Pollinger bald ein Seliger?

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Polling/St. Ottilien/Südkorea - In der Kirche der Benediktinerabtei Waegwan in Südkorea hat der Prozess zur Seligsprechung der Märtyrer von Tokwon begonnen. Zu ihnen gehört auch Bruder Basilius Hauser aus Polling.

Bruder Basilius Hauser.

Bischof Jang hat den Prozeß zur Seligsprechung der Märtyrer von Tokwon eröffnet. 38 Märtyrer der nordkoreanischen Benediktinermission, die in den Jahren 1949-1952 im Gefängnis von Pyöngyang getötet worden sind oder im Konzentrationslager von Oksadok umkamen, sollen selig gesprochen werden. Unter ihnen ist auch Bruder Basilius Hauser aus Polling.

Der Benediktinermönch starb 1950 in einem nordkoreanischen Internierungslager. "Unter unsäglichen Qualen [...] ging unser guter Bruder Basilius am 14. Februar 1950 in die ewige Heimat." So heißt es in dem Protokoll der Lagerärztin. 1949 stürmten die Kommunisten das Kloster Tokwon, in dem Bruder Basilius als Koch arbeitete. Ein Teil der Brüder wurde nach Pyongyang gebracht und dort erschossen, der andere Teil kam in den Kerker in Oksadok. 

Pater Willibrord Driever.

Geboren wurde Bruder Basilius Hauser am 10. November 1886 als Martin Hauser in Polling. Er besuchte die Werktagsschule in Oberbergkirchen und hat eine Lehre als Bäcker begonnen, die er aber auf Empfehlung seiner Mutter abgebrochen habe, weil der Meister ihn mit der Hundepfeitsche geschlagen haben soll. Bis 1910 war er in Oberbergkirchen, Altötting, Übersee, Eisenärzt und Inzell tätig. Das weist sein Arbeitsbuch nach. Mit 24 Jahren bat Martin Hauser im oberbayerischen Kloster St.Ottilien um Aufnahme. Nachdem er 1913 sein Gelübde abgelegt hatte, erhielt er den Ordensnamen Basilius. Ein Jahr später wurde Bruder Basilius nach Korea geschickt.

Abt Simon Ri von Waegwan aus Südkorea - in Nordkorea gibt es keine offizielle katholische Kirche mehr - leitete im Mai 2007 den Seligsprechungprozess der 38 Märtyrer offiziell ein. Jetzt hat der Prozess zur Seligsprechung begonnen.

"Der Prozess ist ein Ausdruck des Respektes für Menschen, die um ihres Glaubens Willen ermordet wordet sind", erklärt Pater Willibrord Driever, Benediktienermönch im oberbayerischen Kloster St. Ottilien, der auf deutscher Seite an dem Seligsprechungsprozess mitwirkt. "Das Andenken dieser Menschen muss vor der Vergessenheit bewahrt werden, damit sie nicht in der Anonymität verschwinden." Eine Seligsprechung sei auch eine Anfrage an jeden einzelnen, was er bereit ist, für den Glauben zu tun.

Ein langer Prozess

Das Kloster Tokwon.

Der Prozess gliedere sich in drei Phasen. "Die erste ist die Informativphase, in der man sich überhaupt zur Seligsprechung entschließt und Informationen sammelt." Diese Phase sei sehr mühsam. "Ich habe sämtliches Material gesammelt und dann eine Bittschrift mit der Bitte, den Prozess zu eröffnen, an den zuständigen Bischof in Südkorea geschickt", berichtet Pater Willibrord. Nachdem der Bischof die Bittschrift angenommen hatte wurde der Prozess kirchenrechtlich eröffnet. In der zweiten Phase muss die Bischöfliche Kommission zu dem Schluss kommen, dass alles rechtens ist. Ist das der Fall, wird alles schließlich nach Rom weitergeleitet, wo die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechung den Prozess nochmal aufrollt. "Das ist nötig, weil es sein könnte, dass ein Bischof unter Druck gesetzt wird oder es nur selber unbedingt möchte, dass jemand selig gesprochen wird", erklärt der Pater. "Mit dem Wiederaufrollen des Prozesses ist eine größere Objektivität gewährleistet." Außerdem könne so dem Papst ein irrtumsfreier Vorschlag vorgelegt werden. Diesen kann der Papst dann annehmen oder ablehnen.

Im Fall der 38 Märtyrer der nordkoreanischen Benediktinermission und damit auch von Bruder Basilius Hauser ist Pater Willibrord Driever sehr zuversichtlich, dass es zur Seligsprechung kommen wird. "Ich glaube daran, weil die Sache historisch gesichert ist. Wir haben hier wirklich ein Martyrium." Die vier Kriterien die dabei zu erfüllen sind lauten:

  • es muss sich um eine reale Person handeln, die Identität muss nachgewiesen sein
  • die Person muss wegen ihres Glaubens an Christus und der Treue zur Kirche verfolgt und getötet worden sein
  • die Person muss einen realen Tod erlitten haben
  • die Verfolger müssen vom Hass gegen den Glauben und die Kirche motiviert gewesen sein.

Das alles treffe auf die Märtyrer in Nordkorea zu. Wie lange der Prozess der Seligsprechung dauern wird, ist ungewiss. "Ich schätze, es werden zwei bis drei Jahre", meint der Pater.

Mehr Informationen unter

www.ottilien.de

Anette Mrugala

 

Rubriklistenbild: © re

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