Sozialarbeiter für Asylbewerber

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"Es ist Zeit, dass wir Nägel mit Köpfen machen": Caritas-Chef Herbert Späth (links) und Dekan Roland Haimerl vor der Gemeinschaftsunterkunft am Bahnhof.

Mühldorf - Ein Sozialarbeiter in Teilzeit soll sich künftig neben den ehrenamtlichen Helfern um die Asylbewerber in Mühldorf kümmern.

Möglich macht das eine Vereinbarung zwischen Caritas-Kreisverband und Stadtkirche Mühldorf.

Gesundheitsbetreuung, Anträge für Leistungen aus dem Bildungspaket, Tipps zum Thema Familienzusammenführung: Stephanie Rothkäppel hat alle Hände voll zu tun. Ehrenamtlich unterstützt sie zusammen mit sieben weiteren Frauen der AWO-Initiative "Isis" nicht nur die Asylbewerber beim Ausfüllen der Formulare oder beim Gang zum Arzt, sondern sammelt - ganz nebenbei - auch noch Sponsorengelder, um vor dem Haus am Bahnhof einen kleinen Spielplatz für die Kinder einzurichten.

Ausdrücklich lobt Rothkäppel das gute Team rund um die Gemeinschaftsunterkunft, in der rund 60 Asylbewerber untergebracht sind: "von der Leiterin über den Hausmeister bis hin zu den Verantwortlichen bei Stadt und Landratsamt". Doch auch sie weiß: "Auf Dauer ist das alles ehrenamtlich nicht zu schaffen. Da bleibt irgendwann zu viel auf der Strecke." Alleine am Donnerstag war sie über acht Stunden am Stück rund um das Heim unterwegs.

Ausdrücklich begrüßt sie deshalb - ebenso wie Marianne Zollner als Leiterin des Hauses der Begegnung - den Plan, einen Sozialarbeiter in Teilzeit einzustellen: "In meinen Augen kann es schließlich keine Lösung sein, wenn auf Dauer staatliche Aufgaben komplett auf Ehrenamtliche abgewälzt werden." Eine Teilzeit-Fachkraft könnte nicht nur einen Teil der Bürokratie übernehmen, sondern auch die Zusammenarbeit mit Stadt, Landratsamt und Ehrenamtlichen koordinieren - und so auch Stephanie Rothkäppel entlasten.

Den Stein ins Rollen brachte der bayerische Landtag, der Anfang März der Erhöhung der Fördermittel im Bereich der Asylsozialberatung um 1,2 Millionen auf 2,6 Millionen Euro zugestimmt hat. Dementsprechend stockte das Sozialministerium die Förderung der Personalkosten entsprechender Stellen um zehn auf 60 Prozent auf. "Daraufhin haben wir uns im Kuratorium Gedanken gemacht, wie sich die restlichen 40 Prozent stemmen lassen", erklärt Caritas-Kreisgeschäftsführer Herbert Späth.

Rund 30000 Euro kostet eine halbe Stelle, 18000 Euro kämen aus dem Etat des Ministeriums. Eine entsprechende Anfrage in Sachen Finanzierung der fehlenden 12000 Euro an den Diözesanverband der Caritas brachte zunächst nichts ein. "Keine Chance", hieß es.

Also kam Späth bei der Kuratoriumssitzung mit Dekan Roland Haimerl ins Gespräch, der nicht nur Vorsitzender des Gremiums, sondern zugleich Leiter der Stadtkirche Mühldorf ist. In dieser Funktion reicht er Jahr für Jahr rund 18000 Euro aus der Caritas-Sammlung an den Kreisverband weiter - heuer wird der Betrag erstmals zweckgebunden sein. "Ich habe die Kirchenpfleger darüber informiert, dass wir damit explizit die Einrichtung dieser Stelle unterstützen", erklärt Haimerl und fügt hinzu: "Für die Stadtkirche ändert sich im Grunde nichts. Da wir das Geld ja ohnehin aus der Hand geben, fehlt es uns auch nicht anderswo."

Die Idee stieß auch beim Diözesanverband der Caritas auf offene Ohren. "Aufgrund des örtlichen Engagements der Stadtkirche betrachten wir es als sinnvoll, dieses Projekt umzusetzen", hieß es dort. Eine bemerkenswerte Aussage, schließlich muss man das Vorhaben auch zu Ende denken. Denn der Betrag könnte im Haushalt später an anderer Stelle fehlen. Für Späth kein Problem: "Wir haben auf Kreisebene seit Jahren sehr solide gewirtschaftet. Eventuell muss dann eben heuer der Zuschuss vom Diözesanverband etwas höher ausfallen." So gesehen fließt letztlich dann doch wieder Geld aus München. Späth und Haimerl lächeln. "Manchmal kommt man eben nur über Umwege ans Ziel."

Für den Caritas-Chef dauert die Sache ohnehin schon viel zu lang: "Es ist an der Zeit, dass wir Nägel mit Köpfen machen." Möglichst bald soll die Stelle ausgeschrieben werden. "Realistisch ist, dass wir zum 1. September jemand einstellen."

Sehr zur Freude von Stephanie Rothkäppel: "Aufgaben gibt es genug. Der wird gut zu tun haben. Und uns wird sicher auch nicht langweilig."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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