Gegen Solarstrom vom Schulhausdach

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Solarstrom vom Dach der Grundschule? Die Mitglieder des Finanz- und Verwaltungsausschusses Neumarkt-St. Veit haben sich mit einer Stimme Mehrheit dagegen ausgesprochen. Alternativ schlug Bürgermeister Erwin Baumgartner die Dachflächen von Feuerwehrhäusern vor. Seit Mai wird auf den Dachflächen am Bauhof bereits Strom über die Sonne erzeugt.

Neumarkt-St. Veit - Nach Abstimmung des Finanz- und Verwaltungsausschusses wird es keine Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Neumarkter Grundschule geben.

Es wird keine Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Neumarkter Grundschule geben. Der Finanz- und Verwaltungsausschuss der Stadt Neumarkt-St. Veit hat sich mit 5:4 gegen die Vermietung der Dachfläche ausgesprochen, nachdem es auch unter Lehrern und Eltern unterschiedliche Meinungen gibt.

Bereits im Juli hatte der Stadtrat beschlossen, öffentliche Dachflächen für Bürgersolaranlagen an Betreibergesellschaften zu vermieten. Im Falle der Grundschule hätte sich die Verwaltung vorstellen können, die Hälfte der Mieteinnahmen den Schulen zur zweckgebundenen Verwendung zu überlassen. Eine Umfrage der Grundschule bei Lehrern und Eltern habe ein unterschiedliches Meinungsbild ergeben, wie Bürgermeister Erwin Baumgartner erläuterte: 31 Lehrkräfte der Grund- und Hauptschule hatten sich dafür ausgesprochen, lediglich sechs dagegen. Von 221 Schülereltern habe die Schule 212 Meinungszettel zurück erhalten: 115 waren dafür, 34 dagegen, 63 hatten keine Meinung zur Thematik.

Die Optik des Schulhauses, eine mögliche Strahlenbelastung für die Kinder, gesundheitliche Bedenken führten die Gegner als Argumente gegen eine Anlage an. Ein guter Beitrag zum Klimaschutz, die Vorbildwirkung und die Möglichkeit, die Erträge zur Finanzierung der alten Turnhalle zu verwenden, so argumentierten die Befürworter. Zumindest die Befürchtung einer Strahlung hatte Umweltreferent Ulrich Geltinger bereits im Vorfeld entkräftet. Die Module würden keine Strahlung emittieren, da sie nur Gleichstrom erzeugen, so Geltinger. „Nur die nötigen Wechselrichter sollten an einem wenig frequentierten Ort angebracht werden“, empfahl Geltinger im Vorfeld der Sitzung. In der Ausschusssitzung war Walter Jani (UWG) der Meinung, dass es nicht Auf-gabe der Kommune sei, Umragen zu starten oder für Akzeptanz zu sorgen. „Die Genossenschaft trägt die Bringschuld, muss die Leute überzeugen.“ Werner Kitschke (UWG) fragte nach den zu erwartenden Einnahmen für die Stadt durch die Vermietung. „1500 Euro im Jahr halte ich für nicht rentabel.“ Die Einnahmen ließen sich noch nicht beziffern, so Kämmerer Lothar Witte, da die Größe noch nicht feststehe. Es gehe zunächst darum, eine Grundsatzentscheidung pro oder gegen das Schulhausdach zu treffen.

Kitschke befürchtete bei einer Befürwortung der Anlage enormen Widerstand der 34 Gegner, „dann werden wir immer ein Problem haben“. Emil Steinbach (UWG) ging noch weiter. „Was, wenn sich in ein oder zwei Jahren herausstellt, dass eine Fotovoltaikanlage doch schädlich ist? Wer haftet dann?“ Anders Dr. Klaus Windhager, der sich davon überzeugen ließ, dass vom Dach überhaupt keine Gefahr ausgeht, sagte der UWG-Stadtrat in der Sitzung. „Die Vorteile überwiegen.“ Er sei immer ein Gegner gewesen, jetzt sei er dafür, sofern denn die Wechselrichter weit genug entfernt installiert würden.

Pro Anlage war auch Stadtrat August Spirkl (CSU). „Jeder trägt heutzutage ein Handy. Das strahlt bestimmt stärker als ein Wechselrichter“, relativierte er. Bürgermeister Erwin Baumgartner stellte klar, dass er nicht für die Anlage stimmen werde. „Muss ich eine Anlage auf einem Dach installieren, wenn sich in die- sem Haus Kinder befinden?“, fragte er in die Runde. Auch für die Nutzung des Kindergartendaches gebe es schon Interesse, er befürchte Widerstände in so sensiblen Bereichen. „Dabei gibt es genug andere Flächen“, er sprach die alternativen Möglichkeiten auf zwei Feuerwehrhäusern an. Auch Steinbach regte an, dass man sich bei den Bürgersolarkraftwerken auf andere Dächer konzentrieren sollte, Discount-Märkte etwa, verwies er auf Mühldorf.

Baumgartner fasste das Schulhausdach betreffend zusammen, dass man grundsätzlich für erneuerbare Energien sei, „aber nicht in diesem Bereich“. Dass in der Stadt in der Vergangenheit schon viel für Umweltschutz geleistet worden ist, belegte Baumgartner anhand von Zahlen des Energieversorgers Eon. Demnach würden bereits 50 Prozent des Energiebedarfs in Neumarkt-St. Veit durch regenerative Energie- formen erzeugt. Mit 5:4 Stimmen lehnte der Finanzausschuss die Nutzung des Grundschuldaches zur Sonnenstromgewinnung ab

je/Neumarkter Anzeiger

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