Brauer und Trendstetter

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Mühldorfer Florian Kuplent betreibt in St. Louis seine eigene Brauerei.

Mühldorf - In St. Louis hat sich der gebürtige Mühldorfer Florian Kuplent seinen Traum erfüllt: die eigene Brauerei. Der Braumeister kam über London und New York nach St. Louis.

Er hat dort, zusammen mit seinem Partner David Wolfe, den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Dabei hat sich Florian Kuplent in der Brauereiszene einen besonderen Ruf gemacht. Er gehört zu den Braumeistern, die neue Wege bei der Bierherstellung gehen und gilt als besonders experimentierfreudig, was neue Biersorten betrifft.

Frage: Wie kommt ein Braumeister, der in Mühldorf geboren wurde, das Ruperti-Gymnasium besuchte, in Freising studierte nach Amerika?

Florian Kuplent: Nach meinem Studium des Brauwesens an der TU in Weihenstephan übernahm ich den Aufbau einer Mikro-Brauerei in London. Ich lernte dort meine Frau -eine Amerikanerin - kennen und wir beschlossen dann nach ein paar Jahren von England in die USA zu ziehen. Ich wollte nach dem Abschluss meines Abiturs am Ruperti-Gymnasium schon immer gerne einige Zeit im Ausland arbeiten, dass ich jetzt in den USA meine eigene Brauerei eröffnet habe, hätte ich mir damals natürlich nicht träumen lassen.

Frage: Wo ware Ihre erste Stelle als Braumeister in Amerika?

Florian Kuplent: Meine erste Stelle als Braumeister in den USA war bei Anheuser-Busch, einem der größten Brauereikonzerne der Welt. Ich war anfangs als Schichtleiter in der Nähe von New York beschäftigt und übernahm dann die Spezialbierentwicklung im Hauptquartier in St. Louis. Einmal bei Anheuser-Busch als Braumeister zu arbeiten, hatte mich damals schon lange fasziniert und ich bewarb mich kurz vor unserem Umzug auf eine Stelle, die ich dann auch bekam.

Frage: Wann haben Sie sich entschlossen, in St. Louis eine eigene Brauerei aufzubauen?

Florian Kuplent: Es war schon seit langem ein Traum von mir, mal eine eigene Brauerei zu eröffnen. Vor rund einem Jahr habe ich mich dann entschlossen, mit meinem Geschäftspartner David Wolfe den Schritt zu wagen. Wir brauen jetzt seit Januar und vertreiben unsere Biere im Großraum St. Louis.

Frage: Sie experimentieren mit neuen Biersorten. Welche Motivation treibt Sie an?

Florian Kuplent: Es ist einfach spannend, die Rohstoffe so zu verwenden, dass dabei ein neuartiges Bier entsteht. Eines unserer Flaggschiffe ist ein Bier, das wir neben dunklem Gerstenmalz auch mit Kastanien brauen und das dann mit einer Weißbierhefe vergoren wird. Immer wieder neue Biersorten auf den Markt zu bringen erlaubt es uns, uns von anderen Brauereien abzuheben. Konsumenten hier in den USA sind sehr an Bierinnovationen interessiert.

Frage: Welchen Stellenwert hat für Sie das bayerische Reinheitsgebot?

Florian Kuplent: Meine bayerischen Biersorten stelle ich alle nach dem Reinheitsgebot her. Zur Zeit haben wir gerade ein bayerisches Hefeweissbier im Gärtank. Alle Rohstoffe dafür importiere ich aus Bayern: Hopfen aus der Hallertau, Malz aus Franken und einen traditionellen Weißbier-Hefestamm. Wir haben sehr großen Erfolg mit diesen traditionellen Biersorten, allerdings spielt dabei das Reinheitsgebot aus Sicht des Konsumenten eher keine Rolle. Auf der anderen Seite macht es dann aber auch Spaß, wie schon oben erwähnt, mit Rohstoffen zu experimentieren, die nach dem Reinheitsgebot nicht zugelassen sind, wie Kastanien, Erdbeeren und unvermälztes Getreide und noch vieles mehr.

Frage: Wo liegen die Unterschiede zwischen dem bayerischen und amerikanischen Biermarkt?

Florian Kuplent: Ich glaube, die Situation in Deutschland ist ziemlich vergleichbar mit der Situation hier in den USA vor rund 30 Jahren. Einige Großkonzerne beherrschen den Markt und versuchen noch mehr Marktanteile zu bekommen, in dem sie Brauereien aufkaufen, oft stilllegen und mit Preissenkungen versuchen, Kunden zu gewinnen. Natürlich gibt es immer noch kleine lokale Brauereien, die sich der Brautradition bewusst sind und sich ihr verpflichtet fühlen. Ich denke, dass es gerade für diese kleinen Brauereien die Möglichkeit gibt, durch guten Service, Bierinnovationen und dem direkten Kundenkontakt zu punkten und sich dadurch ihre Zukunft zu sichern. Der Trend zu mehr lokalen Bieren hier in den USA wird sich in einigen Jahren auch in Deutschland wiederholen, da bin ich sehr zuversichtlich.

sb/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser