Die Welt der Stacheln und Blüten

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Kakteen so weit das Auge reicht: Erich Haugg in seinem Gewächshaus.

Mühldorf - Es ist ein botanischer Garten mitten in Mühldorf: Rund 7000 Kakteen haben Erich und Gerda Haugg zu Hause. Dazu kommen noch einmal knapp 500 Bromelien. Einige tragen sogar ihre Namen.

Schwül ist es hier - und stachlig. Wer das Gewächshaus im Garten der Hauggs betritt, unternimmt einen Ausflug in die Welt der Kakteen. Auf 150 Quadratmetern reiht sich ein Plastiktopf an den anderen, hier und da eine Blüte - und mittendrin "Die Königin der Nacht". "Letzte Woche hat sie wieder einmal geblüht. Das ist schon ein besonderes Schauspiel." Auch nach so vielen Jahren ringt der Zauber dieser Pflanzen Erich Haugg noch ein stolzes Lächeln ab, sein Kakteenreichtum gilt als eine der größten Privatsammlungen im süddeutschen Raum.

Angefangen hatte alles im Studium. "Kakteen sind pflegeleicht und gehen in den Semesterferien nicht ein, wenn sie mal ein paar Wochen nicht gegossen werden", erklärt der 70-Jährige. Seine kleine Fensterbanksammlung brachte er 1966 in die Ehe mit. Und weil der ehemalige Tourenwart des Alpenvereins nach zwei Unfällen die Eiskletterei aufgab, musste das "Freizeitvakuum", wie er es nennt, mit einem neuen Hobby gefüllt werden.

Also begann Erich Haugg hinter dem Haus ein kleines Gewächshaus zu errichten. Mit 20 Kakteen legte er 1968 los. Schon zwei Jahre später war es zu klein, ein größeres musste her. Und so entstand vorne das zweite Gewächshaus, das im Lauf der Zeit immer größer wurde. Inzwischen erstreckt es sich auf über 150 Quadratmeter.

Auf zahlreichen Urlaubsreisen sammelte Erich Haugg seine Schätze - zum Teil, um sie zu behalten, zum Teil, um sie mit anderen Kakteenliebhabern zu tauschen. "Verkauft habe ich sie aber nie. Darauf lege ich Wert."

Entdeckt 1996 in Bolivien: die "Tillandsia Ericii".

Mit seiner Begeisterung für exotische Pflanzen steckte er im Lauf der Zeit auch seine Frau Gerda an. Von einer Mexikoreise 1978 brachte er ihr einen Koffer voller Tillandsien mit, ihr Interesse war geweckt. Inzwischen beheimaten die Hauggs auch rund 500 Pflanzen dieser Gattung - darunter einige, zu denen sie einen ganz besonderen Bezug haben.

In Ecuador entdeckte Erich Haugg 1981 auf 3000 Metern Höhe eine Bromelienart, die bis dato in keinem Fachbuch beschrieben war. Heute heißt sie - nach einem Eintrag ins Pflanzenverzeichnis Zander - "Racinaea Hauggii". Und es blieb nicht die einzige Entdeckung der beiden Mitglieder des Mühldorfer Vereins für Gartenbau und Landespflege. An einer Felswand fand Erich Haugg 1986 in Bolivien erneut eine unbekannte Art. "Sie duftete besonders. Da wusste ich sofort, dass sie den Namen meiner Frau tragen soll." Zehn Jahre nach der "Tillandsia Gerdae" entdeckte er schließlich die "Tillandsia Ericii". Rund ein Dutzend neuer Arten fanden dank Erich und Gerda Haugg so Eingang in die botanischen Bücher. Voraussetzung war eine intensive Zusammenarbeit mit dem Palmengarten Frankfurt und dem botanischen Institut der Uni Heidelberg.

Nach Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens Mitte der 70er- Jahre wurde es deutlich schwieriger, Pflanzen aus Südamerika nach Deutschland zu bringen, doch Erich Haugg erhielt immer wieder Vollmachten, um für wissenschaftliche Zwecke auf Artensuche zu gehen.

Zuletzt führte ihn eine Reise im Jahr 2007 nach Ecuador, wo er die Existenz der "Racinaea Hauggii" in der freien Natur beweisen wollte. Denn in der Zwischenzeit hatte sich am einstigen Fundort vieles geändert, ganze Landstriche waren gerodet worden. "Es war pures Glück, dass wir tatsächlich an unserem letzten Tag in einem anderen Tal noch ein paar Exemplare entdeckt haben", erinnert sich Haugg, der - mit Ausnahmegenehmigung - eine Pflanze mit nach Deutschland nehmen durfte. Transportiert wurde sie übrigens - wie immer - in einer Feinstrumpfhose.

Die Begeisterung und das Engagement für die exotischen Pflanzen blieb in all den Jahren natürlich nicht verborgen. In Fachkreisen gilt Erich Haugg, der 18 Jahre lang Vorstandsmitglied der Deutschen Kakteengesellschaft war, längst als Experte in Sachen Kakteen und Bromelien. Fünf Reisegruppen auswärtiger Gartenbauvereine machten mit ihren Bussen alleine im vergangenen Jahr in der Mühldorfer Lunghammerstraße Halt, um einen Blick in das Gewächshaus der Hauggs zu werfen, in die Welt der Stacheln und Blüten. ha

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