Gärtner und Ärztin retten Mammutzahn

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Nach Jahrtausenden, vergraben unter Sand und Gestein, hat der Mammutzahn bei Familie Klemm ein neues Zuhause gefunden.

Mühldorf - Wie eng Mühldorf mit der Urgeschichte verbunden ist, zeigen immer wieder Funde in der Stadt. Jetzt tauchte ein Mammutzahn auf.

Um ein Haar hätte Herbert Klemm das gute Stück plattgewalzt. Der Gartenbauer erledigte gerade Planierarbeiten in einer Kiesgrube bei Mühldorf, als er zwischen Sand und Kies einen großen Klumpen bemerkte. Es wäre ein leichtes gewesen, weiterzufahren und den Brocken zu planieren, doch der Mühldorfer reagierte umsichtig und sah sich das Ganze erst einmal aus der Nähe an.

Minuten später rief er seine Frau an: "Ich habe einen Zahn gefunden." Obwohl der Klumpen über und über mit Sand ummantelt war, gab es für den 54-Jährigen kaum Zweifel, dass es sich um einen Mammutzahn handeln muss. Schließlich seien in der Gegend schon mehrmals Mammutzähne gefunden worden.

"Zuerst haben wir den Zahn vom Sand befreit", erzählt Christine Klemm. Immer wieder sei Sand aus den Ritzen gerieselt. "Als wir uns dann im Internet Bilder von anderen Mammutzähnen angesehen haben, waren wir uns eigentlich sicher." Eine Expertin bestätigte schließlich den Verdacht. Dr. Gertrud Rößner, Konservatorin für fossile Säugetiere an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München, beantwortete eine entsprechende Anfrage der Klemms via Mail: "Es handelt sich tatsächlich um einen Mammutzahn."

Doch schon nach ein paar Tagen begann der Zahn, der unter der Erde vermutlich Jahrtausende überdauert hatte, zu bröckeln. Die Klemms taten, was jeder vernünftige Mensch mit einem Zahnproblem tun würde: Sie riefen ihre Zahnärztin an. "Natürlich wollte sie den Zahn sofort sehen und hat bei uns zu Hause vorbeigeschaut." Und sie wusste tatsächlich Rat: Sie empfahl, den Mahlzahn mit einem Klarlack zu bestreichen.

So gut erhalten ist das seltene Objekt auch für die Wissenschaft interessant. "Wir haben darüber nachgedacht, den Zahn einer Universität oder einem Museum zu überlassen", sagt Christine Klemm. Eine Professorin hätte den Zahn sehr gerne gehabt, allerdings nur fertig präpariert. "Damit die Uni sich die Arbeit spart." Außerdem bekomme man eine Leihgabe an die Universität oder ans Museum nur schwer zurück. "Der Zahn wäre dann für immer weg."

Die Klemms könnten den Zahn auch einfach verkaufen. Je nach Größe und Zustand werden für Mammutbackenzähne dreistellige Summen geboten, ein gut erhaltener Stoßzahn hätte sogar über 1000 Euro gebracht. Doch das kommt für die Klemms auf gar keinen Fall in Frage. Denn: "Wann findet man im leben schon einen Mammutzahn?"

Deswegen werde das Relikt weiter gepflegt und in eine Vitrine gestellt. "Da können wir es dann immer anschauen." Und sich darüber freuen, dass Herbert Klemm nicht einfach weiterplaniert hat.

alb/Mühldorfer Anzeiger

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