Manche lieben Vulkane

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Mühldorf - Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull betrifft Reisende auf der ganzen Welt. Wie die Betroffenen aus dem Landkreis Mühldorf reagieren?

Einige mit Freude, wenige mit Ärger, die meisten mit Gelassenheit und alle mit Kompromissen. Das Flugverbot über Europa triftt auch Schüler des Mühldorfer Ruperti-Gymnasiums. In Denver sitzen 20 Mädchen und Buben der Jahrgangsstufe zehn fest. Ihren Rückflug am vergangenen Sonntag hat die Lufthansa nach Angaben von Schulleiter Anselm Räde gestrichen. "Die Jugendlichen wurden zurück in ihre Gastfamilien gebracht." Dort warten sie gemeinsam mit ihrem Betreuungslehrer Stefan Fenzl auf die Rückkehr nach Mühldorf. Die ist derzeit für den kommenden Dienstag geplant, sagte Räde gestern. Dank der Vermittlung einer Gastmutter, die bei der amerikanischen Fluggesellschaft United Air arbeite, hätten die Schüler relativ schnell einen Rückflug bekommen. Räde schränkt allerdings ein, dass auch dieser Flug von der Entwicklung im europäischen Luftraum in den nächsten Tagen abhängig sei.

Die Schüler in den Vereinigten Staaten sehen die Verzögerung des Rückflugs gelassen, wenn nicht sogar erfreut. "Wie ein Großteil meiner Freunde, wollte ich unbedingt noch da bleiben, der ganze Vormittag bestand aus Zittern. Und dann die entscheidende Mail: Wir bleiben hier! Yeah! I love volcanoes!", schreibt eine Schülerin im Internet-Blog über den Schüleraustausch. Auf dem Boden geblieben ist in der vergangenen Woche auch der Mühldorfer Lufthansa-Pilot Holger Brüssel. Er wartet auf einen Anruf, dass der Flugverkehr wieder einsetze. Dabei sitzt der 35-Jährige auf Kohlen: Er und seine Frau Constanze erwarten das zweite Kind. "Sie ist in der 38. Woche", stehe also zwei Wochen vor der Entbindung. "Ein Langstreckenflug nach Hongkong wäre jetzt nicht optimal", sagt der werdende Vater. Zumal er dann nicht nur fünf Tage lang weg wäre, sondern auch vor der Ungewissheit stünde, ob der Vulkan nicht doch noch weiter spuckt und den Flugzeugverkehr erneut lahm legt. Er hofft auf die Kollegialität seines Flottenschefs, um in den nächsten Wochen auf Kurzstrecken mit schnellerer Heimkehrmöglichkeit zu fliegen, "Kapazitäten an Piloten wären ja genügend frei, die den Langstreckenflug übernehmen würden".

Eine ganz andere Lösung für sein Problem hat der Student Aljoscha Leonhardt gefunden. Eigentlich sollte der junge Mann, der im englischen Cambridge studiert, seit Wochenbeginn wieder im Hörsaal sitzen. Doch weil sein Flug nach London ausfiel und die Bahntickets für einen Studenten nach seinen Angaben einfach unerschwinglich sind, besteigt er heute Abend den Bus. Das Problem: "Es gab nur noch von Nürnberg aus Tickets, das heißt ich muss vor meiner 22-stündigen Busfahrt noch zwei Stunden mit dem Auto nach Nürnberg!" Die Fahrt von München sei wesentlich teurer und außerdem bis kommenden Sonntag ausgebucht. Leonhardt ist sich sicher, "dass die Fahrt schrecklich wird." Allerdings habe er vergleichsweise Glück gehabt. Ein Kommilitone, der dringend eine Arbeit abzugeben hatte, musste sich extra ein Auto kaufen, um rechtzeitig an die Uni zu kommen.

hon/je/zip/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © re

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