Weg für H&M ist frei

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Der Seitenflügel des Klosters (rechts neben dem Baum) steht unter Denkmalschutz. Ein Neubau an Stelle der alten Post (links hinter dem Baum) beeinträchtigt nach Ansicht des Denkmalamts das gesamte Ensemble. Der Stadtrat hat sich trotzdem für einen Neubau entschieden, weil das Ziel der Altstadtsanierung und die Schaffung großer Verkaufsflächen höher zu bewerten sei.

Mühldorf - Wenn der neue Bebauungsplan bekannt gemacht ist, kann am Mühldorfer Stadtplatz ein Kaufhaus für H&M gebaut werden. Über konkrete Pläne oder einen Zeitrahmen ist allerdings noch nichts bekannt.

Mit einem Schlagabtausch zwischen FM-Stadtrat Max Oelmaier und Bürgermeister Günther Knoblauch ging die Aufstellung des Bebauungsplans am Stadtplatz für das Gebäude der ehemaligen Post in die letzte Runde. Dort soll, so der Wille der Stadt, das Bekleidungshaus H&M nach einem Abriss und Neubau einziehen. Jetzt hat der Stadtrat den Satzungsbeschluss gefasst, wenn H&M und der Investor wollen, können sie nach der offiziellen Bekanntmachung mit dem Abriss und Neubau beginnen.

Trotz der seit Monaten dauernden Diskussion sorgte das Vorhaben weiter für Streit im Stadtrat. Max Oelmaier von den Freien Mühldorfern warf Knoblauch in der jüngsten Stadtratssitzung vor, den Stadtrat falsch über die Kritik des Landesamts für Denkmalpflege am Bauvorhaben informiert zu haben. Knoblauch, so Oelmaier, habe bereits zur Stadtratssitzung am 20. Mai gewusst, dass das Denkmalamt in einem Schreiben "massive Einwände" erhebe, dem Stadtrat aber mitgeteilt, dass es keine neue Stellungnahme gebe.

Diese Stellungnahme hat die zuständige Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung laut Knoblauch erst am 21. Mai und damit nach der Stadtratssitzung per Internetfax auf ihren Bildschirm erhalten. Von dort sei das Schreiben zu ihm gegangen.

Auf Anfrage kündigte Knoblauch Schritte gegen Kreisheimatpfleger Ernst Aicher an. Der hat das Schreiben des Denkmalamts nach Angaben des Bürgermeisters an Oelmaier weitergegeben und damit gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen.

Knoblauch verteidigte seine Aussage, für das Bauvorhaben sei eine einvernehmliche Lösung mit dem, dem Denkmalamt vorgesetzten, Wissenschaftsministerium erzielt worden. Bei einer Ortsbesichtigung habe der Vertreter des Ministeriums die Drohung weiterer Schritte gegen die Genehmigung des Abrisses und Neubaus zurückgenommen. Knoblauch berief sich auf zwei Gesprächsnotizen aus der Stadtverwaltung und dem Landratsamt, die seine Einschätzung bestätigten.

Diese Aussage über das Gesprächsergebnis attakierte Oelmaier und verwies auf die jüngste Stellungnahme des Denkmalsamts. Darin heißt es: Die "denkmalpflegerischen Bedenken hinsichtlich struktureller Auswirkungen auf das Altstadtensemble sowie hinsichtlich der Auswirkungen auf das Erscheingsbild des als Einzeldenkmal geschützten Hofflügels des ehemaligen Klosters" seien "freilich um so schwerer". Die frühere Androhung, den Fall vor den Landesdenkmalrat zu bringen, fehlt allerdings. Von einem Einvernehmen könne keine Rede sein, klagte Oelmaier.

Auf die Probleme des Neubaus für das historische Bild der Stadt wies Kurt Bimsberger (CSU) hin und sprach von einer schwierigen Abwägung für den Stadtrat. "Wir müssen entscheiden, was wir wollen: die komplette Wahrung des Interesses des Denkmalschutzes oder die Erreichung des Altstadtsanierungsziels und den Erhalt der Einkaufsattraktivität." Um die Stadt für Kunden und Kaufleute interessant zu halten, führe an dem Neubau kein Weg vorbei, obwohl dabei weder die Verkehrssituation in der Durchfahrt zur Konrad-Adenauer-Straße verbessert noch ein Durchgang vom Stadtplatz in die Musikschule geschaffen werde. Gegen die Stimmen der beiden Grünen beschloss der Stadtrat den neuen Bebauungsplan. Oelmaier stimmte trotz seiner Kritik für den Bebauungsplan.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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