"Die fetten Jahre" von Malediva

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"Das Glück ist keine Shell-Tankstelle und hat 24 Stunden offen", sagen Tetta Müller und Lo Maline und servieren im Haberkasten unterhaltsame Kost.

Mühldorf - Ob homo oder hetero: Malediva erklärt dem Publikum im Mühldorfer Haberkasten, dass Paarprobleme überall ähnlich sind.

Es ist angerichtet. Auf der Bühne ein frisch gedeckter Tisch, die Deko ist durchgestylt, so wie man es von einem gut situierten Pärchen erwartet: die Gläser schön poliert, Stoffservierten, Vasen für den floralen Tinnef, den die Gäste so mitbringen. Auch die zwei Gastgeber, Tetta Müller und Lo Maline, haben sich in Schale geworfen. Zusammen mit dem Komponisten Florian Ludewig sind sie das Kabarett- und Comedytrio Malediva, das im Haberkasten ihr siebtes Programm präsentiert.

"Die fetten Jahre" heißt es, der rote Faden durch die mal burleske, mal feinsinnige Show ist die Routine und auch das bisschen Langeweile, die bei Pärchen Ende Dreißig einsetzt, wenn die Karriere und die Eigentumswohnung in trockenen Tüchern ist und die Intervalle zwischen den leidenschaftlichen Eskapaden größer werden.

Dann, so die Story von Malediva, lädt man gepflegt Gäste zum Abendessen ein ("Kochen ist der Sex des Alters"), kochen die Gastgeber natürlich selbst. Nebenbei setzen sie sich mit unerfüllten Erwartungen auseinander. Während also der Karnickelbraten im Ofen schmort, der mit zartbitterer Schokoladensauce serviert werden soll, zerreißen sich die beiden Hausherren das Maul über die Gäste, lästern unbekümmert gleichermaßen über Lesben-, Schwulen- und Heteropaare. Zartbitter ist dabei nicht nur die Schokosauce für die Kaninchen, dunkel und gut dosiert sind auch die Sticheleien: Da ist zum Beispiel das Heteropärchen, das sich immer gegenseitig Essenshäppchen in den Mund schieben muss, oder die Lesben, die es gewagt haben, sich kurz vor dem geplanten Abendessen zu trennen. Wenn "Auto-Tanja" sich von "Yoga-Tanja" trennt, zu wem hält man? Und wen von beiden lädt man ein? Muss man sich überhaupt entscheiden? "Die trennen sich, und wir haben die Probleme!" Schlussendlich sagen die Gäste ab, und Tetta und Lo spekulieren singend und frotzelnd über die Gründe.

Obwohl das Thema Paarbeziehung und Liebe auf der Bühne abgegrast scheint, schaffen es die beiden, dass sich das Publikum im ausverkauften Haberkasten zwei Stunden lang köstlich amüsiert. Nicht, weil die Sprüche so neu sind, sondern weil die zwei so authentisch rüberkommen, wenn sie miteinander flirten, Gemeinheiten austauschen und sich süffisant verbale Bälle zuspielen. Paarprobleme - ob hetero oder homo - seien nämlich überall die gleichen. Denn: "Das Glück der schwulen Pärchen ist ein weit verbreitetes Märchen." Textpassagen wie "Das Glück ist keine Shell-Tankstelle und hat 24 Stunden offen", sind keine geklauten Lebensweisheiten. Die beiden wissen genau wovon sie sprechen, sind sie doch seit Jahren ein Paar und mittlerweile auch verheiratet.

Trotz schwerem Karnickelbraten ist die Comedyshow eine leichte und humorige Kost, kredenzt mit Guter- Laune-Musik. Die Schlager und Chansons mit ihren mal anzüglichen und mal melancholischen Texten gehen in die Beine. Das ist dem Komponisten Florian Ludewig zu verdanken, der die beiden am Klavier durch das Programm begleitet.

Summa summarum ein Wohlfühlabend: wie nach einem gelungenen Essen bei Freunden.

Mühldorfer Anzeiger

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