Ein Vorbild für ganz Bayern

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Palliativ-Chef Hell (rechts) informierte die Staatssekretäre Huber und Huml (links) ausführlich über die Arbeit in Mühldorf, die nach übereinstimmendem Urteil ein optimales Zusammenspiel von ambulanter und stationärer Betreuung bietet.

Mühldorf - Hohes Lob für die Begleitung von schwerstkranken Schmerzpatienten sprach Gesundheitsstaatsekretärin Melanie Huml gestern dem Mühldorfer Anna Hospizverein aus.

Sie versprach bei ihrem Besuch gesetzliche Strukturen schaffen zu wollen, die die Finanzierung der ambulante Begleitung verbessern soll.

Von diesen Verbesserungen würde auch der Palliativdienst im Landkreis Mühldorf profitieren, der Menschen schmerzmedizinisch ambulant und im Krankenhaus betreut. Für die Finanzierung war der Hospizverein bisher allein auf Spenden angewiesen. Er kann aber wohl bald mit der Honorierung eines Teils der ambulanten Arbeit durch die Krankenkassen rechnen kann. Die stationäre Arbeit wird bereits von den Kassen vergütet.

Hintergrund ist, dass es in Bayern bislang erst sieben Verträge mit spezialisierten Palliativteams gibt; diese Teams sind ausschließlich in Städten tätig. "Mit weiteren Teams stehen Vertagsabschlüsse unmittelbar bevor", sagte Huml bei ihrem gestrigen Besuch der Palliativstation im Krankenhaus Mühldorf. Darunter sei auch der Palliativdienst Mühldorf. Es gebe einen "Vorvertrag".

Grundsätzlich müssten sich die Palliativdienste mit den Krankenkassen über die Finanzierung verständigen, da die Staatsregierung in diesem Bereich nicht die Planungshoheit wie im Krankenhausbereich habe. Bayern wolle den Prozess aber konstruktiv begleiten, um ein flächendeckendes Palliativangebot zu ermöglichen.

Dazu müssen die derzeit geltenden Grundlagen für die Arbeit auf dem Land verändert werden. Acht Hauptamtliche je Palliativteam auf 250.000 Einwohner sind derzeit vorgesehen, in ländlichen Regionen mit weniger Einwohnern sie dies nicht umsetzbar. Eine gewisse Zahl vom Mitarbeitern sei aber notwendig, um die Qualität zu sichern, forderte die Staatssekretärin. Zum Vergleich, der Anna-Hospiz-Verein beschäftigt derzeit fünf Mitarbeiter.

Sehr zurückhaltend berichtete Palliativteam-Leiter Josef Hell darüber, wie weit Verhandlungen mit Krankenkassen gediehen seien. "Wir können bereits einen Teil abrechnen", sagte Hell ohne konkreter zu werden. Er wolle vermeiden, dass sich Kassen unter Druck gesetzt fühlen, bevor die Verhandlungen abgeschlossen seien.

Hell hatte vor Vertretern der Krankenkassen, des Krankenhauses, niedergelassener Ärzte und der Politik zuvor detailliert über die Arbeit des Palliativteams im Krankenhaus und bei den Kranken zu Hause berichtet. Er nannte dabei die Mühldorfer Arbeitsweise vorbildlich für Pallitivdienste im ländlichen Raum. "Durch das Angebot einer tragfähigen ambulanten Hilfe in Zusammenarbeit mit der Palliativstation im Krankenhaus bleibt der Bedarf nach stationären Behandlung überschaubar." Gerade diese "sektorenübergreifende Zusammenarbeit" würdigte Staatssekretärin Huml und bezog ausdrücklich die Klinikleitung in das Lob ein.

Hell wies ausdrücklich auf die Probleme in Pflegeheimen hin. Sie würden noch allzuoft von palliativ unerfahrenen Hausärzten behandelt oder ins Krankenhaus gebracht statt von den ambulanten Teams des Palliativdienstes betreut zu werden. "Wenn wir an unserem Umgang mit alleinstehenden, sterbenden Menschen gemessen würden, würden wir schlecht abschneiden."

Dem Lob für die "vorbildliche und wegweisende Arbeit" durch Gesundheitsstaatssekretärin Huml schloss sich auch der CSU-Heimatabgeordnete, Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber an. Er nannte die Arbeit "effizient und sachgerecht": "Hier kann man sehen wie es gemacht wird."

hon/Mühldorfer Anzeiger

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