Kulturstammtisch "Im Namen des Volkes"

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Die Geschichte der Gerichtsbarkeit in Neumarkt geht weit zurück, bis ins 14. Jahrhundert. Auf dem Bild das Gebäude an der Bahnhofstraße, wo das Amtsgericht bis zur Verlegung nach Mühldorf (1970) seinen Sitz hatte.

Neumarkt-St. Veit - 1970 endete die Epoche der Neumarkter Gerichtsbarkeit. Im Rahmen des Kulturstammtisches im Vitusstüberl will Stadtarchivar Walter Jani am Donnerstag 7. Januar, ab 20 Uhr an diese Zeitepoche erinnern.

An der Bahnhofstraße steht ein Bauwerk, dessen ehemalige Bedeutung auch heute noch gut zu erkennen ist: das alte königlich-bayerische Amtsgericht Neumarkt an der Rott.

Die Geschichte der Gerichtsbarkeit in Neumarkt geht weit zurück, bis ins 14. Jahrhundert. Seit 1369 können die Namen der Landrichter nachgewiesen werden. Zu dieser Zeit wird der Johanneshof, der Vorläuferbau des heutigen Schlosses Adlstein, zum Sitz des Landrichters und des herzoglichen Pflegers ausgebaut. Die beiden Ämter werden im 16. Jahrhundert vereinigt und von einer Person ausgeübt. Dieser Pflegrichter war ein mächtiger Mann und sein Wirkungsbereich umfasste die nördliche Hälfte des heutigen Landkreises Mühldorf, hinunter bis zu den Klöstern Gars und Au am Inn. Er war quasi Landrat, Wehrkreiskommandant, Chef des Finanzamtes und Landrichter in einer Person, seine Urteile konnten bis zum Tode reichen, Urteile, die dann auf der "alten Köpfstatt am Taubenberg" hoch über der Rott mit blankem Schwert vollzogen wurden.

Dieses Pfleggericht wurde 1608 in den Marktplatz verlegt (heute Schuhhaus Baumgartl), nachdem der Pflegrichter Hiltpolt von Neuhaus das Schloss Adlstein von Herzog Max als Privatbesitz erwerben konnte.

Ab 1799 wurde es nicht mehr als Pfleggericht, sondern als Landgericht bezeichnet. Im Jahre 1862 erfolgte eine umfassende Justizreform, in der die bisherige Verknüpfung von Verwaltung und Justiz aufgelöst wurde. Neumarkt wurde nach dieser Reform Sitz eines neu gebildeten königlichen Amtsgerichts.

Gegen Ende der 1880er Jahre wird das alte Gerichtsgebäude im Marktplatz aufgegeben und das Amtsgericht in einem repräsentativen Neubau an der Bahnhofsstraße verlegt. Im Erdgeschoss werden die Büroräume und der große Sitzungssaal untergebracht. Im Oberschoss erhält der Amtsrichter seine Dienstwohnung, und im Keller werden ein paar Arrestzellen eingebaut.

Viele der Gerichtsverhandlungen sind in den Berichten des Neumarkter Anzeigers nachzulesen, und der Schriftsteller Georg Lohmeier hätte wohl einiges Material für seine berühmte Sendereihe vom königlich-bayerischen Amtsgericht aus dem hiesigen Sitzungssaal verwenden können. Damals mussten sich die meisten Angeklagten noch selbst verteidigen, und dem stets zahlreich erschienenen Publikum wurde meist einiges geboten.

Nach 1918 wurde das Wort "königlich" auf der Hausanschrift gestrichen, aber sonst erledigten die Herren Amtsrichter ihre Aufgaben wie gewohnt.

Zum 1. Januar 1970 kam dann mit der Verlegung des Amtsgerichts Neumarkt-St. Veit nach Mühldorf das Ende der jahrhundertealten Tradition.

Das alte Gerichtsgebäude ist heute in Privatbesitz und beherbergt in den ehemaligen Gerichtsräumen im Erdgeschoss ein Notariat.

Im Rahmen des Kulturstammtisches im Neumarkter Vitusstüberl will Stadtarchivar Walter Jani am Donnerstag, 7. Januar, ab 20 Uhr an diese Zeitepoche erinnern. Unter dem Motto "Geschichten vom königlich-bayerischen Amtsgericht Neumarkt a. d. Rott" wird er Berichte aus dem Neumarkter Anzeiger aus der "guten alten Zeit vor anno 14" vortragen. Der Eintritt ist frei. jaw

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