Tankstellen-Einbrecher: Urteil ist gefallen

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Mühldorf - Als Tankstellen-Einbrecher sorgten drei junge Männer im August für Schlagzeilen. Nun standen sie vor Gericht: Der Drahtzieher kommt drei Jahre hinter Gitter, die beiden Komplizen kamen mit einem blauen Auge davon.

Zur Urteilsverkündung saß unter anderem Mühldorfs Polizeichef Robert Anderl im Zuschauerraum des Gerichtssaals 116: "Die drei Jungs haben uns schließlich eine ganze Weile beschäftigt. Da will man dann auch sehen, was am Ende dabei rauskommt." Herausgekommen sind drei Jahre Jugendarrest für den Haupttäter sowie eine Bewährungsstrafe für den einen und eine Geldstrafe für den anderen Komplizen.

Vorangegangen war ein bemerkenswerter Prozess - mit einem Hauptangeklagten, der vor dem Jugendschöffengericht seine Taten so freimütig einräumte, dass Richter Heinrich Ott nur selten nachzufragen brauchte. Seine mehrjährige Haftstrafe nahm der Angeklagte fast gleichgültig hin, noch vor Gericht verzichtete er auf Rechtsmittel.

Diese Routine kommt natürlich nicht von ungefähr: Jede Menge Vorstrafen zeugen von dem frühen Beginn der kriminellen Karriere. "Man muss in seinem Fall auch die Umstände sehen", erklärte Ott und sprach von einer "außergewöhnlich tragischen Biografie". Der junge Mann, der im Raum Frankfurt geboren ist, hat seinen Vater nie kennen gelernt. "Vater unbekannt" hieß es im Bericht der Jugendhilfe. Die Mutter, eine Prostituierte, wurde in einem Hotel erschossen, als der Junge 13 Jahre alt war.

So wuchs er überwiegend bei den Großeltern und Bekannten im Landkreis Mühldorf auf, wechselte alleine fünfmal die Grundschule, erlernte nie einen Beruf. Die Folge: Drogenkonsum und ein hohes Aggressionspotenzial.

Mehreren Betrügereien mit nicht gedeckten EC-Karten, unter anderem im Mühldorfer Kaufhaus Schmederer, folgte im August eine Serie von Einbrüchen im Landkreis Mühldorf - mit ihm als Drahtzieher und wechselnden Komplizen, die zum Teil noch nicht ermittelt sind.

Bargeld, Zigaretten, Alkohol

Die Ziele: Zweimal innerhalb nur weniger Tage die Tankstelle Breintner in der Münchner Straße, einmal die Bäckerei Strohmeier, einmal die Agip-Tankstelle in Neumarkt-St. Veit. Ein weiterer Versuch bei der Tankstelle Breintner in der Inneren Neumarkter Straße misslang, einen ähnlich gelagerten Einbruchsversuch bei der Metzgerei Korn in Neumarkt-St. Veit stritten alle drei Angeklagten ab - dieser Anklagepunkt wurde mangels Beweisen schließlich fallen gelassen.

Die Objekte wählte der Drahtzieher nach einem einfachen Kriterium aus: "Was elektrische Schiebetüren hatte, kam infrage." Die Täter hatten es vor allem auf Bargeld, Zigaretten und Alkohol abgesehen. Ihre Beute transportierten sie mal in Rucksäcken, mal in Reisetaschen und in einem Fall sogar in Säcken für Gartenabfälle ab.

Und es lohnte sich: Alleine an den Tankstellen erbeutete der damals 19-jährige Haupttäter knapp 20000 Euro Bargeld, die Zigaretten wurden stangenweise unter der Hand verkauft: Für 20 bis 25 Euro das Stück. Nur die Bäckerei Strohmeier war ein Flop: Zwei Brotmesser, Kaugummis, ein paar Piccolo-Flaschen sowie die Trinkgeldkasse der Angestellten mit zehn Euro nahmen die Einbrecher mit. Immerhin: Die Brotmesser konnten sie gebrauchen. Sie dienten beim nächsten Einbruch als Werkzeug. "Wir haben sie als Hebel benutzt."

"Was Schiebetüren hatte, kam infrage"

Die beiden Komplizen hatte der 20-Jährige eher zufällig kennen gelernt, einen im Mühldorfer Jugendzentrum, den anderen über eine Bekannte. "Und dann plaudert man ein bisschen und beschließt, zusammen einen Bruch zu machen", wunderte sich Richter Heinrich Ott - und bekam als Antwort: "Genau so war's."

Den einen Komplizen, der nur an dem Einbruch in Neumarkt beteiligt war, stufte das Jugendschöffengericht als "Mitläufer im klassischen Sinn" ein. Der 20-Jährige kam mit einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro davon. Da er als Einziger einer geregelten Arbeit nachgeht, muss er auch die Kosten des Verfahrens tragen.

Mit einem blauen Auge kam auch der andere Komplize davon, der am zweiten Breintner-Einbruch beteiligt war: Der 18-Jährige wurde zu einer Jugendstrafe von einem Jahr verurteilt - ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Dazu kommen 100 Stunden Sozialdienst. Schwer wiegt in seinem Fall ein weiterer Einbruch, den er Ende November 2009 alleine durchgezogen hatte. Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, einem Teppichhandel in der Elbestraße, erbeutete er eine Geldkassette mit 13000 Euro.

Was ihn härter als das Urteil trifft: Mit den Einbrüchen hat er sich die angestrebte Karriere bei der Bundeswehr verbaut. Seine Vorgesetzten hatten ihm nahe gelegt, die Truppe angesichts der kriminellen Vergangenheit zu verlassen.

ha/Mühldorfer-Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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