Schwere Zeiten für die Milchbauern

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Mit einer Ehrenmedaille des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurde Matthias Meindl (Zweiter von rechts) ausgezeichnet. Ihm gratulierten der Zuchtverbandsvorsitzende Rupert Staudhammer (Vierter von links) sowie Josef Kobler (links), Direktor des Landwirtschaftsamts Töging. Für ihre Zuchtleistungen wurden zudem Ludwig Schußmüller, Georg Fürstenberger, Marianne Mayr, Christian Mittermüller und Josef Mayerhofer (von links) geehrt. Foto nl

Mühldorf/Mettenheim - Die Zeiten sind hart und sie werden nicht besser. Bei ihrer Jahresversammlung redeten die Fleckviehzüchter im Landkreis Mühldorf Klartext.

Auf ein landwirtschaftspolitisch bewegtes Jahr blickten die Fleckviehzüchter im Landkreis Mühldorf auf der Mitgliederversammlung des Zuchtverbandes und des Milcherzeugerrings Oberbayern-Ost beim Kreuzerwirt in Mettenheim zurück. Die Debatten um die Blauzungenkrankheit und die Gentechnik sowie den Umsatzrückgang trotz gestiegener Vermarktungszahlen bewegten die Landwirte. Und so nahm es der Zuchtverbandsvorsitzende Rupert Staudhammer gelassen, dass er als Mitglied der Ausschüsse des Zuchtverbandes sowie des Milcherzeugerrings abgewählt wurde.

Das sei Ausdruck der Unzufriedenheit vieler mit der Landwirtschaftspolitik, nicht fehlende Sympathie ihm gegenüber, sagte er. 8,4 Millionen Euro Umsatz verzeichnete der Zuchtverband 2009; 2008 waren es noch 8,7 Millionen gewesen, teilte Staudhammer mit, der seinen Vorsitz noch in diesem Jahr ablegen wird.

Kritik erntete er vor allem für sein Votum im Kreistag gegen einen Antrag der Grünen-Fraktion, den Landkreis Mühldorf zur Gentechnik-freien-Zone zu erklären. "Die Mehrheit der Bauern ist klar dagegen. Und auch die Mehrheit der Bevölkerung", betonte Martin Obergaulinger aus Obergauling bei Neumarkt-St. Veit. "Dafür zu stimmen, wäre ein Schritt in die richtige Richtung gewesen."

Er habe den Antrag nur abgelehnt, weil er neben der Anbau-Freiheit auch die Fütterungsfreiheit umfasst habe, stellte Staudhammer klar. "Dafür brauchen die Bauern einen Aufschlag, um die Mehrkosten abzudecken", entgegnete er. Anbaufrei sei der Landkreis ohnehin seit über einem Jahr.

In ganz Bayern leiden die Milchviehhalter unter den niedrigen Preisen, ihre Zahl hat seit 2005 jährlich um durchschnittlich vier Prozent von knapp 48000 auf gut 40000 abgenommen. "Ein deutlicher Strukturwandel", fasste der Zuchtleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Töging, Josef Zieglgänsberger, zusammen. Der Zuchtverband Oberbayern-Ost komme da mit durchschnittlich zwei Prozent Rückgang an Betrieben jährlich noch gut weg.

Auch bei der Quotenübertragung habe der Landkreis Mühldorf profitiert, stellte Josef Kirschner vom AELF dar. Um drei Prozent habe die Milchquote durch Zuwanderung ausgeweitet werden können. Der Landkreis Altötting dagegen habe um fünf Prozent verloren.

Im Vergleich zum Jahr 1985 sei die Besamung beim Fleckvieh um 47 Prozent, beim Braunvieh gar um 64 Prozent eingebrochen, erklärte der stellvertretende Leiter der Besamungsstation München-Grub, Peter Baumgärtl. "Ein deutliches Indiz für die dramatische Lage der Milchbauern." Konstante Preise in der Milchviehhaltung werden der Vergangenheit angehören, prognostizierte der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Töging, Josef Kobler.

Um die Zukunft zu sichern, warb Andreas Bernhart, Kassier der Mühldorfer Jungzüchter, um Nachwuchs. Mit dem vielseitigen Programm seien die Jungzüchter ein attraktiver Verein für die Hoferben, sagte er und gab einen Überblick über die Veranstaltungen 2009.

Im Zuchtverbandsausschuss vertreten die Mühldorfer Fleckviehzüchter wie bisher Dionys Kirschner, neu hinzu kommen Oswald Brandstetter, Markus Trager, Josef Mayerhofer und Irmgard Osner. Als Vertreter wurden Johann Schöberl, Rupert Staudhammer, Matthäus Kobold, Adolf Maderlechner und Johann Thalmeier gewählt. Im Ausschuss des Milcherzeugerrings sind wie bisher Michael Feckl, Georg Fürstenberger und Dionys Kirschner, neu gewählt wurde Oswald Brandstetter. Rupert Staudhammer ist auch hier nur noch als Stellvertreter dabei.

Mit einer Gegenstimme angenommen wurde die geänderte Satzung, die nach einer Gesetzesänderung für alle Zuchtverbände in Bayern notwendig geworden war. nl

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