Den Wert der Natur schätzen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
14 Hektar im Thalhamer Moos hat Treffpunkt Wildland erworben. Die Flächen sollen für den Naturschutz aufgewertet werden. Dabei ist eine Zusammenarbeit mit Landwirten unabdingbar.

Waldkraiburg - Um außerschulische Umweltbildung auszubauen, wurde "Treffpunkt Wildland" ins Leben gerufen. Heute liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf dem Naturschutz.

Mit Becherlupen ausgestattet, Gummistiefeln an den Füßen und einem Bestimmungsbuch - so ausgerüstet machen sich die Kinder spielerisch auf Entdeckungsreise. Bäche, Wiesen und Wälder durchstreifen die Kleinen, auf der Suche nach heimischen Tieren und Pflanzen oder helfen dabei mit, Biotope zu gestalten. "Es geht darum, die Kinder für die Natur zu begeistern", erklärt Patrizia Weindl von Treffpunkt Wildland. Dabei geht es nicht nur um die reine Vermittlung von Wissen. Die Kinder sollen in der technisierten Welt die Nähe nach draußen nicht verlieren.

Seit 1998 gibt es nun schon Treffpunkt Wildland, damals noch unter dem Namen "Treffpunkt Natur" von der Wildland-Stiftung Bayern und den Jägern des Landkreises ins Leben gerufen. Damit wollte man ein Angebot für außerschulische Umweltbildung schaffen. Seit 2005 gibt es zusätzlich eine Kooperation mit dem Schullandheim. Der Naturerlebnispfad ist für Gastgruppen oft fester Programmpunkt während ihres Aufenthalts.

Obwohl die Stiftung mit der Umweltbildung ihren Anfang machte, nimmt heute der Naturschutz den Schwerpunkt der Arbeit ein. Flächen sollen für die Natur gesichert werden, entweder durch Kauf oder Pacht. 14 Hektar im Thalhamer Moos hat die Stiftung bislang erworben und es sollen noch mehr werden. "Wir wollen Flächen für den Naturschutz aufwerten", erklärt Patrizia Weindl. Und dazu ist viel Arbeit nötig. Denn die alten Torfstiche liegen brach, Weidenbüsche wuchern drauf. Für viele Pflanzen- und Tierarten sind dies keine geeigneten Bedingungen. "Viele Vogelarten zum Beispiel benötigen offene Flächen", erklärt Weindl, die für die Naturschutzprojekte im Landkreis zuständig ist. Nur so fühlen sie sich vor Fressfeinden sicher. Dennoch gilt es ein Gleichgewicht zu halten: Denn andere Tierarten suchen gerade in den Hecken Deckung.

Um diesen Spagat zu schaffen, ist die Zusammenarbeit mit Landwirten unabdingbar. Denn die Pflege der Fläche erfordert viel Aufwand. "Die Beweidung der Wiesen wäre elegant und kostengünstig, lässt sich aber nicht umsetzen", sagt die Biologin. Die Flächen sind zu nass, teilweise auch zu kleinteilig. Außerdem eignet sich der extrem nasse und weiche Moorboden nicht als Weidefläche für Tiere. Nicht überall können aufgrund des labilen Bodens Maschinen eingesetzt werden, um zu mähen oder die Weiden zurückzuschneiden.

In Zukunft setzt Treffpunkt Wildland noch stärker auf die Zusammenarbeit mit Landwirten. "Wir wollen gemeinsam mit ihnen Naturschutz betreiben", sagt Patrizia Weindl. Als Futterweide kommen Torfwiesen nicht in Betracht, für den Naturschutz seien es aber wertvolle Flächen. Für die Landwirte könne die Landschaftspflege somit eine zusätzliche Einkommensquelle sein. "Dazu muss die Stiftung nicht unbedingt neue Flächen erwerben, um sie in Sachen Naturschutz zu erhalten", schildert Patrizia Weindl ihre Pläne. Und damit sie sich auf einem guten Weg.

Es liege zwar noch ein weiter Weg vor ihnen, aber es sei auch schon einiges geleistet worden. Die Flächen im Thalhamer Moos genießen als FFH-Gebiet einen hohen Status, Projekte werden vonseiten des Staats und der EU stark gefördert. Doch: "Es ist schwierig immer zu vermitteln, wo der Wert liegt." Ob Landwirtschaft oder Naturschutz - jeder hat seine Berechtigung. Aber es sei leichter geworden, andere für den Naturschutz zu begeistern. Treffpunkt Wildland setzt auf die Kooperation mit Privatpersonen und Gemeinden. Auf diese Weise lasse sich ein stimmiges Konzept entwickeln, ist Patrizia Weindl zuversichtlich: "Nur so bringt's was."

hi/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser