Unter Strom

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Ein letzter Besuch auf der Eisbahn: Als Stadtwerkechef war Stephan Rösner auch für die Freizeitbetriebe der Stadt zuständig. Mit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen kehrt er in seine Heimat Garmisch-Partenkirchen zurück.

Mühldorf - Nach zwölf Jahren an der Spitze der Stadtwerke geht Stephan Rösner in den Ruhestand. Die Herausforderungen der Stromversorgung lassen ihn auch dann nicht los.

Nach zwölf Jahren an der Spitze der Stadtwerke geht Stephan Rösner in den Ruhestand. Die Herausforderungen der Stromversorgung, die die letzten Jahre seines Berufslebens geprägt haben, lassen ihn auch dann nicht los.

Es sieht eigentlich nach Anfang aus: Das Geschäftsführer-Büro ist vom dritten in den zweiten Stock gezogen, helles Holz und viel Glas haben den in die Jahre gekommenen Räume neues Aussehen verliehen. Einziges Zeichen, dass es doch ein Ende ist der Name auf der Glastür. Unter Geschäftsleitung steht Alfred Lehmann, Rösners Name ist in die zweite Reihe gerutscht. "Dann kann man ihn am 31. Dezember leichter austauschen", sagt der 62-Jährige und lacht.

Sein Büro ist nicht mehr das Eckbüro des Geschäftsführers, es ist kleiner und liegt daneben. Die Wände bleiben ohne Bilder kahl. Rösner trägt Cord-Hose und Pullover, über den er später einen Trachtenjanker ziehen wird. Anzug und Krawatte holte er in den letzten 13 Jahren nur selten aus dem Schrank, er mag sie nicht besonders. Auch dann nicht, wenn abends noch ein Termin mit dem stets Krawatte tragenden Aufsichtsratsvorsitzenden bevor steht.

Rösner wirkt in diesen letzten Tagen seiner Arbeit noch entspannter, als er das in den vergangen Jahren ohnehin meist tat. "Das hat mich nicht aus der Ruhe gebracht", ist einer der Sätze, die man ihm sofort abnimmt. Er strahlt Gelassenheit aus und ist doch das, was man als harten Brocken bezeichnet. Das bekam auch Aufsichtsratsvorsitzender, Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch immer wieder zu spüren, wenn Rösner die Stadtwerke aus kommunalen Zwängen befreite: Mal verweigerte er den Zuschuss an Vereine, mal beschloss Rösner eine Erhöhung der Eintrittsgelder für Stockschützen auf der Eisbahn, mal stellte er sich bei Investitionen quer. "Der Bürgermeister musste schlucken, wenn man sagt, dass man nicht mitmacht."

Der Grund fürs Neinsagen ist der immer gleiche: "Es ist gar nicht anders möglich", Rösner versteht die Stadtwerke als Unternehmen, das im Konkurrenzkampf steht, von den Preisen an der Strombörse abhängt und wirtschaftlich handeln muss. Das war Rösners schwerster Kampf in den Mühldorfer Jahren: Die Liberalisierung des Strommarkts und die Folgen für ein kleines kommunales Unternehmen. Rösner schmiedete überregionale Einkaufsbündnisse, versuchte die Stadtwerke an Kraftwerken zu beteiligen und spekulierte an der Strombörse, um günstigen Strom Jahre voraus kaufen zu können.

Trotz aller Bemühungen ist die Zeit der Millionengewinne aus der monopolartigen kommunalen Stromversorgung vorbei, heute erzielen die Stadtwerke vor allem aus Beteiligungen Profit. Und der geht komplett an die Stadt, die sich zuletzt über 300.000 Euro freuen durfte. Wenn es um Strom geht, ist Rösner auch jetzt noch mit Herzblut dabei. Dann sagt er, dass Politiker die Konsequenzen ihres Handels nicht sähen, die Verbraucher belasteten und den Wettbewerb zu ungunsten der kleinen Anbieter verschärften. Für die Stromversorgung hat er sich in vielen Verbänden auf Bundesebene engagiert, in Ministerbüros argumentiert und zahllose Briefe und Erklärungen verfasst.

Zugleich liebt Rösner die Nähe der kommunalen Arbeit, die kurzen Wege, die direkten Kontakte zu Menschen in ihrem Umfeld. Die hat er schon vor seiner Mühldorfer Zeit gehabt, als er bei den Stadtwerken in Garmisch-Partenkirchen tätig war, von denen er 2000 nach Mühldorf kam. Nach Garmisch-Partenkirchen wird er jetzt zurückkehren, wo ihn Frau und eine von drei Töchtern erwarten, die ans Elternhaus angebaut hat; dort ist sein Turnverein, dessen Vorsitz er nicht aufgeben hat; dort hat er die Möglichkeit in der Firma des Schwiegersohnes mitzuarbeiten.

Und gleichzeitig sagt er, wie wohl er sich in Mühldorf gefühlt habe: "Ich war gerne hier, habe gute Kontakte gehabt." Auf einem kleinen Zettel hat er einen Satz notiert, die einzige Unterlage für das Gespräch. Darauf steht ein herzliches Dankeschön an alle, mit denen er zusammengearbeitet hat, an den Stadtrat, an die Kunden der Stadtwerke, an die Bürgermeister. Diese Botschaft ist Rösner so wichtig, dass er am Ende des Gesprächs noch einmal daran erinnert. Sie soll nicht vergessen werden.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser