Bilder, stärker als im Kino

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Im Interview: Mühldorfer Schüler berichten beim Bayerischen Rundfunk über ihre Arbeit an Hörstücken durch das Bunkergelände.

München/Mühldorf - Wider das Vergessen haben Schüler des Ruperti-Gymnasiums und der Hauptschule Mühldorf Hörstücke aufgenommen, die Besucher durch das ehemalige KZ-Außenlager im Mühldorfer Hart führen.

Am Montag stellten sie die Beiträge beim Bayerischen Rundfunk in München vor.

Im Herbst haben die Schüler damit begonnen, sich vor Ort ein Bild zu machen, Daten zu recherchieren und Interviews mit Zeitzeugen zu führen. "Das KZ-Außenlager ist ein komplexes Gelände mit einer schweren Vergangenheit. Dies verlangt eine Erklärung, die sich nicht auf Schautafeln umsetzen lässt", sagte Werner Karg von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Die Tonbänder zeigen einen Weg durch die Gedenkstätte.

Geholfen bei der Umsetzung hat den Schülern Elke Dillmann vom Bayerischen Rundfunk. Entstanden sind drei große Themenblöcke, mit denen sich die Schüler auseinandergesetzt haben: Bau des Bunkers, das Lagerleben sowie das Massengrab und die Erinnerung. Mit Musik, eigens ausgedachten Szenen und Geräuschen setzen die Schüler in ihren Beiträgen Akzente, ziehen den Zuhörer in die Geschichte hinein, lassen Bilder im Kopf entstehen.

Dies lobte auch Staatssekretär Dr. Marcel Huber: "Die Schüler haben sich authentisch dem Thema angenähert und tragen somit zu einer Sensibilisierung der Geschichte bei." Dies bestätigte auch Mercedes Riederer, Chefredakteurin beim Bayerischen Rundfunk: "Auch wenn noch keine Zeitzeugen zu Wort kommen, entstehen bereits durch die Musik, den Text und die Atmosphäre Bilder im Kopf, die stärker sind als es Kino oder Fernsehen vermitteln kann." Fast den letzten Augenblick hätten die Schüler genutzt. Denn noch bestehe die Chance, mit Zeitzeugen zu sprechen.

Das Projekt der Stiftung Zuhören des Bayerischen Rundfunks und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit will das Bewusstsein an diesem Thema stärken. In Zusammenarbeit mit Schulen entstehen für mehrere Gedenkstätten Hörstücke. Die Schüler sind von Beginn an in den Prozess miteingebunden, entwickeln Themen und recherchieren. "Das Interesse ist groß und das überträgt sich auf die Motivation. Auf diese Weise entstehen Entdeckungsreisen, denen man sich sonst nicht nähert", erklärte Marion Glück-Levi von der Stiftung Zuhören.

Mit den Hörführern bringen die Schüler die Geschehnisse vor den Stadttoren Mühldorfs wieder in Erinnerung. Denn oft fehlte schon in der Nachkriegszeit den Menschen der Bezug zum Bunkergelände im Mühldorfer Hart. "Nach einem solchen Trauma haben viele das Thema zurückgedrängt. Damit so etwas nicht noch einmal passiert, muss jeder seinen Teil dazu beitragen", sagte Marcel Huber. Selbst Mercedes Riederer, die aus dem Landkreis Rottal-Inn stammt, hatte lange Zeit keine Ahnung, was in Mühldorf passiert sei: "Die Schüler dienen als Anstoß dazu, im Kopf zu behalten, wie wichtig die Geschichte ist und diese auch im Hinterkopf zu behalten."

Die Hörstücke stehen auf der Homepage des Bayerischen Rundfunks kostenlos zum Download bereit.

hi/Mühldorfer Anzeiger

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