Ein Mann für größere Aufgaben

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Mit Robert Anderl ist erstmals ein Beamter des Höheren Dienstes Polizeichef in Mühldorf. Die Aufstufung des Postens hängt mit dem erweiterten Aufgabenbereich zusammen, der auf den Polizeichef zukommen kann

Mühldorf - Seit gut 100 Tagen ist Robert Anderl neuer Polizeichef in Mühldorf. Seitdem hat er ein Großereigniss abgewickelt und viel polizeilichen Kleinkram erledigt. Und zwischendurch entscheidet er über Abseits auf dem Fußballplatz.

Viel Zeit zur Eingewöhnung hatte Robert Anderl nicht. Denn Mühldorfs neuer Polizeichef musste unmittelbar nach Amtsantritt nicht nur Einbrecher jagen, betrunkene Autofahrer aus dem Verkehr ziehen und in der Diskothek C4 eingreifen. Vor allem galt es, ein völlig neues Großereignis von Polizeiseite zu organisieren: Das Open Air in der Rennbahn. Am Ende, das war schon am Abend der Veranstaltung klar, ging alles gut. Weil die Menschen friedlich waren und sich die Polizei gut eingestellt hatte, sagt Anderl.

Um solche Aufgaben auch in größerem Umfeld zu bewältigen, ist der 45-Jährige nach Mühldorf gekommen. Der Titel, den Anderl trägt, lautet Polizeioberrat; ihn gab es in der Geschichte der Mühldorfer Polizeiinspektion bisher nicht. Denn Anderl darf, wenn es das Polizeipräsidium anordnet, Großeinsätze im ganzen Landkreis Mühldorf, aber auch im Landkreis Altötting, leiten. Durch die Neustrukturierung der Polizei in Bayern und der damit verbundenen Bildung größerer Präsidien haben einzelne Inspektionen wie die in Mühldorf weiterreichende Aufgaben bekommen.

Um diese bewältigen zu können, gab es auch neues Personal. In Mühldorf sind es zwei Mitarbeiter, die sich um Planung und Durchführung großer und schwieriger Situationen kümmern sollen. "Von der Sicherheitslage her gibt es nichts, was wir nicht in den Griff bekommen würden", ist Anderl überzeugt, das Open Air war ein erster Testlauf.

Dass Anderl nach einer wahren Polizei-Odyssee in Mühldorf gelandet ist, bezeichnet er als Glücksfall. Denn bis in seine Heimat Kirchweidach, wo er mit Frau, Sohn und Tochter wohnt, ist es nicht weit. Sein Weg an den Wasserturm war allerdings nicht vorgezeichnet. Zunächst erlernte er mit 17 den Beruf des Schlossers, schlug dann eine ganz normale Polizeilaufbahn ein, wurde Ausbilder bei der Bereitschaftspolizei und arbeitete acht Jahre im Unterstützungskommando, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn es gegen gewalttätige Demonstranten und Fußballfans geht.

Es folgte die Leitung der Polizei Trostberg, dann die des Einsatzzuges. 2001 ging Anderl zum Studium nach Münster, wechselte nach dem Abschluss ans Fortbildungsinstitut Ainring und wurde schließlich Leiter der Schleierfahndung Rosenheim.

Auf die vielen Aufgaben angesprochen, redet er von "sich durchbeißen", davon, dass es nur wenige schaffen, vom ganz normalen, mittleren Polizeidienst in den höheren Dienst aufzusteigen. Die Stationen seiner Laufbahn entsprechen dem, was die Polizeiarbeit für Anderl grundsätzlich so interessant macht. "Ich habe den Beruf gewählt, weil er so abwechslungsreich ist, jede Sekunde kann etwas eintreten."

Verglichen mit den früheren Aufgaben am Zaun der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf oder dem Grenzübergang Kiefersfelden bei der Jagd nach Schleuserbanden wirkt die neue Aufgabe in der Polizeiinspektion Mühldorf eher wie alltägliche Polizeiarbeit ohne die ganz spektakulären Einsätze. Und tatsächlich urteilt Anderl nach den ersten Monaten im Amt: "Von der Sicherheitslage her ist der Landkreis noch gut dran." Die ländliche Struktur bringe hohe Sicherheit.

Die will Anderl fördern, indem er Schwerpunkte auf den Feldern setzt, die ihm besonders am Herzen liegen. Dazu gehört vorbeugende Jugendarbeit, schließlich ist Anderl im Kirchweidacher Gemeinderat Jugendreferent und pfeift als Fußballschiedsrichter Jugend- und A-Klassenspiele. Wenn er über Jugendliche spricht, über Alkoholexzesse oder Punkertreffen, tritt hinter dem Ordungshüter viel Verständnis für Heranwachsende und junge Erwachsene hervor. Natürlich zieht er Grenzen, sagt klar, war geht und was nicht, hat erkannt, dass Alkoholwerte heute mitunter höher ausfallen als in vergangenen Jahren. Aber grundsätzlich ist er sicher: "Die Jugend ist nicht schlimmer als früher."

Nicht schlimmer, das gilt laut Anderl auch für die Personalsituation in Mühldorf. Die ist nicht rosig, aber auch nicht schlechter als im übrigen Bayern, sagt er. Die Arbeit seiner Inspektion sieht er grundsätzlich gesichert, auch nachts, wenn die Pesonaldecke dünner ist. Wie viele Streifen er dann im Einsatz hat will er nicht sagen. "Es sind aber so viele, dass die Sicherheit passt."

hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser