Mit dem Gleitschirm bis zur Rottstadt

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Solche Luftaufnahmen von Neumarkt-St. Veit sind selten. Markus Kroiss (kleines Bild) aber hatte sein Smartphone dabei, schoss während seines einstündigen Gleitens im Luftraum der Rottstadt einige wunderschöne Bilder.

Neumarkt St. Veit - Geplant hatte er es schon lange. Doch jetzt spielte auch das Wetter mit: Der gebürtige Neumarkter Markus Kroiss flog mit seinem Gleitschirm von der Hochries aus bis in seine Heimatstadt.

Über 90 Kilometer trug ihn die Thermik bis in den nördlichen Landkreis Mühldorf. Viele Rottstädter wunderten sich an diesem warmen 2. Mai darüber, woher plötzlich der Gleitschirmflieger hergekommen sein mag. Die Antwort: Von der Hochries aus war Markus Kroiss aus gestartet, nutzte dabei die gute Thermik zur Mittagsstunde aus, um dann seinen fünfeinhalb Stunden langen Flug im Herzen Neumarkt-St. Veits zu beenden. Und das mit einer Punktlandung. Sein Spezl Manfred Preitenwieser staunte jedenfalls nicht schlecht, als Markus Kroiss in den frühen Abendstunden vor seinem Haus landete.

Fünfeinhalb Stunden lang war der Paraglider vom Gleitschirmclub Hochries-Samerberg an diesem Tag in der Luft, um schließlich in seinem Heimatort, dort wo seine Eltern leben, zu landen. "Es waren optimale Bedingungen für den Flug", erzählt der 37-Jährige. Optimal sind diese "bei einem typisch bayerischen, weiß-blauen Himmel", erklärt Kroiss. Von dicken Cumulus-Wolken spricht er, die auf Aufwind hindeuten und somit beste thermische Bedingungen anzeigen, um bis nach Neumarkt-St. Veit zu gleiten. "Ein Wolken-Hopping", lacht er. Immerhin: Per Luftlinie sind es 75 Kilometer, die es zurückzulegen galt. Tatsächlich flog Kroiss dann aber über 90 Kilometer, weil die thermischen Bedingungen über die Rottstadt so gut waren, dass er noch eine gute Stunde seine Runden über dem Kirchturm und der Ludwigshöhe von St. Veit drehen konnte. Sein Heimatland, "dessen Hügel ich von unzähligen Radtouren alle kenne, erwies sich dann aber überaus thermisch" und so sei ihm noch ein Rundflug und Landung "praktisch vor der Haustüre", gelungen.

"Anfangs etwas zäh, dann viel Bodenwind bei Schnaitsee, dort stehen die Windräder wohl nicht umsonst", so schildert der gebürtige Neumarkt-St. Veiter seinen Flug, der an der Hochries seinen Anfang genommen hatte. Bis auf 2700 Meter schraubte sich Kroiss mit seinem Paraglider hoch. Aber: "über Mühldorf wurde es nochmal eng, doch hier bewährte sich mal wieder eine Kirche mit Friedhof im Zentrum von Mößling", bis auf 470 Meter sei er zwischenzeitlich abgesackt, bei Neumarkt habe er aber wieder eine Höhe von knapp 1500 Meter erreicht. Höher darf er dort nicht, weil das Gebiet in der Einflugschneise des Flughafens Erding liegt.

Über 1000 Flüge hat Markus Kroiss schon absolviert, bietet auch Tandemsprünge an und das zu jeder Jahreszeit. Dabei ist der Informatiker ein Spätzünder. Denn erst mit 30 Jahren ging er das erste Mal in die Luft. "Ich hab immer zugeschaut und es hat mich seit jeher fasziniert." Die Folge war ein Kurs am Übungshang mit 20 Flügen an drei Tagen - Kroiss war infiziert, nutzt nun jede sich bietende Gelegenheit, um sich von der Thermik über das Chiemgauer Voralpenland tragen zu lassen.

"Es ist die Freiheit, die man dort oben genießt. Man bekommt den Geist völlig frei", schwärmt er über seine Passion, für die vor allem das Frühjahr die besten thermischen Voraussetzungen biete. Fön beschreibt er hingegen als sehr gefährlich, weil dieser starke Wind von oben plötzlich durchbrechen kann und für einen Höllenritt bis zum Boden sorgen kann, bei dem der Pilot nur noch mit dem offenhalten des Schirmes beschäftigt ist.

Möglichen Gewittern gelte es ebenfalls mit Respekt zu begegenen. Von Blitzschlag spricht Kroiss in diesem Zusammenhang oder von gefährlichen Aufwinden, die einen Gleiter in gefährliche Höhen transportierten. "Gefährlich deswegen, weil man dann bewusstlos durch Sauerstoffmangel und schließlich erfrieren würde."

Durchaus also ein Hobby, bei dem alle Konzentration und ein klarer Verstand gefordert ist. Deswegen sei es auch nötig, dass der Körper bei so langen Flügen auch ausreichend mit Wasser versorgt sei. Und wenn einem dann bei stundenlangen Flügen doch die Natur kommt? "Das ist wirklich ein Problem, für das es mehrere Möglichkeiten gibt: Nach vorne beugen, dabei muss man aber die Steuerleinen auslassen - nicht schön bei plötzlicher Turbulenz." Windeln, doch seien die für die ganz langen Flüge oft nicht ausreichend. Am besten bewähre sich ein Urinalkondom mit Schlauch "und ab in den Luftraum damit. Aber keine Sorge: Das verdunstet, ehe es unten ankommt."

Nicht viel zu trinken wäre für maximal vier Stunden gut, da sich Flüssigkeitsmangel auf die Konzentration niederschlagen würde. Und die ist von Nöten, wenn Kroiss sein nächsten Ziel anpacken will. Dann soll es vom Samerberg aus bis in den Bayerischen Wald gehen - knapp 150 Kilometer wären das, so Kroiss. Abwarten ist dafür angesagt - bis es der weiß-blaue Bayerische Himmel wieder zulässt. je

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