Sie tanzen wieder

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Neuzugang: Josef Bichlmeier (mitte) mit den alten Hasen Klaus Loibl (rechts) und Hermann Veigl. Foto nl

Mühldorf - In drei Monaten tanzen die Schäffler wieder - nach sieben Jahren Pause. Beim ersten Treffen in der TSV-Turnhalle haben altgediente und neue Schäffler die Saison besprochen.

"Wir haben immer Probleme, Leute zu finden", erklärt Vortänzer Thomas Linhart, "weil wir die Gruppe alle sieben Jahre neu ins Leben rufen." Mit Tänzern, Fassschlagern, Reifenschwingern, Kronenträgern, Clowns, Trainer, Meister, Sammlern und Marketenderin und Ersatzleuten sind mindestens 50 Schäffler nötig, davon 20 Tänzer.

"Momentan haben wir 30 verbindliche Zusagen", sagt Linhart, "wir brauchen also noch Verstärkung." Vor allem, weil ja ein Jubiläum ansteht: Nach Linharts Recherchen im Stadtarchiv wurde der Schäfflertanz in Mühldorf erstmals 1862 aufgeführt, feiert 2012 Jahr also seinen 150. Geburtstag.

Ein Selbstläufer ist der Schäfflertanz deshalb noch lange nicht. Erst nach langer Suche hat sich mit Josef Loibl ein Trainer und mit Istvan Molnar ein Schäffler-Meister gefunden. "Das war ein Kampf", sagt Linhart, "der Schäfflertanz stand auf der Kippe."

Hatte in den vergangenen Jahrzehnten stets der TSV-Vorsitzene den Posten des Schäffler-Meisters übernommen, war das dieses Mal nicht möglich. "Alfred Gossner steckt bis über beide Ohren in Arbeit. Also bin ich zu meinem Amt gekommen wie die Jungfrau zum Kind", schmunzelt Molnar, auf den viel Organisationsarbeit zukommt. "Von der Verpflegung über die Busreservierung bis zur Sponsorensuche." Schon daran lässt sich erkennen, dass der finanzielle Aufwand nicht gering ist.

"Wir brauchen neue Schuhe, neue Socken, neue Fliegen. Dazu kommen die Buchsbögen und Reparaturen an den Gewändern. Das alleine sind rund 8000 Euro", sagt Molnar. Fahrtkosten und die Ausgaben für die Blaskapelle noch gar nicht mitgerechnet.

"Mit 120 Buchungen wäre ich zufrieden", sagt Molnar, "100 müssen es sein, damit wir die Kosten reinbekommen." Deshalb hofft der Abteilungsleiter der Boxer auf möglichst viel Zuspruch von Privatleuten, Vereinen, Verbänden und Unternehmen. "Vom Geburtstag über den Hochzeitstag bis zum Firmenjubiläum: Wir tanzen für jeden Anlass."

Sieben Wochen - von 7. Januar bis 21. Februar - sind die Schäffler unterwegs. Der erste Auftritt steht am 7. Januar vor dem Rathaus an, der letzte am Faschingsdienstag. Dabei können die Mitglieder einiges erleben, sind sich die altgedienten Schäffler einig: "Bei uns wird Gemeinschaft großgeschrieben", sagt Linhart, " wir sind einer langen Tradition verbunden." Schäfflertanz sei nicht nur Sport, "sondern wir stellen das Schäfflerhandwerk dar. Das ist etwas Einmaliges, hat Erkennungswert und genießt großes Ansehen in der Bevölkerung", sagt er. "Und dabei ist ist jede Funktion wichtig", sagt Günter Fischer, der schon dreimal dabei war, "Tänzer, das ist aber schon das Beste", lacht er, "ohne die funktionierts gar nicht." Gänsehaut laufe einem da über den Rücken, wenn man in einen vollbesetzten Ballsaal einziehe, sagt Rudi Zeisberger. "Das Gemeinschaftserlebnis ist toll, wie beim Fußball, nur dass man nicht verlieren kann."

Das will sich Josef Bichlmeier nicht entgehen lassen, er meldet sich heuer zum ersten Mal. Welche Funktion er übernehmen wird, weiß er noch nicht genau, "am liebsten wäre ich Tänzer." Zwar sei der Schäfflertanz zeitaufwendig, "aber einmal muss man einfach dabei sein."

ha/nl

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