Mal ist Floribert Malemo als Urlaubsvertretung in Neumarkt-St. Veit und hält die Messen. Seine nächste Station ist Oberbergkirchen.

Neumarkt-St. Veit - Schon als Kind wollte Floribert Malemo Priester werden. Dieser Wunsch hat ihm die Welt geöffnet. Denn die Kirche hat die Kosten für seine Schulausbildung und sein Studium in Rom übernommen.

Obwohl er mittlerweile eine Schule im Kongo (Zentralafrika) leitet, ist er jedes Jahr auf Reisen. Dann kommt er nach Deutschland und übernimmt Urlaubsvertretungen in Pfarreien. Für eine Woche ist er in Neumarkt-St. Veit, dann geht die Reise weiter.

Langsam spricht Floribert Malemo, er sucht immer wieder nach dem richtigen Ausdruck. Er erzählt von seinem Aufgaben in der Pfarrei, von seinem Leben daheim in der Demokratischen Republik Kongo.

Seit zwei Jahren leitet Floribert Malemo ein Gymnasium in Goma. Eine Arbeit, die er zunächst nicht übernehmen wollte, mittlerweile aber hat er großen Gefallen daran gefunden. Für die 1600 Mädchen und Buben ist der Schulbesuch eine große Chance, im Leben etwas zu erreichen. Doch selbstverständlich ist dies nicht. "Pro Kind und Jahr müssen die Eltern 160 Euro bezahlen. Viele können diese Kosten nicht übernehmen", erzählt Malemo. Viele Familien verdienen im Monat nicht mehr als 500 Dollar, ein Schulbesuch ist oft finanziell nicht möglich.

Zu sehen, wie gern die Mädchen und Buben zur Schule gehen, bereitet ihm Freude. Gleichzeitig werde ihnen aber auch viel abverlangt. "Von den Schülern wird viel Disziplin erwartet. Zur Strafe wird ein Kind nach Hause geschickt oder muss die Toilette putzen", erzählt er vom Schulalltag.

Floribert Malemos Glück war es, dass er schon sehr früh wusste, dass er Pfarrer werden wollte. Denn in solchen Fällen übernimmt der Vatikan die Kosten für die Schule und das Priesterseminar. Später studierte er acht Jahre in Rom, die Kosten übernahm ein Kloster in Belgien. Weil er zu dieser Zeit seine Deutschkenntnisse verbessern wollte, kommt der Kontakt zu einem Lehrer aus München und in der Folge zu einer Pfarrei in Deutschland zustande. Der Kontakt ist nie abgerissen, jedes Jahr macht Floribert Malemo für die Diözese München Urlaubsvertretung. In Neumarkt-St. Veit ist er zum ersten Mal, nächste Woche ist er in Oberbergkirchen. Dort kennen ihn die Kirchengänger, denn er ist dort bereits zum dritten Mal. Die enge Verbindung zu bayerischen Pfarreien kommt seiner Heimatgemeinde zugute. "Wir haben Unterstützung für den Bau einer Kirche bekommen, in der Schule wird eine Bibliothek gebaut."

Besonnen spricht Malemo von den Ereignissen, die sein Land erschüttert haben. 14 Jahre Bürgerkrieg haben im Kongo Spuren hinterlassen. Auch wenn sich mit den Präsidentschaftswahlen 2006 die Situation im Land beruhigt hat, noch immer sind die Spuren des Krieges zu sehen. "Das Land ist kaputt. Wir müssen es neu aufbauen", erzählt Malemo. Er selbst musste während des Krieges zweimal aus dem Priesterseminar fliehen. Die Nächte waren in all den Jahren unsicher. "Wir wussten nie, was kommt", erinnert er sich. Als Geistlicher ist er in dieser Zeit von seinen Mitmenschen gefragt worden, wieso Gott ein solches Leid zulässt. "Gott will dies nicht. Es sind die Menschen, die ihr Herz nicht öffnen, und ihr Egoismus, der sie dazu treibt", erklärt er.

Die Kämpfe im Kongo haben zwar ein Ende, doch Gerechtigkeit herrscht dennoch nicht. "Es gibt wenige Menschen, die viel besitzen. Und es gibt viele Menschen, die kaum etwas haben", beschreibt Floribert Malemo kurz die Situation im Kongo. Dies mitzuerleben, bereite ihm Schmerzen.

Für eine Woche übernimmt Floribert Malemo die Urlaubsvertretung in Neumarkt-St. Veit. Für ihn ist die Zeit wie Urlaub: Es ist ruhig, er hat Strom und Zugang zum Internet. Er schätzt die Hilfsbereitschaft der Menschen. Ganz besonders schmeckt ihm der Schweinebraten und die Kartoffelknödel: "Die schmecken so ähnlich wie das Essen bei uns daheim."

hi/Neumarkter Anzeiger

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