Radweg nach Hörbering bleibt Fiktion

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Im Fadenkreuz wütender Grundstücksbesitzer: Zweiter Bürgermeister Michael Asbeck, Stadtrat aus Hörbering (rechts), musste Beleidigungen über sich ergehen lassen. Bürgermeister Erwin Baumgartner warf schließlich das Handtuch. Einen Konsens wird es, so die Erkenntnis, nie geben, der Radweg bleibt damit Wunschdenken.

Neumarkt-St. Veit - Viel Polemik, keine Kompromissbereitschaft, am Ende aber ein klares Ergebnis: Den Radweg von Neumarkt-St. Veit nach Hörbering wird es definitiv nicht geben

Der Radwegebau scheitert an den fehlenden Grundstücken.

Die Stimmung war schon zu Beginn der Anliegerversammlung im Kulturbahnhof angeheizt: "Kemma endlich ofanga, mia woin wieda hoam", wetterte ein Grundstückseigentümer. Und eigentlich war schon nach der Begrüßung durch Bürgermeister Erwin Baumgartner klar, dass es wohl keinen Konsens geben wird. Denn auf Baumgartners "Schauen wir mal, ob es eine Lösung gibt oder nicht" folgte umgehend ein klares "Nein". Keine Frage: Die Grundsstücksbesitzer nutzten die Möglichkeit, Dampf abzulassen, fühlten sich offensichtlich durch den Rummel der vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit diskreditiert, weil sie keinen Grund für den Radweg abtreten wollen. "Wir wollen unsere Ruhe!"

Emotionsgeladene Äußerungen bestimmten den Auftakt des Treffens ("Wer fährt von Hörbering mit dem Radl rauf? Keine Sau!"). Ein Anlieger versicherte dem Bürgermeister sogar: "Und wennst mir 200000 Euro für meinen Streifen zahlst, kriagst'n ned." Baumgartner bemühte sich um Schlichtung: "Wenn es den Weg geben würde, wäre es schön. Wenn nicht, geht die Welt auch nicht unter." Was auf der Strecke bleibe, sei die Sicherheit. Denn: "Die Staatsstraße 2086 wird heuer hergerichtet. Nach der Sanierung werden die Autos schneller fahren."

Chronologisch zählte Baumgartner dann die Bemühungen seit 2001 auf, als die CSU erstmals einen Antrag zum Bau eines Radweges im Zuge des Kanal- und Wasserleitungsbaus nach Hörbering ins Spiel gebracht hatte. Doch bereits 2003 seien die Bemühungen am Veto der Grundstücksbesitzer gescheitert. 2006 und 2007 seien die Anlieger erneut angeschrieben worden, eine Reaktion sei aber ausgeblieben. "Soll ich mich etwa bei der Stadt rühren, damit ich Grund verkaufen kann?", fragte ein Anlieger. Der Bürgermeister hätte persönlich verhandeln sollen, kreideten die Anlieger dem Stadtoberhaupt an ("Mia san narrisch, weil mia no nia selber gfrogt wordn san.").

Das gab Baumgartner auch zu. "Wenn das mein Fehler war, dann können wir es jetzt besser machen", startete er einen neuen Versuch, schlug alternative Wegeführungen vor, um dem Wunsch von 800 Bürgern, die die Unterschriftenliste pro Radweg unterschrieben hatten, Rechnung zu tragen. "Wir lassen uns die Wiesen und die Freiheit nicht wegnehmen", polterte dann aber wieder ein Anlieger. Am Geld läge es nicht, versicherten sie weiter, jedoch zeigten sich die Anlieger darüber verärgert, dass in der Bauausschusssitzung das Wort Enteignung gefallen sei. Dazu erklärte Baumgartner, dass über Enteignung gesprochen worden sei, und zwar dergestalt, "dass eine Enteignung eben nicht in Frage kommt".

Auch die Verunreinigung der Äcker durch Hundekot war den Anliegern ein Dorn im Auge.

Hundekot und Pferdemist in den Äckern waren weitere Aspekte, die die Anlieger als Argumente ins Feld führten. Das Futter würde verunreinigt, Kälber und Rinder würden krank. Letztlich würde der Verbraucher Gefahr laufen, parasitäres Fleisch zu verzehren. Auch die zunehmenden Einschränkungen wurden thematisiert. Straße, Bahn und Rott würden es den Landwirten ohnehin schon schwer machen. Einen Radweg könne man nicht gebrauchen. "Alles ein Riesenschmarrn", mischte sich dazu Stadtrat - neben Michael Asbeck der einzige anwesende CSUler - und Grundstückanlieger Ferdinand Rothkopf ein. Der Müll auf dem bereits bestehenden Rottweg sei ein Bruchteil dessen, was man entlang der Staatsstraße finde. Der Hundekot sei zu vernachlässigen. Er befürchtete, dass diese Versammlung mehr kaputt mache, als dass sie etwas nützen würde. Einzelgespräche mit den Anliegern würden in diesem Fall mehr bringen, schlug er vor. Er erwähnte auch, Wegealternativen zu überlegen, etwa bestehende Straßen zu nutzen. Darin sah jedoch Baumgartner keinen Sinn. "Da fährt keiner, da haben wir nichts davon."

Schließlich meldete sich auch ein Anlieger, der einen Radweg befürwortet. "Wer hätte denn vorher gedacht, dass der Radweg von Furth nach Bodfurth so gut angenommen wird?" Gleiches könne er sich auch für Hörbering vorstellen. Er war sich sicher, dass die Hälfte der Namen auf der Unterschriftenliste den Weg nutzen würden. Doch es blieb Skepsis. Viele Radfahrer würden weiter auf die Staatsstraße ausweichen, weil der Rottweg nicht geteert werde, so die Meinung eines Wortführers.

Baumgartner sah keinen Sinn, die Diskussion weiterzuführen, hakte sie mit der Erkenntnis ab, dass es aussichtslos sei, einen Konsens zu finden. Er machte deutlich, den Auftrag des Stadtrates erfüllt zu haben. "Ich will mir nicht den Schuh anziehen, zu wenig getan zu haben, sollte etwas passieren." Alles andere müssten die Anlieger mit ihrem Gewissen vereinbaren. Für ihn sei der Radweg nach der Versammlung erledigt. Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Keine Kinderstube".

je/Neumarkter Anzeiger

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