Debatte im Stadtrat

Darf der "Galgenberg" seinen Namen behalten?

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Das Bebauungsgebiet "Am Galgenberg" in Neumarkt-St. Veit
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Neumarkt-St. Veit - Geht es dem Galgenberg nun an den Kragen oder nicht? Die Neumarkt-St. Veiter Stadträte haben am Donnerstagabend ein eindeutiges Urteil gefällt:

Es war eine angeregte, aber sachliche Debatte am Donnerstag im Neumarkt-St. Veiter Stadtrat. Sorgsam wogen die Stadträte ab, ob das Bebauungsgebiet "Am Galgenberg" seinen etwas martialisch anmutenden Namen behalten soll oder nicht. Am Ende war das Votum des Gremiums eindeutig: Mit 14 zur vier Stimmen lehnten die Stadträte den Antrag der SPD-Fraktion, einen Wettbewerb zur Namensfindung ins Leben zu rufen, ab.

"Sollte den geschichtlichen Begriff weiter nutzen"

Auf diesem Katasterplan-Auszug aus dem Jahr 1854 ist der Flurname "Galgenberg" bereits vermerkt (zum Vergrößern Bild anklicken).

"Wir haben uns auch ein bisschen kundig gemacht", sagte Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) zu Beginn der Debatte im Stadtrat. "Das Wort Galgenberg ist nicht so unselten." Baumgartner verwies darauf, dass beispielsweise in Aldersbach, Dorfen, München und Pfarrkirchen Ortsteile den Namen Galgenberg tragen. Aus Sicht des Bürgermeister war die Frage nach einer möglichen Umbenennung deshalb leicht zu beantworten: "Für mich ist das ein geschichtlicher Begriff, den man weiter nutzen sollte." Baumgartner betonte, dass ja lediglich das Bebauungsgebiet "Am Galgenberg" heiße, nicht aber die Straßen in der künftigen Siedlung: "Es sagt ja keiner, ich wohne jetzt am Galgenberg 1." Für den Bürgermeister war deshalb klar, dass man zur Geschichte stehen solle und der Name kein Grund sei, sich zu schämen.

SPD will die Meinung der Bürger wissen

Informationen zum geschichtlichen Hintergrund des Namens finden Sie hier.

Die beiden SPD-Stadträte Ludwig Spirkl und Ulrich Geltinger, die den Antrag zum Start eines Namenswettbewerbs eingebracht hatten, betonten, dass sie keineswegs den Flurnamen "Galgenberg", sondern lediglich die Bezeichnung des Bebauungsgebiets "Am Galgenberg" diskutieren möchten. Vor allem die Außenwirkung des Namens treibt die beiden Stadträte um. "Für uns Neumarkter ist das eine ganz normale Flurbezeichnung und nichts besonderes", sagte Geltinger. Er könne sich aber vorstellen, das Leute von außerhalb "nicht mit dem Namen können" - ein für ein Bebauungsgebiet nicht unwesentlicher Faktor, schließlich siedeln sich dort Neubürger und keine alteingesessenen Neumarkter an.

Geltinger plädierte dafür, die Bevölkerung nach ihrer Meinung zu fragen. Vielleicht gebe es ja auch "einen fantastischen Vorschlag" für einen neuen Namen. "Fragen wir sie halt. Was liegt schon dran?", so Geltinger. Zudem regte Geltinger an, in der künftigen Siedlung eine Gedenktafel aufzustellen, die an die historischen Hintergründe des Namens erinnert. Geltingers Fraktionskollege Ludwig Spirkl sprach sich ebenfalls für eine gezielte Befragung der Neumarkt-St. Veiter aus. Auf innsalzach24 hatten die Leser am vergangenen Wochenende klar gegen eine Umbenennung gestimmt. Gut 75 Prozent von ihnen hatten sich für den alten Namen ausgesprochen. Ein repräsentatives Votum war das freilich nicht. Außerdem waren ja nicht nur Neumarkt-St. Veiter zum Voting zugelassen. Spirkl sagte, er wäre "happy", wenn eine repräsentative Befragung der Bevölkerung zum selben Ergebnis führe wie das Voting - nur fragen muss man die Bürger nach Einschätzung Spirkls halt schon.

Kulhanek: Namen könne man "witzig vermarkten"

Das Ergebnis des innsalzach24-Votings (zum Vergrößern Bild anklicken)

Von den Stadtratskollegen erntete die SPD-Fraktion aber mehrheitlich Widerspruch. "Ich denke nicht, dass es zum Nachteil ist: Bauen am Galgenberg", sagte Michael Kulhanek (CSU). Man könne das sicher "witzig vermarkten", so der CSU-Stadtrat. Dem schloss sich der zweite Bürgermeister Michael Asbeck (UWG) an. Er sei darauf angesprochen worden, ob der Stadtrat keine anderen Probleme habe. Das wichtigste ist laut Asbeck bei einem Bebauungsgebiet ohnehin die Lage und nicht der Name. Dr. Klaus Windhager (UWG) erzählte, er habe die UWG-Mitglieder per E-Mail nach ihrer Meinung gefragt. Häufig habe er zur Antwort bekommen: "Wenn das euer Problem ist, seid ihr eine sehr reiche Gemeinde." Windhager forderte, man solle demütig mit der Geschichte umgehen. "Wieso sollte man etwas weichspülen?"

Die CSU-Stadträtin Rosina Maria von Roennebeck schloss sich hingegen der Einschätzung der SPD-Fraktion an. Von Roennebeck erklärte, sie würde die Frage gerne noch einmal den Bürgern vorlegen.

Nach der Debatte stimmten die Stadträte recht deutlich gegen den Antrag der SPD-Fraktion. 14 Stadträte waren gegen den Antrag, vier dafür. "Trotzdem danke ich der SPD-Fraktion", sagte Baumgartner nach der Abstimmung. Der Bürgermeister lobte, dass durch den SPD-Antrag die geschichtliche Hintergründe des "Galgenbergs" in den Blickpunkt gerückt waren. "Ich wünsche mir mehr solche positiven Anregungen", sagte Baumgartner.

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