Volkstrauertag: Bittere Aktualität

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Gedenken I: KSK-Vorsitzender Franz Schwarzenböck am Kriegerdenkmal in Altmühldorf.

Mühldorf - In Altmühldorf, Mühldorf und Ecksberg wurde an diesem Wochenende den Opfern von Krieg, Terror und Gewalt gedacht.

Drei Veranstaltungen der stillen Trauer und Erinnerung an die Toten, aber auch des Nachdenkens über die Botschaft der Opfer.

Nach der Messfeier am Samstagabend in St. Laurentius, die von Pfarrer Alois Hopf gehalten und vom Männergesangsverein Altmühldorf musikalisch umrahmt wurde, legten Zweiter Bürgermeister Paul Schwarz sowie der KSK-Vorsitzende Franz Schwarzenböck am Kriegerdenkmal Kränze nieder. Dabei betonte Schwarzenböck, dass der allseits gebräuchliche Satz "Das darf nie wieder geschehen" längst keine Gültigkeit mehr habe. Das zeige die tägliche Konfrontation mit den kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit.

Am Sonntag stand an der Kriegerkapelle der Pfarrkirche St. Nikolaus die zentrale Gedenkfeier der Stadt auf dem Programm, musikalisch begleitet vom Sängerbund und der Stadtkapelle Mühldorf. Dabei kritisierte Zweiter Bürgermeister Paul Schwarz - wie schon am Abend zuvor - die geplante Reform der Bundeswehr: "Statt der Verteidigung des eigenen Landes soll mit dem freiwilligen Heer ein Dauerkriegseinsatz ermöglicht werden. Gleichzeitig geben wir den segensreichen Zivilersatzdienst auf." Zudem sei es ein Widerspruch in sich, einerseits über Kriege im Kongo oder Sudan zu klagen, andererseits zu den drei großen Waffenlieferanten der Welt zu gehören.

"Keine Nostalgie ewig Gestriger"

Gedenken II: In der Johanneskapelle legten VdK-Vorsitzender Reinhart Zuck (links), Zweiter Bürgermeister Paul Schwarz (Dritter von links), Landrat Georg Huber (Dritter von rechts) und KSRK-Vorsitzender Andreas Schwarz (rechts) Kränze nieder. Den Gottesdienst hatte zuvor Dekan Roland Haimerl gehalten.

Landrat Georg Huber sprach von der "bitteren Aktualität", die der Volkstrauertag jedes Jahr aufs Neue vor Augen führe. Schon deshalb handele es sich eben nicht um eine "Nostalgieveranstaltung ewig Gestriger", sondern um die Demonstration des Wunsches auf Frieden. "Denn die Toten mahnen uns, dass Sicherheit und Frieden keine Selbstverständlichkeit ist", sagte Huber.

Der VdK-Ortsvorsitzende Reinhart Zuck nannte den Frieden "ein kostbares Gut" in einer Welt, in der sich der Sozialverband für mehr Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit einsetze.

"Den Teufelkskreis der Gewalt zu durchbrechen": Das sei die Botschaft des Volkstrauertages, erklärte KSRK-Ortsvorsitzender Andreas Schwarz. Er wehrte sich gegen die Ansicht, der Gedenktag sei nicht mehr zeitgemäß und rückwärtsgewandt. Gerade die jüngere Generation, die die Weltkriege und das NS-Regime nur noch aus den Geschichtsbüchern kenne, müsse klar werden, dass "das Leben in Freiheit ein Geschenk ist, das auch die Verpflichtung enthält, sich den Frieden täglich zu erarbeiiten".

Gedenken III: In Ecksberg wurde an die 1938 ermordeten Bewohner erinnert.

Gedacht wurde den Soldaten, die in den beiden Weltkriegen und im Friedenseinsatz gefallen sind; den Männern, Frauen und Kindern, die in Kriegen, bei der Vertreibung oder auf der Flucht ihr Leben lassen mussten; den 144 Todesopfern der Bombenangriffe auf Altmühldorf und Mühldorf am 19. März und 20. April 1945; den Opfern des Nationalsozialistischen Terrorregimes und der Zwangsarbeiter, die im Lager Mettenheim zu Tode gekommen sind, sowie den Männern, Frauen und Kindern, die in der Folge der Teilung Deutschlands und Europas ihr Leben verloren haben.

In Ecksberg stand gestern Mittag schließlich die Erinnerung an die Ermordung von 248 geistig behinderten Bewohnern im Jahr 1938 durch die Nationalsozialisten im Vordergrund. Im Rahmen einer kleinen Gedenkfeier wurden rund 60 Namen der Opfer verlesen. Dekan Roland Haimerl leitete die Feier, die vom Blechbläserquintett der Blaskapelle Altmühldorf musikalisch umrahmt wurde. et/ha

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