Stichelei lässt Fass überlaufen

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mühldorf - Der eine nimmt Provokationen gelassen hin, einem anderen platzt der Kragen. Wegen einfacher Körperverletztung ist nun ein 45-Jährige zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Provokationen enden schon mal vor Gericht, selbst wenn sich zwei ganz normale und unbescholtene Mühldorfer im Wirtshaus gegenüberstehen. Wegen einfacher Körperverletztung ist ein 45-Jähriger zu 120 Tagessätzen à 30 Euro am Amtsgericht verurteilt worden.

Ein ruhiger Feierabend hätte es im November 2010 werden sollen für den Trockenbauer, mit ein paar Bier und netter Unterhaltung in einer Mühldorfer Wirtschaft. Wären da nicht die ständigen Provokationen vom Nachbartisch gewesen: Er soll die Bild-Zeitung vernünftig zusammenlegen, stichelte der 34-jährige Nebenkläger immer wieder. Und über den Fußballverein, von dem der Angeklagte Fan ist, soll er sich lustig gemacht haben. Dies ging so lange, bis der Angeklagte die Flucht nach Hause antrat. Das Problem: Auf dem Weg nach draußen musste er am Tisch des Kanalreinigers vorbei, der sich eine letzte Provokation nicht verkneifen konnte.

Und die brachte das Fass zum Überlaufen: Der Angeklagte packte den Stänkerer am Kragen und warf ihn zu Boden. Was dann passierte, darüber gingen die Meinungen vor dem Amtsgericht auseinander. Fest steht, dass die Schulter des 34-Jährigen gebrochen war. Der Angeklagte bestritt, mit den Füßen zugetreten zu haben. "Wenn ich dreimal mit dem Fuß hinhaue, dann würde er anders aussehen", sagte er. Lediglich seine Füße habe er auf dessen Oberkörper gestellt, um ihn am Boden zu halten.

Das Opfer selbst kann sich nach dem Sturz kaum an etwas erinnern. Dass der Angeklagte ihn mit Füßen getreten haben soll, weiß er nur aus Erzählungen. Für ihn ist klar, dass seine Schulter bei dem Sturz gebrochen ist. Seitdem ist er arbeitsunfähig, drei Operationen liegen hinter ihm, seine Schulter kann er noch immer nicht voll belasten. "Es ist fatal", beschreibt er seine Lage.

Dass der Angeklagte mit den Füßen zugetreten hat, darüber waren sich die Zeugen einig. Aber nicht, wie er getreten hat. Die Wirtin hat gesehen, wie er auf den Oberkörper "draufstapfte", die beiden anderen Zeugen sagten aus, wie der Angeklagte mit dem Fuß ausgeholt habe wie zu einem Pass beim Fußball. "Sonst wäre er nicht unter den Tisch gerutscht."

Für die Staatsanwältin stand eine gefährliche Körperverletzung außer Frage. Sie forderte neun Monate auf Bewährung und 1600 Euro. Der Anwalt des Nebenklägers räumte die Sticheleien seines Mandanten ein, aber: "Das rechtfertigt die überzogene Reaktion nicht." Er stellte aber einen Adhäsionsantrag, durch den die künftigen materiellen und immateriellen Schäden des Sturzes geltend gemacht werden können.

Einem solchen wollte der Verteidiger nicht ohne Einschränkungen zustimmen, immerhin sei es nur aufgrund der Sticheleien zu der Auseinandersetzung gekommen. "Das Mitverschulden geht verloren." Er plädierte auf 75 Tagessätze à 40 Euro wegen einfacher Körperverletzung.

Dies sah auch der Vorsitzende Richter Florian Greifenstein so, legte das Strafmaß allerdings bei 90 Tagessätzen à 30 Euro fest. Zusammen mit einer Trunkenheitsfahrt sprach er den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Euro schuldig. Dem Adhäsionsantrag gab er statt.

hi/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser