Wurzeln und Flügel

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Annette Gößl stellte bei ihrem Vortrag ihr Buch "Ich hab Mut, dann geht's mir gut!" vor.

Lohkirchen - "Ich hab Mut, dann geht's mir gut!" lautet der Titel des Buches von Anette Gößl, das die Pädagogin im Rahmen eines Vortrages in Lohkirchen vorgestellt hat.

Es sind darin konkrete Hilfestellungen und Anleitungen zu finden, um introvertierten, ängstlichen, hyperaktiven, aggressiven oder von sonstigen Verhaltensauffälligkeiten betroffenen Kindern zu helfen.

"Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel." Diesen Gedanken gab Annette Gößl, Heilpädagogische Förderlehrerin in Lohkirchen zu Beginn eines Informationsabends im Lohkirchener Gemeindesaal an interessierte Eltern und Erzieherinnen weiter. Der Kernpunkt ihrer Pädagogik beruht auf der Erkenntnis, dass Kinder Vertrauen und ein stabiles Selbstwertgefühl brauchen, um ihre Persönlichkeit entwickeln zu können. Dass sie die "Wurzeln" des stabilen seelischen Gleichgewichts brauchen, damit die "Flügel" zur eigenen freien Entwicklung wachsen können.

Mangelndes Sozialverhalten lasse die betroffenen Kinder schnell in eine Außenseiterrolle rücken, das normale Gruppengefüge im Kindergarten oder in der Schule sei gestört, so Gößl.

Gefragt nach den Veränderungen in der heutigen Kindererziehung nannte sie die wesentlich partnerschaftlichere Erziehungsform anstelle der autoritäreren früherer Jahre. Sie verlange den Eltern und Erziehern sehr viel mehr ab. Auch hätten früher die Kinder häufiger im Freien gespielt und dabei für ihre Entwicklung wichtige körperliche Fähigkeiten eintrainieren können. Heute nähmen die Medien einen großen Teil der Erziehung ein.

"Leider steht auch der Leistungsgedanke in unserer Gesellschaft häufig über der Persönlichkeit" bedauerte sie, auf die PISA-Studien verweisend, "die Persönlichkeitsbildung gerät in den Hintergrund."

Das Angebot der Förderschulen mit SVE gäbe es seit den 70er-Jahren; früher waren diese Einrichtung als "Sonderschulen" bezeichnet worden. Das Jahr in einer Schulvorbereitenden Einrichtung könne helfen, Entwicklungsrückstände auszugleichen. Negative Kindergartenerfahrung aufgrund häufigen Fehlverhaltens in der relativ kleinen Gruppe der SVE würden durch gezielte Diagnostik beim Sprechen, Denken und in der emotionalen und sozialen Entwicklung kompensiert.

Alle Kinder würden mit zwei Anlagen geboren, erläuterte Gößl: Mit Intelligenz und einem unverwechselbaren Temperament. Der emotionale Typus sei unverwechselbar angeboren, aber die Reifung zu einer emotional intelligenten Person würde erworben im Umgang mit den Eltern, Geschwistern und den vielen täglichen Begegnungen mit anderen Menschen seiner Umwelt.

Ein Kind sollte respektvoll von seinen Eltern behandelt werden, wie die Eltern auch Respekt von ihrem Kind einfordern dürfen, erklärte sie. "Trauen Sie Ihrem Kind ruhig etwas zu" ermunterte Gößl die Eltern, und "nehmen Sie es mit seinen Bedürfnissen und Ansichten ernst." Und: "Kinder brauchen Vorbilder, sie verinnerlichen und ahmen nach. Die wichtigsten Vorbilder sind Sie als Eltern." Sie erinnerte daran, dass ein Kind auch negatives erzieherisches Verhalten, wie etwa das Anschreien in Konfliktsituationen, übernehmen werde.

Erwünschte Verhaltensweisen - selbstständiges Anziehen, Aufräumen, Abwarten, wenn andere sprechen - würden von den Erwachsenen oft vorausgesetzt, müssten aber von den Kindern erlernt und eintrainiert werden. Auf der anderen Seite könne kindliche Aufmüpfigkeit sehr aufreibend sein, aber auch unbestritten einen ersten Schritt zum Selbstbewusstsein darstellen.

Dem Entwicklungsstand angemessene klare Grenzen seien ebenso wichtig wie die Einhaltung angedrohter Konsequenzen, da man als Erzieher sonst an Glaubwürdigkeit verlieren würde.

Wenn man mit einem Kind freundlich spricht, es liebevoll dabei anschaut, geduldig Positives aus dem Verhalten des Kindes heraushebt und darüber spricht, wirke sich diese Verhaltensweise motivierend auf das Kind aus und stärke das Selbstvertrauen. Formulierungen wie ein "Halt dich gut fest!" gebe einem Kind beim Klettern mehr Mut als ein ängstliches "Fall nicht herunter!"

Zum Schluss gab es noch Ratschläge für den Heimweg: Konkrete Fragen der Anwesenden über die richtige Vorgehensweise bei Trödelkindern oder Schwierigkeiten beim zu Bett gehen beantwortete Gößl klar.

edi/Mühldorfer Anzeiger

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