Diskussion um Tierwunder

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Renate Umbeer mit Eddy.

Ampfing/Salmannskirchen - Rottweiler-Rüde Eddy befindet sich nach einem schweren Unfall auf dem Wege der Besserung - eine unglaubliche Tiergeschichte erhitzt die Gemüter!

Zwar ist Eddy noch ein bisschen wackelig auf den Beinen, doch er tankt täglich neue Kraft. Mittlerweile kann er schon wieder kleine Ausflüge in den heimischen Garten unternehmen und bleibt dabei immer unter den aufmerksamen Augen von Frauchen Renate Umbeer und ihrer Familie. "Dass unser Eddy wieder bei uns ist, grenzt an ein Wunder...", sagt Renate Umbeer. Tierfreunden treibt es bei ihrer Geschichte die Tränen in die Augen. Ihr selbst fällt es schwer darüber zu sprechen.

Es war Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr. Wie immer geht Renate Umbeer mit ihren beiden Hunden Eddy und Sina entlang dem Bahndamm bei Ampfing spazieren. Viele Hundehalter nutzen dieses Gelände für den regelmäßigen Auslauf ihrer Vierbeiner. Eddy kennt die Strecke und ist auch an die vorbeifahrenden Züge gewöhnt. In sicherem Abstand zu den schnaubenden Lokomotiven ist er unzählige Male eine Zeit lang neben ihnen hergelaufen, erzählt Renate Umbeer. So auch an jenem verhängnisvollen Mittwoch. Der Rottweiler kommt zu nahe an die Gleise heran, wird vom Zug erfasst und durch die Luft geschleudert. Ein Bild, das sich bei Renate Umbeer eingebrannt hat, das sie wohl nie wieder vergessen wird.

"Ich stand unter Schock", sagt sie, "und ab dem Moment ist irgendwie alles weg. An diesem Tag war unser Hund gestorben." Niemand konnte sich vorstellen, dass Eddy diesen Unfall hätte überleben können. Schweren Herzens gab die Familie ihren geliebten Eddy auf.

Mit acht Wochen hatten die Umbeers ihn seiner Zeit von einem Züchter aus Bayreuth geholt. Seit fast einem Jahr lebt auch die Mischlingshündin Sina bei der Familie. "Damit der Eddy nicht so allein ist", wenn Frauchen in die Arbeit geht.

Am Sonntagabend dann erhielt Familie Umbeer schließlich einen Anruf der Tierorganisation "Tasso": Jemand habe ihren Hund gefunden und zu einem Mühldorfer Tierarzt gebracht. Renate Umbeer wurde stutzig. Ihre beiden Hunde sind gechipt und bei Tasso registriert. Zu Beginn dachte sie noch an eine Verwechslung, entschloss sich dann jedoch, den Tierarzt aufzusuchen.

Und da konnte sie ihr Glück kaum fassen: Der "Findling" war wirklich ihr Eddy. Zwar hatte er schwere Verletzungen davon getragen, so unter anderem einen Lungenriss, und war traumatisiert, doch er lebte. Es folgten Tage zwischen Hoffen und Bangen. "Aber unser Eddy ist ein Kämpfer. Sein Lebenswille ist ungebrochen.", sagt Renate Umbeer heute. Und dieser Wille war es wohl auch, der ihn vier Tage lang in Eiseskälte am Bahndamm hatte ausharren und durchhalten lassen.

Eben so lange, bis eine Frau mit ihrem Hund des Weges kam und ihn da liegen sah. Sie hat den völlig entkräfteten Hund mit ihrer Jacke zugedeckt, hat ihren Wagen geholt, Eddy zum Tierarzt gebracht und ihm damit das Leben gerettet, sagt Renate Umbeer. Doch damit nicht genug, sie hat auch Flugblätter am Fundort angebracht, um den Hundehalter zu finden. "Diese Frau hat sich absolut vorbildlich verhalten", meint Umbeer, "aber sie hat auch Mut bewiesen." Denn obwohl der Rottweiler im Volksmund als gefährlich gilt, und man nie wissen könne, wie verletzte Tiere reagieren, hat diese Frau nicht gezögert, sondern sofort gehandelt.

Renate Umbeer hat Kontakt zu Eddys Retterin, der sie so dankbar ist. Sie hat ihr auch berichtet, dass sie an dem Tag, als sie Eddy gefunden hat, einen weiteren Passanten getroffen hat, der ebenfalls mit seinem Hund am Bahndamm unterwegs war. Er hätte Eddy wohl schon einen Tag zuvor dort liegen sehen, so die Helferin. Ein derartiges Verhalten kann Renate Umbeer nicht begreifen. "Schon gar nicht, wenn man selbst einen Hund hat", meint sie. Sie habe "absolutes Verständnis", wenn sich jemand vor Hunden oder gar vor einem Rottweiler fürchtet, aber dann könne man doch wenigstens einen Tierarzt oder die Polizei informieren, sagte sie traurig.

Für die Umbeers hat diese Geschichte doch noch einen guten Ausgang genommen. "Jetzt glaube ich an Wunder", sagt Renate Umbeer zum Abschluss. Im Mai wird Rottweiler Eddy fünf Jahre alt werden und wenn alles gut geht, dann sind bis dahin wenigstens die äußerlichen Narben des Unfalls verheilt und Eddy kann dann mit "Schwesterchen" Sina zu seinem Geburtstag durch den Garten tollen.

Der Registrierungschip in seinem Körper und der Einsatz einer couragierten Bürgerin, die hin- und nicht weggesehen hat, als man sie brauchte, haben Eddy das Leben gerettet.

alx/Mühldorfer Anzeiger

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