Mit viel Zeit auf alten Wegen

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Mit Gedanken und Fingern zu Hause auf alten Karten unterwegs: Rudi Fuchsgruber sammelt alte Landstraßen und fährt sie mit dem Auto ab. Natürlich ohne Navi und modernem Routenplaner.

Mühldorf - Rudi Fuchsgruber sammelt Straßen. Doch statt Navi und modernem Routenplaner nutzt er alte Straßenkarten, um dem früheren Verlauf der Straßen folgen zu können. Denn die ursprünglichen Routen sind schöner, sagt Fuchsgruber.

"Schon als Kind bin ich gerne mit dem Finger auf der Landkarte unterwegs gewesen und habe mich in die Ferne geträumt", schmunzelt Fuchsgruber, der nun in Rente seine Leidenschaft zum Hobby gemacht hat. Jahrzehntelang bestimmten Landkarten sein Berufsleben: der Innenausbauer aus Mühldorf war in ganz Deutschland unterwegs. "Immer im Stress, schnell, schnell von einer Baustelle zur anderen, nie Zeit."

Jetzt im Ruhestand lässt es der 63-Jährige ruhiger angehen, freut sich bei Ausflügen mit seiner Frau Helga an den Sehenswürdigkeiten am Rande der Straßen - und an den Straßen selbst. "Die Bundesstraßen haben es mir angetan", verrät er. "Und da ganz besonders die alten Verläufe der Straße, deren Beginn und das Ende."

Zum Beispiel die B12 zwischen Lindau am Bodensee und Phillipsreuth. "Sie war und ist eine Lebensader - nicht nur für unsere Region." Und sie verlief früher direkt durch Mühldorf. "Was die Jüngeren oft gar nicht mehr wissen, kam die B12 über die Münchener Straße den Stadtberg runter, ging direkt über den Stadtplatz und nach der Innbrücke links in die Altöttinger Straße - bis in den 60er-Jahren die Umgehungen an der Berufsschule und durchs Inntal gebaut wurden."

Und so erging es den meisten alten Straßen: sie wurden ausgelagert, der stetig wachsende Verkehr machte es nötig. "Heute kommt man schneller von A nach B, ganz klar. Aber auch schöner?" Rudi Fuchsgruber frönt der oft propagierten "neuen Langsamkeit", lässt das Navi zu Hause, vertraut sich alten Straßenkarten aus den 50er- und 60-Jahren an und geht auf die Suche nach den "wirklich alten Straßen", die aus den uralten Handelswegen hervorgingen. "Und die haben ja schon im Mittelalter ganz Europa durchzogen."

In den 30er-Jahren wurden diese Wege nicht nur befestigt: "Sie wurden nach Größe und Verkehrsdichte geordnet und bekamen ihre Nummern." Die Bundesstraße 1 verläuft von Aachen aus durchs Ruhrgebiet und über Berlin bis ins Küstriener Land. "Die B2 hat man früher auch die Olympiastraße genannt", erzählt Fuchsgruber über die Straße, die in dem Jahr der Olympiade in Deutschland fertig wurde: "Sie wurde vor 1936 gebaut und verläuft von Mittenwald bis an die polnische Grenze."

Von all diesen alten Straßen hat er sich nun 20 herausgesucht, die zehn ersten und die zehn interessantesten, deren Netz ganz Deutschland abdeckt. Und auf diesen Straßen erkundet er Stück für Stück den alten Verlauf, fährt sie so weit es geht ab, dokumentiert alles - und möchte irgendwann seine Erkenntnisse in einem Büchlein zusammenfassen. "Damit auch andere die alten Wege durch unsere schöne Landschaft mit den vielen Sehenswürdigkeiten erkunden und sich daran erfreuen können."

Wer noch Landkarten aus den 40er- bis 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts hat, Rudi Fuchsgruber könnte sie gut gebrauchen. Kontakt unter der Telefonnummer 08631 / 13451.

eig/Mühldorfer Anzeiger

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