Ohne Nachtzielgerät Sauen jagen

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Nicht alles, was technisch machbar ist, muss auf der Jagd eingesetzt werden: Heimische Jäger wollen auf Nachtsichtgeräte verzichten.

Mühldorf - In den vergangenen Jahrzehnten haben die Wildschweinbestände in Bayern zugenommen. Jäger und Landwirte ringen um eine gemeinsame Bejagungsstrategie.

Der Bayerische Landtag will den Jägern die Verwendung von Nachtzielgeräten erlauben. Dies sieht jedoch der Bayerische Jagdverband (BJV) sehr kritisch.

Im BJV befassen sich seit Jahren Fachausschüsse mit der effektiven Schwarzwildbejagung. Die großen Erfolge in vielen Bereichen Bayerns zeigen, dass die Fachkompetenz eindeutig in den Reihen des BJV liegt. Klar, dass die erlegten Sauen - im Jagdjahr 2010/11 rund 60.000 - zum größten Teil von BJV-Mitgliedern zur Strecke gebracht wurden.

Der BJV bringt gern sein fachliches Wissen in das Pilotprojekt "Brennpunkt Schwarzwild - Projekt zur Entwicklung innovativer regionaler Konzepte" ein und hat dafür Vertreter aus den Kreisgruppen benannt. Der Mühldorfer Kreisvorsitzende Dr. Erich Loserth sagt zu der Thematik: "Wenn allerdings nachhaltig ein Erfolg in der Schwarzwildbewirtschaftung erzielt werden soll, müssen die beteiligten Landwirte und Jäger enger zusammenrücken. Sie sollten über Schussschneisen und andere Voraussetzungen für eine effektive und tierschutzgerechte Bejagung nicht nur sprechen, sondern diese tatsächlich in die Praxis umsetzen." Jetzt biete sich die Chance, die Planung dieser Maßnahmen für das kommende Frühjahr anzugehen.

Auf Beschluss des Bayerischen Landtags soll in dem Pilotprojekt das Nachtzielgerät zum Einsatz kommen. Der BJV hat sich mehrmals zu dem Pilotversuch mit Nachtzielgeräten geäußert und kritisch die möglichen negativen Auswirkungen beleuchtet. Denn nicht alles, was technisch machbar ist, muss nach Ansicht des BJV auf der Jagd eingesetzt werden. Waidgerechtigkeit, Sicherheit und Respekt vor der Tierwelt dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Während das Waffenrecht immer restriktiver gehandhabt wird, soll nun den Jägern ein verbotenes Nachtzielgerät in die Hand gegeben werden - mit ausdrücklicher Zustimmung von staatlicher Seite. Derzeit steht das Nachtzielgerät nur geschulten Spezialkräften der Polizei zur Verfügung. Nach dem Waffengesetz ist der private Besitz verboten. Sowohl der Besitz als auch der Einsatz dieses Gerätes werden mit hoher Freiheitsstrafe geahndet.

Der BJV hegt den Verdacht, dass nach der Erlaubnis von Nachtzielgeräten zur Schwarzwildbejagung auch der Nachtschuss auf Gams, Reh und Hirsch gefordert werden könnte. Zumindest legt dies ein Zitat von Sepp Spann, Präsident der Bayerischen Waldbesitzervereinigung, in der SZ nahe: "Nachtsichtgeräte sind Hilfsmittel, die den Jägern ihr Handwerk erleichtern."

Demgegenüber ist Dr. Loserth der Meinung: "Die vordergründige Zielaufgabe, Wildschäden im Feld zu verhindern, kann mit dem Nachtzielgerät nicht erreicht werden, da in den schadensgefährdeten Monaten die Vegetation so hoch steht, dass Frischlinge und Überläufer selbst in Getreide- oder Luzerneschlägen nicht erkennbar sind. Die Bejagung im Mais ist ohne Schneisen völlig unmöglich."

Es gibt nach Ansicht das BJV weitaus effektivere Möglichkeiten, um Wildschweine zur Strecke zu bringen. Einzeljagd, Sammelansitze und revierübergreifende Drückjagden, effektiv durchgeführt, haben nachweislich zu hohen Abschussquoten geführt. Da Schwarzwild nur großräumig sinnvoll bejagt werden kann, sind insbesondere revierübergreifende Jagden empfehlenswert. Landwirte und Jäger sind in Sachen Schwarzwild mehr denn je auf Zusammenarbeit angewiesen und sollten sich verstärkt zusammenschließen.

gth/Mühldorfer Anzeiger

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