Psychische Störungen nach der Geburt

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Mühldorf - Um das Thema psychische Störungen nach der Geburt in die Öffentlichkeit zu bringen, hat das Landratsamt eine Infoveranstaltung abgehalten.

Der Sitzungssaal des Landratsamtes war gut besetzt, als die Schwangerschaftsberatungsstelle im Zuge der Woche der seelischen Gesundheit zur Informationsveranstaltung „Postpartale psychische Störungen – erkennen, verstehen, handeln“ am Mittwoch, 5. Juni, eingeladen hatte. In ihrer kurzen Begrüßung freute sich die Sozialpädagogin Sylvia Wimmer von der Schwangerschaftsberatungsstelle besonders, dass sich so viele verschiedene Einrichtungen interessiert zeigten. So waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter anderer Schwangerschaftsberatungsstellen, des Amtes für Jugend und Familie bzw. andere Jugendhilfeeinrichtungen, der Sozialpsychiatrische Dienst, Hebammen, Kinderärztinnen und -ärzte und Gynäkologen anwesend.

„Die Geburt eines Kindes ist ein großartiges, wunderbares Ereignis, und alle erwarten eine strahlende, glückliche Mutter. Dem ist aber leider nicht immer so. Schwangerschaft und Elternschaft können auch Krisen hervorrufen, dies wird aber oft tabuisiert“, führte Dr. Benedikt Steingruber, Leiter des Gesundheitsamtes, ins Thema ein. Dr. Mirijam Fric, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie im Inn-Salzach Klinikum Wasserburg a. Inn, erläuterte anschließend die verschiedenen Formen von psychischen Störungen nach der Geburt eines Kindes. Sie zeigte Symptome auf sowie Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Die häufigste Störung ist dabei die im Volksmund als „Wochenbettdepression“ bezeichnete. Die Häufigkeitsangaben schwanken – je nach Untersuchungsmethodik – zwischen 10 bis 15 % und 6,5 bis 22 %, die neueren Zahlen für Deutschland aus einer internationalen Studie sprechen gar von 17,1 %. „Leider kommt nur ein Teil davon in fachgerechte Behandlung, was zur Chronifizierung der Depression oder im schlimmsten Fall gar zum Suizid der Mutter führen kann. Es besteht dabei aber auch die Gefahr eines erweiterten Suizids, d. h. das Kind wird mit in den Tod genommen“, so Dr. Mirijam Fric. Bei der anschließenden Diskussion ging es vor allem um die Situation im Landkreis Mühldorf a. Inn sowie um Anlaufstellen, Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Wenn man von 1.000 Geburten im Jahr im Landkreis ausgeht, betrifft die „Wochenbettdepression“ jährlich rund 170 Mütter. Wegen Scham- und Schuldgefühlen holen sich aber die Wenigsten Hilfe.

Dabei gibt es durchaus mehrere Stellen, die helfen: Schwangerschaftsberatungsstellen, Koki (Netzwerk frühe Kindheit) oder der Sozialpsychiatrische Dienst. Hier bekommen Betroffene in dringenden Fällen noch am selben Tag einen Termin. So kann teilweise auch die Zeit überbrückt werden, bis eine ambulante oder stationäre Therapie möglich ist, bei denen Wartezeiten bis zu einem halben Jahr bestehen können. Dr. Mirijam Fric betonte, dass es wichtig ist, die Hemmschwelle abzubauen. Schwangerschaftsberatungsstellen können zwar auf das Thema aufmerksam machen und darüber informieren, insgesamt sollten jedoch alle, die mit frisch gebackenen Müttern zu tun haben, ein Bewusstsein für diese Thematik entwickeln.

Bewusstmachen und sensibilisieren möchte auch die Ausstellung „Krisen nach der Geburt“, die noch bis Ende Juni im Landkreis zu sehen ist. Die bundesweit einmalige Ausstellung, die vom Netzwerk Krise nach der Geburt, Bamberg, entwickelt wurde, gibt einen Einblick in die Innenwelt von Betroffenen. Über drei Roll-Ups, einen Würfel und eine Fußmatte werden außerdem Informationen über das Krankheitsbild vermittelt und auf Hilfsangebote aufmerksam gemacht.

Bei Fragen hilft gerne die Schwangerschaftsberatungsstelle am Landratsamt – Gesundheitsamt weiter, Telefon 08631/699-522, - 526, -527 oder per Mail schwanger@lra-mue.de.

Pressemitteilung Landratsamt Mühldorf

Rubriklistenbild: © dpa

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