Begehung mit Dr. Hans Jürgen Fahn und Christine Degenhart

Stadtplatz bald barrierefrei?

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Bei der Begehung des Stadtplatzes machen die beiden Experten immer wieder konkrete Vorschläge, wie man die Situation für ältere oder auch behinderte Menschen besser gestalten könnte. Im Bild erklärt Bezirksrätin und Architektin Christine Degenhart vor der VR-Bank, wie man den Eingang optimieren könnte. Bürgermeister Erwin Baumgartner und Raiffeisen-Vorstand Claus Peter Seisenberger (Mitte) hören gespannt zu, Dr. Hans Jürgen Fahn dokumentiert verbesserungswürdige Stellen und Ergebnisse mit seinem Smartphone.

Neumarkt - Nicht alle Zugänge am Stadtplatz sind barrierefrei. Stolperfallen, Unebenheiten und das ein oder andere Nadelöhr erschweren Menschen mit Geh- und Sehschwächen das Einkaufen.

Das soll sich über kurz oder lang ändern. Erste Ideen und Impulse setzte ein Treffen in der Rottstadt. Dr. Hans Jürgen Fahn, generationenpolitischer Sprecher der Freien Wähler im Landtag und Bezirksrätin Christine Degenhart sprachen über das Thema "Generationenfreundliches Einkaufen" und machten eine Vor-Ort-Begehung im Stadtplatz mit Stadträten und Geschäftsleuten.

"Wenn die Umgehung fertig ist, wird uns das barrierefreie Gestalten des Stadtplatzes beschäftigen", sagte Bürgermeister Erwin Baumgartner in seinen einführenden Worten. Zuletzt ist der Ortskern in den Jahren 1978/79 überarbeitet worden. Mittlerweile zeigt er jedoch Schwächen, was die Begehbarkeit mit Kinderwägen, Rollstühlen oder Rollatoren betrifft. Und so ging es am Montagnachmittag darum, Ideen zu sammeln, wie man das Problem vielleicht angehen könnte. Der Neumarkter Stadtplatz ist "beliebt und belebt", wie der Bürgermeister sagte, das solle auch so bleiben. Man wolle vermeiden, dass Geschäfte abwandern und die Kunden nur noch in den großen Märkten außerhalb des Stadtplatzes einkaufen. Dafür muss etwas getan werden in Sachen Kundenfreundlichkeit, Optik und Funktionalität.

Der ehemalige Gymnasiallehrer Hans Jürgen Fahn sitzt seit 2008 im Landtag und hat sich schon während seiner Zeit im Schuldienst mit dem Thema "Begegnung der Generationen" beschäftigt. Vor einiger Zeit haben die Freien Wähler dann das Projekt "Generationenfreundliches Einkaufen" ins Leben gerufen. 2007 startete ein Pilotprojekt im Landkreis Würzburg, mittlerweile sind rund 500 Geschäfte in ganz Bayern nach einem einheitlichen System zertifiziert und als "generationenfreundlich" ausgewiesen. Darunter auch das Olympia-Einkaufszentrum in München.

Fahn zeigte in seinem Vortrag einige Bilder, wie solche "generationenfreundlichen" Geschäfte aussehen können: breite Gänge, geringe Regalhöhen und Ruhezonen für die Kunden. Fahn betonte mehrfach, dass Generationenfreundlichkeit nicht nur für Senioren ausgelegt sei. Die ganze Familie müsse bedacht werden. So sei es wünschenswert, Wickelräume, Spielecken oder Ähnliches zu schaffen.

Christine Degenhart gab im Anschluss noch ein paar konkrete Hinweise, was man baulich beachten und wie man mit einfachen Mitteln nachhelfen kann, damit sich zum Beispiel Sehbehinderte leichter zurechtfinden können. Oftmals reiche es bereits, dass sich Türen farblich klar von der Fassade abheben. Vor allem aber deutliche Farbkontraste ermöglichen eine bessere Orientierung. "Das müssen keine grellen Töne sein, dezente Farben reichen aus", erklärte die Architektin.

Anschließend machte sich die Gruppe auf den Weg in den Neumarkter Stadtplatz, um sich ein genaueres Bild der Lage vor Ort zu machen. Hans Jürgen Fahn dokumentierte einzelne Stolperstellen, Christine Degenhart machte viele Vorschläge, die die Stadträte, Geschäftsleute und Experten angeregt diskutierten. Viele Geschäfte sind nur über Treppen zu erreichen, das Pflaster ist oftmals uneben, manche Pflasterungen für Kinderwagen und Rollator gar nicht geeignet. Auch die Absenkungen der Randsteine sind nicht an allen Stellen ideal. "Vor allem Blinde brauchen eindeutige Signale, damit sie wissen, wo genau sie sich befinden", erläuterte Degenhart. Es gelte Mittelwege zu finden.

Die Neumarkter Geschäftswelt zieht eine positive Bilanz aus dieser Veranstaltung. Die anwesenden Gewerbetreibenden nehmen zahlreiche Anregungen mit, wie man vielleicht auch schon mit einfachen Mitteln und ohne großen Aufwand "Generationenfreundliches" schaffen kann. Es gibt also viel zu tun am Stadtplatz von Neumarkt-St.Veit. Alles wird man jedoch sicherlich nicht baulich lösen können. Und da, wo materielle Maßnahmen versagen, werden es persönlicher Service und Ansprache sein müssen, die Brücken schlagen und helfen Stufen und Stolpersteine zu überwinden.

alx/Neumarkter Anzeiger

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