Den Blick in die Welt geöffnet

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Mitten unter ihren „Lieblingen“: Helga Laskos im Kreis der Prämienschüler im Ruperti-Gymnasium.

Mühldorf - Helga Laskos verabschiedet sich beim internationalen Abend Ende der Woche in der Bastei von ihren Schülern. Denn nach 26 Jahren gibt die 68-Jährige die Organisation des Prämienschülerprogramms weiter.

Sie kommen aus Chile und Tunesien, China und Frankreich: Seit den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts besuchen jährlich ein gutes Dutzend Schüler Mühldorf. Sie sind Teil des sogenannten Prämienschülerprogramms, bei dem Jugendliche, die in ihren Schulen Deutsch lernen das Land zur Sprache kennenlernen sollen. Oder, wie Helga Laskos es ausdrückt: "Vier Wochen, um den Schülern den Blick für die Welt zu öffnen."

An dieser Aufgabe beteiligt sich die ehemalige Sekretärin des Ruperti-Gymnasiums seit 1983. Sie hat einen festen Stamm von Gastfamilien im Landkreis gewonnen, die oft über Jahre Gastschüler für 14 Tage in Mühldorf aufnehmen. Sie hat Jugendliche aus Madagaskar bei einem Ausflug auf den Jenner geschleppt, zur ersten Bergtour ihres Lebens überhaupt, sie hat staunend beobachtet, wie ein Mexikaner gestandene Oberbayern beim Watten ausschickte oder freudig erlebt, wie Freundschaften zu ihr oder den Gastfamilien oft über Jahrzehnte anhielten.

Zum Beispiel die eines Griechen, der vor seiner Reise in großer Sorge war, in einer Familie mit Nazivater zu landen, so wie er es halt aus Filmen kannte. "Der Vater war aber so nett, dass sich der Junge sehr wohlgefühlt hat", erzählt Laskos und bis heute Kontakt hält.

Verändert hat sich in diesen Jahren die Einstellung der Jugendlichen, glaubt Laskos, vor allem die Dankbarkeit sei zurückgegangen. "Solche Auslandsaufenthalte sind heute wohl selbstverständlicher als früher."

Dabei müssen sich die Jugendlichen vor ihrer Reise qualifizieren. Sie müssen gute Noten haben, eine deutsche Schule in ihrem Land besuchen oder Deutsch lernen und sich bewerben. Trotzdem: Die im Nachhinein fälligen Berichte über den Besuch in Deutschland an das Auswärtige Amt, das die Reise bezahlt, schrieben viele nicht, sagt Laskos.

Auch nach ihrem Abschied wird das Programm weiter gehen, Lehrer Dieter Lengenfelder übernimmt die Organisation, schon heuer begleitet er die Ausflüge. Auf die verzichtet Laskos heuer erstmals, um sich um ihren schwer kranken Mann kümmern zu können

Der Abschied von ihren Schülern wird schwer fallen, ist Laskos sicher. "Es war nicht immer nur Spaß", sagt sie. "Aber diese Gruppe war mir von Anfang an sympathisch." So wird ihr das langjährige Engagement in guter Erinnerung bleiben, wenn sie die Jugendlichen am Anfang der kommenden Woche zu ihrer nächsten Station nach München begleitet.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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