Fahrräder für Flüchtlinge in Niedertaufkirchen

"Radl gesucht" - dank einem Film schneller in die Stadt

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Niedertaufkirchen - Um Flüchtlingen mehr Mobilität und Selbstständigkeit zu ermöglichen, haben engagierte Helfer einer oberbayerischen Produktionsfirma in Niederbergkirchen einen tollen Film gedreht, der zur Spende von Fahrrädern aufruft:

Von Niedertaufkirchen bis Mühldorf sind es ungefähr 12 Kilometer. Der Bus fährt - wie so oft auf dem Land - nicht oft und mit dem Fahrrad braucht man mindestens eine halbe Stunde. Realistisch sind aber eher 40 Minuten. Das setzt natürlich voraus, dass man ein Fahrrad hat. Und weil das bei den neuen Bewohnern von Niedertaufkirchen nicht selbstverständlich ist, gibt es jetzt das Projekt "Radl gesucht", das gespendete Fahrräder an Flüchtlinge vermitteln soll. Eine Aktion, bei der jeder mitmachen kann.

Es gibt in Niedertaufkirchen zwar schon einen Kreis von Helfern, der die geflüchteten Bewohner des Ortes auch gerne neben der Arbeit in die Stadt und zum Arzt bringt, doch "sie sind oft zurückhaltend und warten sehr lange, bevor sie Bescheid sagen, wenn ihnen etwas fehlt, um keine Belastung zu sein", so Anke Lichtmann, eine der Initiatoren des Projekts. Darum wäre es für alle das Beste, wenn sie selber mobil wären und vieles mit Fahrrädern selbstständig erledigen könnten.

So entstand das Projekt

Ins Leben gerufen wurde "Radl gesucht" von Anke Lichtmann und Stephan Spieske, die mit ihrem Freund Lorenz Wiedemann als Produktionsfirma "Sunshine Vikings" in München und Mettenheim normalerweise Werbespots, Musikvideos und Imagefilme für Unternehmen wie Mercedes Benz, BMW und die Deutsche Bahn drehen.

Als Freunde auf sie zukamen und fragten, ob sie sich vorstellen könnten für Flüchtlinge Deutschunterricht zu geben oder Fahrräder zu spenden, kamen sie auf die Idee von "Radl gesucht". "Um beides zu kombinieren und dabei die Menschen zusammen zu bringen" boten sie als Lösung an, den Film zu drehen, erzählt Lichtmann im Gespräch mit innsalzach24.de.

Am Drehtag kamen das Team, unzählige Freiwillige und natürlich die "neuen Nachbarn", wie Lichtmann sie gerne nennt, zusammen und filmten den "Brief" an den Landkreis Mühldorf. Sie sammelten Pappe, bastelten daraus die Buchstaben-Schilder und dachten sich die Choreographie aus, um sie anschließend mit der Kamera-Drohne auf der Wiese eines Helferkreis-Mitglieds festzuhalten.

Hier können Sie das Video sehen:

Ein vielseitiges Projekt mit großem Nutzen

Zwei Räder haben schon einen neuen Besitzer

An diesem Tag hatten alle Beteiligten nicht nur viel Spaß, es entstanden auch wertvolle Ideen, wie eine WhatsApp-Gruppe, in der die Deutschlernenden Fragen zu Übersetzungen und Grammatik stellen können. "Außerdem gab der Film den jungen Menschen eine positive Aufgabe, da sie sich sonst gezwungenermaßen oft zu Tode langweilen." sagt Lichtmann.

Zwei Fahrräder wurden schon an die überglücklichen neuen Besitzer überreicht, Manchen, wie der Jurastudentin May, muss die Angst vor dem Fahrradfahren nach schlechten Erfahrungen mit den alten, teilweise kaputten Drahteseln aber noch genommen werden. "Sie hatte wohl eine Art Unfall, aber zusammen mit den anderen helfen wir ihr, wieder Spaß am Fahren zu bekommen" meint Lichtmann.

Radl sind gesucht 

Wer Fahrräder hat, kann eine Nachricht an die Facebookseite von "Radl gesucht" schreiben, auch gut genutzte Fahrräder werden in einer Werkstatt in Mühldorf wieder fertig zum Gebrauch gemacht. Auch das ist ein Projekt, bei dem Flüchtlinge eingebunden werden, sie lernen dort wie man die Räder fachmännisch repariert.

Wenn das Projekt gut ankommt, kann die Aktion natürlich auch auf andere Orte in der Umgebung ausgeweitet werden, denn Anke Lichtmann meint, viele wollen helfen und wissen noch gar nicht wie. Und: "Es war super schön, gemeinsam etwas Positives zu machen, denn diese Arbeit ist unglaublich bereichernd".

Simon Lenze

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