Pfarrei Lohkirchen bietet Führungen an - Anekdoten bei Vortrag

Die Geschichte der Lohkirchener Kirche

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Eugen Rippl in der Lohkirchener Pfarrkirche: Blick von der Empore auf das Kirchenschiff mit seinen ausgewogenen Proportionen, dem figurierten Rippengewölbe und der reichen Gliederung der Pfeiler und Schildbögen.

Lohkirchen - Die Pfarrei Lohkirchen blickt nach 1250 Jahren auf eine lange Geschichte zurück. Doch die Vergangenheit des heutigen Kirchengebäudes beeindruckt nicht minder:

Die Grundlagen des Gebäudes wurden vor 600 Jahren gelegt und selbst einige Skulpturen in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt stammen aus jener Zeit. Obwohl oder vielleicht gerade weil der Kirchenbau und sein Inneres mehrere Stilvarianten durchlebten, besteht die Anziehungskraft des Gebäudes bis heute fort. Dies veranlasste Eugen Rippl, die Geschichte der Pfarrkirche in Worte zu fassen.

Angefangen hatte alles mit den Geschichtstagen des Landkreises Mühldorf zum Thema "Schule und Bildung". Rippl "vergrub" sich im Kirchenarchiv, um historische Daten und Unterlagen zu Tage zu fördern, denn die Schulbildung in Lohkirchen hatte laut Aufzeichnungen aus 1696 der Pfarrpfründe unterstanden. Nach der Geschichtsausstellung archivierte Rippl auf Geheiß des Pfarrers Paul Janßen die historischen Kirchenbücher, sortierte und ordnete alte, längst vergessene Aufzeichnungen. Nachdem er einmal "Blut geleckt" hat, bietet er nun eine Kirchenführung an, die den Besucher neben Steinen, Altären oder Glocken auch tragische und humorvolle Geschichten erleben lässt.

Demnach stammt die heutige Ansicht der Kirche aus 1869. Das spätgotische Gotteshaus wurde vermutlich 1492 fertig gestellt und trägt Züge der "Landshuter Schule", zu erkennen an der Gestaltung des 64 Meter hohen Turmes mit seinen Blendnischen. Im Barock erhielt die Kirche einen Zwiebelturm und auch ihr Inneres wurde "barockisiert". Doch 1866 kehrte man unter Pfarrer Matthäus Lugscheider wieder zur gotischen Schlichtheit zurück. Der Turm und das Dach waren von einem schweren Sturm beschädigt worden, sodass Baumaßnahmen nötig waren. Ermöglicht wurde die Restaurierung auch durch Spenden und die unentgeltliche Mitarbeit der Pfarrangehörigen. Der Turm erhielt eine neue Form mit drei Eingangsportalen und Anbauten an der Nord- und Südseite, einen steilen Spitzturm und eine neue Sakristei. Mit einem Beinahe-Absturz endete für den Zimmerermeister die Anbringung der vergoldeten Kugel mittels Steigbäumen, nachdem diese sich gefährlich vom Turm weg bewegten und im letzten Moment festgehalten werden konnten. Weniger Glück hatte ein Bauer aus Hundham, der beim Aufziehen der vier neuen Glocken von einem eisenbeschlagenen Kolben tödlich getroffen wurde.

Das Innere der Kirche beherbergt einige kunsthistorische Schätze wie die Heilige Maria mit dem Jesuskind, das statt des üblichen Apfels eine Birne in seiner Hand hält und aus der Zeit um 1520 stammt. Es soll in Deutschland nur zwei derartige Darstellungen geben.

Die Kirchenführung bietet Eugen Rippl kostenlos an, eine Spende fließt in karitative Zwecke der Pfarrei. Terminvereinbarungen sind möglich unter Telefon 08637 / 263.

edi/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Neumarkt-Sankt Veit

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser